Daimler-Betriebssystem

Daimler AG sagt Tesla mit einer neuen Erfindung den Kampf an: „Smartphone auf vier Rädern“

Innenansicht eines Mercedes E200. Das Auto fährt ohne Fahrer.
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Daimler Ag entwickelt neues Betriebssystem und sagt Google und Apple den Kampf an (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Daimler Ag mit Sitz in Stuttgart sagt mit ihrem neuen Betriebssystem MB.OS den Platzhirschen wie Google und Apple den Kampf an. Dadurch gewährleistet Daimler einen stärkeren Fokus auf die Software, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius im Interview mit dem Handelsblatt.

  • Die Daimler Ag mit Hauptsitz in dem Stadtteil Untertürkheim in der Landeshauptstadt Stuttgart, hat ein eigenes Betriebssystem entwickelt.
  • Mit dem System MB.OS will das Weltunternehmen die Datenhoheit im Auto verteidigen und sagt Tesla, Google, Apple und Co. den Kampf an.
  • Die neue Software bietet ständige neue elektronische Updates für die Fahrzeuge. Die Software soll von der Hardware entkoppelt werden.

Stuttgart - Mit einem eigenen Betriebssystem sagt die Daimler AG den Vorreitern Tesla, Google und Apple den Kampf an. In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte Daimler-CEO Ola Källenius, ihm schwebe eine Art „Windows fürs Auto“ vor.

Neben gängigen Funktionen eines vernetzten Autos wie Navigation, Sprachsteuerung, Musik oder Telefonie, soll die Software MB.OS der Daimler AG mit ihren Tochterfirmen deutlich mehr bieten. Das neue Betriebssystem der Daimler AG wird jedoch erst 2024 oder 2025 im ganzen Umfang einsetzbar sein.

Daimler AG macht Tesla Konkurrenz: „Hirn und das zentrales Nervensystem der Fahrzeuge“

Im Interview mit dem Handelsblatt sagte Ola Källenius, die Strategie der Daimler AG bestehe aus zwei großen Eckpfeilern. Einen Eckpfeiler bilden die technischen Funktionen wie neue Antriebe, hohe Reichweiten und klimaneutrale Mobilität für die Kunden. Der zweite Eckpfeiler stellt für die Daimler AG jedoch die elektronische Komponente dar. Nach Angaben des Daimler-Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius ist es notwendig, „das Hirn und das zentrale Nervensystem der Fahrzeuge der Zukunft zu steuern“. Das System MB.OS bezeichnet der Mercedes-Chef als eine „Software-Plattform“ und ein „völlig neues Betriebssystem".

„Technologischer Fortschritt hat die Art und Weise des Fahrens massiv verändert. Aber wer gewährleistet, dass die Technologie eines Autos reibungslos funktioniert, wenn elektromagnetische Interferenzen auftreten?“ , schreibt die Daimler AG auf Twitter.

Die Daimler AG plant, die Software für das komplette Fahrzeug zu verwenden. In dem Interview mit dem Handelsblatt sagte, Ola Källenius, dass viele bei Elektronik im Auto an Telefonie, Musik, Navigation oder Sprachsteuerung denken. Mit MB.OS will Daimler aber auch die Bremssysteme, die Ansteuerung des Antriebsstrangs und der Airbags und das Infotainment steuern. Eine Kompatibilität mit anderen Softwaresystemen schließt er nicht aus.

MB.OS soll fähig sein, auch mit anderen Systemen zu kommunizieren. Beispielsweise mit Android von Google oder Carplay von Apple. Die direkte Verbindung zu dem Kunden soll jedoch nur das Betriebssystem der Daimler AG leisten. „Wir übergeben anderen doch kein mechanisches Gerät, das Sie dann digital ausschlachten können. Wir wollen die neuen, softwarebasierten Geschäftschancen selbst wahrnehmen“, sagte der Daimler-CEO Ola Källenius im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Daimler AG: Das sind die Funktionen des neuen Betriebssystems

Auf die Funktionen der neuen Softwarearchitektur der Daimler AG angesprochen, sagte Ola Källenius, dass bereits jetzt viele Funktionen möglich seien. Der Kunde kann bereits jetzt, nach dem Kauf eines Autos erweiterte Navigationsfunktionen oder eine größere Auswahl an Musik buchen. In einer momentanen Testphase befindet sich das In-Car-Payment der Daimler AG.

Es ermöglicht es, zu bezahlen, ohne das Auto zu verlassen - beispielsweise an der Tankstelle. Weitere Funktionen sind geplant. Ola Källenius nennt Software-Updates für das Batteriemanagement und die Erhöhung der Reichweite und Lebensdauer von Akkus als mögliche neue Features der Daimler AG.

„Heute verkaufen oder verleasen wir alle paar Jahre ein Auto an einen Kunden. Dazwischen findet aber wenig Interaktion statt. Eine rein Software-definierte Architektur ermöglicht es uns künftig, Kunden über cloudbasierte Over-the-Air-Updates neue Features noch während des Produktlebenszyklus anzubieten. Das wird eine wichtige Einnahmequelle für uns werden“ , sagte der Daimler-CEO zu den geplanten neuen Features von MB.OS.

Betriebssystem von Daimler: Software verändert den Automobilbau

Die Daimler AG plant zukünftig, die Steuergeräte in nur wenigen zentralen Computern zu bündeln. Der Automobilbauer will so die Hardware von der Software entkoppeln. Eine eigene Chipfertigung, wie sie Tesla hat, plant das Stuttgarter Unternehmen nicht. Laut Ola Källenius existieren bereits erste Bestandteile und Teildomänen. Der vollständige Wechsel zum neuen Betriebssystem MB.OS dauert jedoch noch bis 2024 oder 2025.

Wegen einer anderen technischen Innovation hat die Daimler AG momentan Ärger mit dem ehemaligen Handy-Hersteller Nokia. Daimler droht ein Verkaufsverbot für Mercedes-Benz-Autos, weil in deren Steuereinheit Technik verbaut ist, an der Nokia teilweise Patente hält. In dem Streit hat sich inzwischen sogar das Bundeskartellamt eingeschaltet.

In einem der Verfahren zwischen Daimler und Nokia hat das Landgericht Mannheim jetzt ein erstes Urteil verkündet - und Nokia recht gegeben. Das Gerichtsurteil bringt Daimler in Bedrängnis, der Konzern setzt alles daran, es rückgängig zu machen. Dem Fahrzeughersteller droht zwar wohl kein Verkaufsverbot für seine Autos, wohl aber die Zahlung von Schadenersatz.

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