Berufseinsteiger trifft das hart

Corona-Krise vernichtet Jobs einer Berufsgruppe, die bei Daimler und Co. bisher heiß begehrt war

Ein Ingenieur testet auf der A2 ein Auto mit einer neuen Software
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Ein Ingenieur testet auf der A2 ein Auto mit einer neuen Software
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Als Ingenieur war man, vor allem in der Region Stuttgart, bislang äußerst gefragt. Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg hat sich die Situation drastisch verändert. 

Stuttgart - Die Landeshauptstadt Stuttgart gilt als die Stadt der Ingenieure. Porsche, Bosch, die Daimler AG, Mahle: Autobauer und Zulieferer sind in der Schwabenmetropole daheim. Seit das Coronavirus in Baden-Württemberg das Land in Atem hält, hat sich der Bedarf an qualifizierten Fachkräften jedoch merklich verringert. 

Wie die Stuttgarter Nachrichten berichteten, sind klassische Ingenieure wie Maschinenbauer und Fahrzeugtechniker in Baden-Württemberg aber auch deutschlandweit derzeit deutlich weniger gefragt als bisher. Das liege vor allem daran, dass die Unternehmen Sparprogramme fahren und sich bei Neueinstellungen zurückhalten. Vielmehr würden Stellen aus der aktuellen Belegschaft heraus besetzt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Weniger Jobs für Ingenieure

Zahlen aus dem aktuellen Ingenieurmonitor, den der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) gemeinsam mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) herausgibt, zeigen: Der konjunkturelle Einbruch hinterlässt gravierende Spuren auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure. Allein im dritten Quartal 2020 sank die Anzahl der offenen Stellen in Deutschland um 26,2 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Ingenieure um 44,9 Prozent.

Traditionelle Branchen wie Maschinenbau, Fahrzeugtechnik und Elektrotechnik verlieren während der Coronakrise immer weiter an Stärke, teilte der VDI mit. Eher gefragt seien nun Berufe im Bereich Bau oder Informatik. Wer sich auf die Bereiche Künstliche Intelligenz (KI), maschinelles Lernen oder Software-Anwendungen spezialisiert hat, hat zurzeit deutlich bessere Karten als jemand aus dem Bereich Elektronik/Elektrotechnik.

Besonders hart trifft es derzeit Jung-Ingenieure und Hochschulabsolventen. Wer bis Anfang des Jahres noch einen Job ergattert hat, kann sich glücklich schätzen. Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg gab es häufig einen Einstellungsstopp auch bei den Autobauern, die einst die Ingenieure mit Handkuss annahmen.

Klassische Ingenieure sind mitten in der Corona-Krise weniger gefragt

Während die Nachfrage nach klassischen Ingenieuren aktuell zurückgeht, sind nun Treiber der Digitalisierung gefragt. VDI-Direktor Ralph Appel sagte einer Pressemitteilung zufolge: „Diese verstärkte Nachfrage im Bereich Informatik und Bau zeigt uns, dass die prekäre Lage – befeuert durch die Corona-Pandemie – doch zumindest eine Chance birgt: Sie wirkt als Katalysator für einen schnelleren Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft.“ Ob man als Ingenieur in der Krise einen Job findet, hängt also stark von Branche und Position ab.

Der VDI glaubt, dass sich der Einbruch in der Nachfrage nach Ingenieuren wieder erholen wird und die Coronakrise nur ein „Knick“ in der Kurve ist. Eine Rolle spiele auch, dass in den kommenden Jahren jährlich über 62.000 Akademiker aus dem MINT-Bereich aus Altersgründen ausscheiden, zum Großteil Ingenieure und Informatiker. Der Nachwuchs wird also vermutlich bald wieder gefragt sein.

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