Fahrzeug-Software

Daimler AG erklärt mit einem waghalsigen Schritt Tesla und Google den Krieg

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Die Daimler AG hatte zuletzt ihre Strategie überarbeitet. Dazu gehören auch Investitionen in eigene Software - ein Eindringen des Konzern in das Hoheitsgebiet von Tesla.

Stuttgart - Die Daimler AG war lange Zeit mehr als nur ein Fahrzeughersteller. Doch die Doppelbelastung aus Coronavirus in Baden-Württemberg und Umstieg auf die E-Mobilität zwingt den Konzern aus Stuttgart zu einem Sparkurs.

Zuletzt stellte das Unternehmen die überarbeitete Strategie der Daimler-Tochter Mercedes-Benz vor. Zur neuen Ausrichtung gehört auch, sich wieder mehr auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und sich von anderen Feldern zu verabschieden. So steigt Daimler aus dem Sharing Mobility aus, obwohl das Geschäft bald 2.350 Milliarden Euro wert ist.

Zu den Mobilitätsangeboten gehörte auch die Forschung am Robotaxi, doch auch diese Technologie gibt Mercedes auf. Allerdings wird die Daimler AG nicht sämtliche Ideen abseits der Fahrzeugherstellung über Bord. Wie das Handelsblatt berichtet, will Daimler in Zukunft Software für Autos verstärkt selbst entwickeln - und stößt damit in ein Hoheitsgebiet von US-Konkurrent Tesla vor.

Software-Entwicklung für Fahrzeuge: Daimler AG will US-Hersteller Tesla Konkurrenz machen

Der E-Auto-Hersteller Tesla von Elon Musk hatte die hauseigene Software-Entwicklung revolutioniert. Probleme mit den Modellen des Konzerns aus Kalifornien müssen meist nicht in der Werkstatt gelöst werden, sondern werden mit einem Software-Update aus der Welt geschafft.

Beim Handelsblatt Auto-Gipfel betonte jetzt auch Daimler-CEO Ola Källenius, künftig stark auf eigene Software für Fahrzeugmodelle setzen zu wollen. Bereits im Juni sagte Daimler Tesla mit einem eigenen Betriebssystem den Kampf an. Schon damals sprach Ola Källenius vom „Smartphone auf vier Rädern“ - ein Vergleich, den er jetzt wieder bemühte.

Bei der Hardware, aber auch bei der Software für dieses Vorhaben hatte sich die Daimler AG bislang auch Unterstützung von anderen Unternehmen geholt. So baut Daimler zusammen mit Nvidia ab 2024 alle Mercedes-Modelle mit spezieller Software „Gemeinsam wollen wir den Autobesitz über den Lebenszyklus revolutionieren, indem wir die Fahrzeugsoftware kontinuierlich via Over-the-Air-Updates aktualisierbar machen“, so sagte Nvidia-Chef Jensen Huang im Juli zu der Kooperation.

Daimler AG: Ähnlich ambitioniert wie das futuristische Konzeptauto AVTR sind auch die Software-Pläne des Fahrzeugherstellers.

Daimler-CEO Ola Källenius sieht Trend in zunehmender Vernetzung - auch bei Mercedes-Benz

„Es ist ein ganz klarer Strategieschwenk, dass mehr und mehr In-House geht“, erklärte Ola Källenius beim Handelsblatt Auto-Gipfel. Daimler hat diesbezüglich aber noch deutlichen Nachholbedarf, auch wenn laut Handelsblatt zuletzt hunderte Software-Entwickler eingestellt wurden. Zuletzt feierte die Daimler AG ihr neues Multimediasystem auf Twitter - und kassiert Häme und Spott.

Das 2024 erscheinende Betriebssystem soll hingegen alles besser machen. „Dieses System ist das Gehirn und zentrale Nervensystem des Autos“, so Ola Källenius laut Handelsblatt. Die eigene Softwareplattform soll künftig die zentrale Instanz für Motor, Klima oder Infotainment sein.

Der Daimler AG und Vorstand Ola Källenius geht es mit der hauseigenen Software allerdings nicht nur um Unabhängigkeit und den Konkurrenzkampf mit Tesla. Auch den US-Konzern Google will Daimler davon abhalten, Software für die Autos zu liefern. Hinzu kommt die wirtschaftliche Perspektive: Denn anstatt nur Umsatz mit dem Verkauf von Fahrzeugen zu machen, könnte Daimler in Zukunft auch mit Software-Updates Geld verdienen. Neue Dienste in diesem Bereich sollen dem Konzern bis zu einer Milliarde Euro jährlich einbringen, so das Handelsblatt.

Rubriklistenbild: © Daimler AG

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