Werk in Rastatt

Daimler wegen Fremdfirma in Erklärungsnot: Mitarbeiter fühlen sich ausgebeutet - „steckt System dahinter“

Das Logo der Daimler AG steht auf einem Werksdach.
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Daimler-Werk in Rastatt: Vor Ort kümmert sich die Firma Van Eupen um die Logistik. Mitarbeiter haben sich jetzt über die dortigen Arbeitsbedingungen beschwert
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    VonValentin Betz
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Die Daimler AG delegiert in ihren Werken auch Aufgaben an Fremdfirmen. In Rastatt haben sich nun Mitarbeiter eines solchen Unternehmens über die Arbeitsbedingungen beschwert.

Rastatt - Die Daimler AG war in den letzten Wochen und Monaten mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Einerseits belastete den Konzern die Corona-Pandemie, andererseits erforderte der Produktionsaufbau von E-Autos große Anstrengungen. Die Leittragenden dieses Vorgangs waren oft die Mitarbeiter an den zahlreichen Daimler-Standorten.

In Baden-Württemberg stand dabei das Werk in Rastatt im Mittelpunkt. Regelmäßig mussten dort Daimler-Mitarbeiter in Kurzarbeit. Schuld daran war ein weiterer Faktor, der die Daimler AG und die Autoindustrie allgemein belastet: der Mangel an Chips. Aktuell gibt es wieder Neuigkeiten aus dem Werk in Rastatt. Wie die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) berichten, gibt es Beschwerden über schlechte Arbeitsbedingungen und Entlassungen. Sie kommen allerdings nicht von der Daimler-Belegschaft, sondern von Mitarbeitern einer in Rastatt tätigen Fremdfirma.

Fremdfirma im Daimler-Werk Rastatt: Mitarbeiter beschweren sich über Arbeitsklima

Einige Standorte der Daimler AG sind gigantisch und durchaus mit kleinen Dörfern zu vergleichen. Oft kommt die Belegschaft des Konzerns dadurch an Grenzen, den Betrieb komplett eigenständig am Laufen zu halten. Die Daimler AG behilft sich damit, bestimmte Aufgaben an Fremdfirmen auszulagern.

Im Werk in Rastatt ist beispielsweise das Logistikunternehmen Van Eupen aus Essen damit betraut, Warenkörbe für die Pkw-Produktion vorzubereiten. Dadurch stehen die richtigen Teile dann am Band, wenn sie gerade benötigt werden. Seit Juli 2020 übernehmen die Mitarbeiter von Van Eupen diesen Arbeitsschritt. Doch wie die Badischen Neuesten Nachrichten schreiben, werden die Angestellten des Logistikunternehmens unter dem Dach von Daimler offenbar ausgebeutet und schlecht behandelt. So lauten zumindest die Vorwürfe.

Angestellte von Van Eupen beschwerten sich gegenüber der Zeitung über falsche Versprechungen. Sie würden Akkordarbeit leisten, obwohl das ihnen gegenüber ausgeschlossen worden sei. Auch Lohnerhöhungen seien versprochen, aber nie umgesetzt worden. Laut Angaben der anonymen Beschwerden würden jene, die auf Lohnerhöhung pochten, einfach entlassen. „Da steckt System dahinter“, erklärt ein Angestellter. Das Resultat der Umstände ist eine hohe Fluktuation bei Van Eupen, von den ursprünglichen 50 Mitarbeitern im Daimler-Werk seien nur noch ein bis zwei übrig.

Werk in Rastatt: Beschwerden über Fremdfirma werfen auch auf Daimler-Verantwortliche kein gutes Licht

Die Verantwortlichen bei Van Eupen gestehen gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten zwar eine hohe Fluktuationsrate ein, verharmlosen diese aber und weisen die übrigen Vorwürfe zurück. „Natürlich gibt es eine Fluktuationsrate. Und im Logistikbereich wird sie vielleicht höher sein als in anderen Bereichen“, so Geschäftsführer Rüdiger König zu der Zeitung. Auch regelmäßige Ausfälle und Unterbesetzung würde es demnach nicht geben und sei überhaupt nicht möglich. „Ein reibungsloser Ablauf ist schon gefährdet, wenn eine Kraft ausfällt“, erklärt der Geschäftsführer von Van Eupen.

Doch auch für die Daimler AG selbst wird der Konflikt bei der Fremdfirma Van Eupen zum Problem. Zwar hätten sich die Angestellten nicht bei der Gewerkschaft IG Metall über die Bedingungen in Rastatt beschwert. Allerdings sei der Gewerkschaft bekannt, dass Betriebsräte von Daimler von der hohen Fluktuation bei Van Eupen Bescheid wüssten. Zwar sind die Betriebsräte nicht für die Mitarbeiter von Van Eupen zuständig - machtlos sind sie allerdings nicht.

Tatsächlich habe inzwischen ein Sprecher gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten betont, Daimler wolle auf Van Eupen in der Sache zugehen. Denn grundsätzlich fordert die Daimler AG auch von Fremdfirmen die Einhaltung eigener Standards - beispielsweise in Bezug auf Arbeitsbedingungen. Notfalls ziehe man deshalb auch „entsprechende Konsequenzen“.

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