Investoren fordern Rendite

Daimler: Unternehmen muss ums Überleben kämpfen - „Sonst ist die Story vorbei“

„Durchfahrt verboten“-Schild und Mercedes-Fahnen vor der Daimler-Zentrale in Untertürkheim
+
Die Daimler AG spaltet sich in zwei getrennte Unternehmen auf.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
    schließen

Die Daimler AG spaltet sich in diesem Jahr in zwei getrennte Unternehmen auf. Doch eines davon ist laut Experten jetzt schon massiv bedroht.

Karlsruhe - Als die Daimler AG im vergangenen Februar offiziell verkündete, dass sich die Lkw- von der Pkw-Sparte abspalten will, sprach der Chef des Konzerns von einem „historischem Moment für Daimler“. Noch in diesem Jahr soll es so weit sein: dann will Daimler-Chef Ola Källenius den Truck-Bereich, getrennt vom Pkw-Bereich - der dann als Mercedes Benz AG durchgeht - an die Börse bringen.

Der Börsengang der von Daimler Truck AG könnte viel Geld einbringen. Bereits kurz nach der Verkündung im Winter, setzte die Aktie der Daimler AG zu einem Höhenflug an, bei Analysten stieß die Abspaltung auf positiven Widerhall. Wenngleich die Spaltung des Konzerns ernst zu nehmende Folgen für die Mitarbeiter haben könnte, die sich besorgt über ihre Arbeitsplatzsicherheit zeigen - nach Einschätzung von Arndt Ellinghorst, Auto-Experte von Bernstein Research, hätte eine Abspaltung zumindest für den Konzern selbst zwei Vorteile: Zum einen ein Wertgewinn am Aktienmarkt - die Daimler Truck AG hätte einen Börsenwert von knapp 35 Milliarden Euro. Zum anderen käme der Druck auf das Truck-Management, für mehr Rendite zu sorgen, so Ellinghorst gegenüber der Deutschen Welle.

Daimler AG: Truck-Chef gerät unter Rendite-Druck

Letzteres wird nun für Daimler AG zum Problem. Wie das Handelsblatt berichtet, bekommt Ola Källenius im Vorfeld des geplanten Börsengangs mächtig Gegenwind von potenziellen Investoren, denen die Performance von Daimler Truck nicht ausreicht. Im Vergleich schneiden die Stuttgarter nämlich schlechter ab als die Rivalen Volvo und Paccar, die doppelt so viel wirtschaften würden. „Der Markt erwartet von Daimler Truck ambitioniertere Ziele“, sagt Arndt Ellinghorst zum Handelsblatt.

Erschwerend kommt für Daimler hinzu, dass es die Klimaziele einhalten muss. In der Truck-Sparte setzt der Auto- und Lkw-Bauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart auf die Brennstoffzelle. Die Umstellung dafür kostet Milliarden. Um die Wasserstoff-Revolution zu entwickeln, hat sich Daimler mittlerweile auch mit dem Konkurrenten Volvo zusammengetan.

Daimler AG: Experten sehen Sparpotenzial beim zu engmaschigen Vertriebsnetz

Neben diesem Kostendruck hängt nun viel aber auch von Truck-Chef Martin Daum ab. Bisher zeigen sich Analysten nicht sehr zufrieden mit der Arbeit des gebürtigen Karlsruhers. Michael Muders, Fondsmanager bei Union Investment, sagte gegenüber Handelsblatt: „Das, was er bisher abgeliefert hat, war enttäuschend.“ Daum müsse nun mit seinem Team liefern, sonst kriege er Druck vom Kapitalmarkt.

Mehr Rendite lautet die Forderung. Experten rechnen damit, dass das Truck-Management vor allem das als zu engmaschig angesehen Vetriebsnetz in Angriff nehmen könnte, um Kosten zu sparen. Klassische Logistik-Kunden würden keineswegs überall gebraucht, wie das momentan in der Vertriebsstruktur von Daimler Truck der Fall ist. Viele Servicestandorte könnten angesichts dessen auf lange Sicht überflüssig werden.

Daimler AG: Analyst forder überzeugende Strategie - „Sonst ist die Story vorüber“

Fest steht jedenfalls - und darauf weist Marc Tüngler hin, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) - dass Daimler Truck eine „überzeugende Strategie“ für die nächsten drei bis fünf Jahre benötigt. „Sonst ist die Story vorüber, bevor sie richtig angefangen hat“, so Tüngler gegenüber dem Handelsblatt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare