Großeinsatz der Feuerwehr

Daimler: „Hochgefährlicher“ Vorfall mit E-Mercedes an Ladestation

Ein ausgebranntes Auto in einem mit Wasser gefülltem Container.
+
Der Brand eines E-Autos kann oftmals nur durch die Flutung in einem Container gelöscht werden (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Ein E-Auto der Daimler AG versetzte die Feuerwehr im Kreis Biberach in Aufruhr. Der Besitzer hatte den Mercedes an einen Supercharger angeschlossen.

Stuttgart/Oberessendorf - Die Daimler AG setzt mit der E-Mobilität verstärkt auf die Technologie der Zukunft und will den Verbrenner früher abschaffen als erwartet. Der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart plant, bis zum Jahr 2025 über zehn neue Modelle der elektrischen Baureihe EQ auf den Markt zu bringen. Darunter auch die lang erwartete elektrische S-Klasse EQS. Das E-Auto könnte zum Super-Konkurrenten für Tesla werden. Die E-Autos gelten allgemein als klimafreundliche Alternative zu den Benzin- und Dieselmodellen und sollen auch bei Daimler die CO2-Bilanz drastisch senken. Umstritten ist aktuell jedoch noch das hohe Gewicht der verbauten Akkus, die das Fahrzeug auch insgesamt schwer machen. Dadurch kommt es vermehrt zu Abreibungen der Reifen und des Fahrbahnbelags.

Die E-Autos stellen die Feuerwehren im Falle eines Unfalls jedoch noch vor ein ganz anderes Problem. Im März wurde die Feuerwehr Biberach aufgrund eines brennenden E-Autos der Daimler AG nach Oberessendorf (Kreis Biberach) gerufen. Die Löschversuche des E-Autos von der Daimler-Tochter Mercedes-Benz stellten das Großaufgebot an Einsatzkräften vor große Herausforderungen, berichtet das Portal news-facts.eu. Das Polizeipräsidium Ulm bestätigt den Vorfall.

Daimler AG: E-Auto-Brand im Kreis Biberach - Feuerwehr wendet sich an den Hersteller

In der Automobilproduktion hat sich in den vergangenen Jahren so einiges geändert. Die Autos werden immer stabiler und sicherer gebaut und sollen den Fahrer im Falle eines Unfalls bestmöglich schützen. Die hohe Robustheit der modernen Fahrzeuge erschweren jedoch auch immer wieder die Arbeit der Feuerwehr. So sind beispielsweise die immer robuster werdenden Fahrzeugsäulen, die den Dachbereich mit dem Karosserieunterbau verbinden, ein Problem für die Geräte der Einsatzkräfte. Bei dem Brand eines E-Autos stellen sich jedoch noch weitere Hindernisse, wie der Fall in Oberessendorf am Dienstag zeigte. Laut der Polizei Ulm hatte ein Fahrzeugbesitzer sein E-Auto der Daimler AG an einen Supercharger angeschlossen. Während des Ladevorgangs habe die Batterie angefangen zu rauchen.

Im Kreis Biberach stellte ein brennendes E-Auto der Daimler AG die Feuerwehr vor große Herausforderungen (Symbolbild).

Durch den Brand des E-Autos der Daimler AG wurden die Feuerwehren Oberessendorf und Eberhardzell von der integrierten Leitstelle in Biberach benachrichtigt und in die Sandelholzstraße in Oberessendorf geschickt. Die erste ergriffene Maßnahme bestand darin, den Brand mittels Wasser und Schaum unter Kontrolle zu bringen. Anschließend wurde das Fahrzeug mit einem Stapler auf einen anliegenden Kiesplatz gezogen. Um das weitere Vorgehen zu besprechen, nahmen die Einsatzkräfte Kontakt mit dem Fahrzeughersteller auf.

Daimler AG: Nach E-Auto-Brand - Autobauer ermittelt nach der Ursache

Im Falle eines E-Auto-Brandes bestehen gleich mehrere Gefahren. Zum einen sind die Fahrzeuge aufgrund der großen Akkus im Vergleich zu anderen Modellen nur sehr schwer zu löschen, zum anderen stellen auch die auslaufenden hochgiftigen Substanzen eine große Gefahr dar. Im Falle eines Brandes, wie es bei dem Modell der Daimler AG in Oberessendorf der Fall war, wird die Batterie sehr stark beschädigt. „Derart schwer beschädigte Batterien gelten als hochgefährlicher Sondermüll, da es zu Entflammung, gefährlichen chemischen Reaktionen oder dem Austreten giftiger Gase kommen kann“, schreibt das Portal sonderabfall-wissen.de. Das brennende Mercedes-E-Auto im Kreis Biberach wurde letztendlich auf einen angeforderten Abrollcontainer der Feuerwehr verladen und vollständig mit Wasser geflutet.

Wie so etwas aussehen kann, zeigt ein Facebook-Post der Feuerwehr Bichlach aus dem Oktober 2019:

Nach dem Brand des E-Autos in Oberessendorf kündigte die Daimler AG, die als Hersteller des Fahrzeugs kontaktiert wurde, an, den Grund für die Entzündung ermitteln zu wollen. Für die Feuerwehr vor Ort war der Einsatz durch die Flutung des Fahrzeuges allerdings noch nicht beendet. Um zu vermeiden, dass die hochgiftigen Substanzen aus der beschädigten Lithium-Ionen-Batterie auslaufen und in das Grundwasser sickern, musste das Wasser in dem Container fachgerecht abgepumpt werden. Dazu sei zusätzlich die Werkfeuerwehr Boehringer Ingelheim mit einem Absaugwagen angefordert worden, berichtet news-facts.eu.

Die Stromversorgung der E-Auto-Batterien liegt im Hochvoltbereich bis zu 1.000 Volt, dadurch besteht die Gefahr von Lichtbogen und Stromschlägen. Die Stromversorgung des Daimler-E-Autos wurde von einem Sachverständigen unterbrochen. Die Brandursache konnte vor Ort nicht festgestellt werden, die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden auf rund 70.000 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare