Bitterer Rückschlag

Daimler: Werk in Deutschland stoppt Produktion - 100.000 unfertige Fahrzeuge

Ein Mitarbeiter der Daimler AG mit einer Mercedes A-Klasse im Werk in Rastatt.
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Aufgrund von fehlendem Nachschub steht die Produktion im Daimler-Werk in Rastatt wieder still (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG hatte massiv unter der Corona-Krise zu leiden. Nun muss ein Werk in Deutschland erneut die Produktion stilllegen - die komplette Belegschaft muss in Kurzarbeit.

Update vom 13. Januar, 11:55 Uhr: Aufgrund von fehlendem Nachschub von Computerchips droht dem Mercedes-Werk der Daimler AG in Rastatt ein erneuter Produktionsstillstand. Die Fabrik mit rund 6.500 Angestellten musste bereits während des ersten Corona-Lockdowns ihre Arbeit für mehrere Wochen einstellen und die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Nun wird die Produktion in Rastatt erneut eingestellt, wie der Stuttgarter Konzern am gestrigen Dienstag laut den Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) bestätigte.

Der Stillstand im Rastatter Werk der Daimler AG bedeutet für die Angestellten auch die Rückkehr in die Kurzarbeit. „Aufgrund des anhaltenden Lieferengpasses an bestimmten Halbleiterkomponenten hat das Werk Kurzarbeit beantragt“, sagte ein Sprecher des Autoherstellers. Die fehlenden Bauteile werden unter anderem auch von dem Stuttgarter Konzern Bosch geliefert. Aufgrund des Mangels könne Daimler aktuell rund 100.000 Fahrzeuge nicht fertigstellen, wie die BNN berichten. Die Halbleiter werden in alle Fahrzeuge des Konzerns aus der Landeshauptstadt verbaut. Durch den Lieferengpass könnten demnach auch weitere Daimler-Standorte betroffen sein. Die Produktionspause in Rastatt soll bereits am Freitag beginnen.

Erstmeldung vom 12. Januar: Rastatt - Die Daimler AG hatte im vergangenen Jahr massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie zu leiden. Während dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 stand die Produktion an vielen Standorten des Autobauers für mehrere Wochen still. Neben der wirtschaftlichen Krise zwingt auch die Umstrukturierung auf die E-Mobilität den Konzern zu einem strengen Sparplan, der sogar noch drastischer ausfällt, als von Daimler-Chef Ola Källenius vorhergesagt.

Unter anderem kündigte der Hersteller an, eines der wichtigsten Werke massiv einzustampfen. Nach erheblichem Widerstand der Mitarbeiter wollte Daimler dann doch Tausende Jobs in Deutschland retten.

Aufgrund der Corona-Pandemie baute die Daimler AG nicht nur an vielen Standorten Stellen ab, sondern musste Mitarbeiter auch in die Kurzarbeit schicken. Dann kam die Wende: Der Luxusauto-Boom in China verhalf Daimler zu glänzenden Absatzzahlen, die Corona-Krise schien schon überwunden. Nun droht am Werk in Rastatt jedoch ein erneuter Stillstand der Produktion, viele Mitarbeiter könnten dadurch wieder in die Kurzarbeit rutschen, wie die Badische Neueste Nachrichten (BNN) berichten.

Daimler AG: Produktionstopp in deutschem Werk droht - wichtiger Nachschub fehlt

Das Werk der Daimler AG in Rastatt wurde im Jahr 1992 gegründet und beschäftigt nach Angaben des Konzerns aktuell etwa 6.500 Mitarbeiter. In der Fabrik werden vor allem die Modelle der A-Klasse und B-Klasse von Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz gefertigt.

Das Daimler-Werk war bereits im März des vergangenen Jahres von einem Corona-bedingten Produktionstopp betroffen. Nun gebe es erneute Pläne, die Produktion herunterzufahren, wie mehrere Mitarbeiter gegenüber BNN bestätigten. Ein Großteil des Personals soll demnach erneut in Kurzarbeit geschickt werden.

Der Grund für den drohenden Stillstand im Rastatter Werk der Daimler AG ist laut den Mitarbeitern der fehlende Nachschub an wichtigen Bauteilen für die Produktion. Als größter industrieller Arbeitgeber der Region sind auch zahlreiche Zulieferer von einem möglichen Stillstand des Werks betroffen, wie die BNN berichten. Neben dem Rastatter Werk gehören auch Standorte in Ungarn, China, Mexiko und Finnland zu dem Produktionsverbund für Kompaktfahrzeuge, die ebenfalls von der Maßnahme betroffen sein könnten.

Daimler-Chef Ola Källenius hatte erst kürzlich einen Erfolg bei E-Autos verkündet und auch der Umsatz in China machte Hoffnung. Ein erneuter Stillstand in einen der wichtigen deutschen Werke wäre ein herber Schlag für den Stuttgarter Autobauer.

Daimler AG: Nachschub an Computerchips fehlt - Corona führte zu Schwankungen

Die Daimler AG setzt ihren Fokus inzwischen deutlich auf die Produktion von E-Autos und verlegt die Herstellung von Verbrennern nach China. Der Konzern kündigte für dieses Jahr drei neue E-Auto-Modelle an. Der EQA, ein rein elektrisch betriebenes Kompaktfahrzeug, wird bereits im Mercedes-Benz-Werk in Rastatt gebaut.

Die Premiere ist für den 20. Januar angesetzt, der Produktionstopp könnte nun jedoch fatale Konsequenzen haben. Nachschub fehlt offenbar bei den Computerchips, die in die Fahrzeuge eingebaut werden sollen. „Ja, auch wir sind wie die gesamte Autoindustrie von Engpässen bei Halbleitern betroffen“, sagte Ola Källenius laut der Automobilwoche.

Als Grund für die Lieferengpässe, durch die nun ein erneuter Produktionstop in Rastatt droht, gibt Källenius auch die Corona-Pandemie an, die zu Schwankungen geführt habe. „Wir versuchen dies mit unserem flexiblen Produktionssystem im Hintergrund auszugleichen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG laut der Automobilwoche.

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