ShareNow von Daimler und BMW

Daimler und BMW kooperieren beim Carsharing - doch ShareNow wird zum Sorgenkind

  • Marleen van de Camp
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Daimler und BMW kooperieren im Geschäftsfeld Carsharing. Doch ihr gemeinsamer Anbieter ShareNow entwickelt sich rückläufig.

  • ShareNow ist aus einem im Jahr 2019 gegründeten Joint Venture von Daimler und BMW hervorgegangen.
  • ShareNow ist ein Zusammenschluss von Daimlers car2go und BMWs DriveNow.
  • Der gemeinsame Mobilitätsdienstleister bietet Carsharing in 17 europäischen Städten mit etwa 12.000 Fahrzeugen an.

Daimler und BMW schließen sich für ein gemeinsames Carsharing-Konzept zusammen

Stuttgart/München/Berlin - Die Daimler AG und BMW haben zusammen das Joint Venture moovel Group GmbH mit Sitz in Berlin gegründet, um gemeinsam Mobilitätskonzepte zu entwickeln. Fünf Projekte und eigene Unternehmen im Bereich der Mobilitätsdienstleistungen sind bisher aus dieser Kooperation von Daimler und BMW entstanden. Eines dieser Projekte ist ShareNow - ein gemeinsamer Carsharing-AnbieterShareNow ist ein Zusammenschluss der Carsharing-Anbieter car2go und DriveNow von Daimler und BMW.

Das Logo der Carsharing-Kooperation ShareNow von Daimler und BMW.

Die Daimler-Tochter car2go wurde bereits 2009 gegründet, BMW folgte mit DriveNow im Jahr 2011. Die erste Stadt, in der car2go Carsharing anbot, war Ulm in Baden-Württemberg. Der Heimatsitz des Mutterkonzerns Daimler, Stuttgart in Baden-Württemberg, folgte erst 2012. DriveNow hingegen bot zuerst in München in Bayern, dem Hauptsitz des Mutterkonzerns BMW, sein Angebot an. Zu Spitzenzeiten war Carsharing über car2go in rund 40 Städten weltweit und über DriveNow in 14 Städten weltweit möglich.

ShareNow hat das Konzept des Free Floating Carsharings der Vorgänger übernommen. Das bedeutet, dass die Kunden ein Fahrzeug nicht zum Parkplatz, an dem sie das Fahrzeug angefunden haben, zurückbringen müssen, sondern innerhalb der Stadt abstellen dürfen. Das ist insbesondere für One-Way-Fahrten relevant, beispielsweise vom Flughafen in die Innenstadt.

Daimler und BMW reduzieren mit ShareNow ihr Carsharing-Angebot

Nach dem Zusammenschluss der Carsharing-Anbieter von Daimler und BMW Anfang 2019 wurde das nun gemeinsame Angebot deutlich reduziert. Von den zunächst gemeinsamen 31 Städten weltweit blieben 11 europäische Städte übrig.

Die Entscheidung, sich aus den Städten außerhalb Europas zurückzuziehen, kam sowohl für die dortige Kundschaft, als auch für die dortigen Konkurrenten überraschend.

Auch die Fahrzeugflotte wurde reduziert. Etwas mehr als 12.000 Fahrzeuge (Stand August 2020) sind im Carsharing-Pool, rund ein Viertel hiervon fährt elektrisch.

Amsterdam300 Fahrzeuge
Berlin2.500 Fahrzeuge
Frankfurt am Main300 Fahrzeuge
Hamburg1.500 Fahrzeuge
Helsinki150 Fahrzeuge
Kopenhagen550 Fahrzeuge
Lissabon210 Fahrzeuge
Madrid600 Fahrzeuge
Mailand1.500 Fahrzeuge
München1.200 Fahrzeuge
Rheinland800 Fahrzeuge
Rom780 Fahrzeuge
Stuttgart500 Fahrzeuge
Turin500 Fahrzeuge
Wien1.400 Fahrzeuge

Es werden folgende Fahrzeugmarken von Daimler und BMW im CarSharing angeboten:

  • Smart (fortwo und forfour in verschiedenen Ausführungen, inklusive elektrisch)
  • Mini (3-Türer, 5-Türer, Clubman, Cabrio und Countryman)
  • Mercedes-Benz (A-Klasse, B-Klasse, CLA und GLA)
  • BMW (1er, 2er, 3er, X1, X2 und die elektrischen i3-Ausführungen)

Daimler und BMW mit neuer strategischer Ausrichtung fürs Carsharing

Als der Hype um die neue Mobilität im urbanen Raum Ende der 2000er startete, gab es auch für die Fahrzeughersteller ein neues, interessantes Geschäftsfeld. Doch nach gut zehn Jahren ist von der vielversprochenen Sharing-Mentalität nicht mehr viel übrig geblieben. Das hat auch für den von Daimler und BMW gemeinsam geführten Carsharing-Anbieter ShareNow Konsequenzen. Der bereits kurz nach dem Zusammenschluss vollzogene Rückzug aus zahlreichen Städten wirkte bereits kurz entschlossen.

Noch wollen viele Menschen lieber ein eigenes Auto besitzen. Und wer sich in der Stadt bewegt, setzt lieber auf andere Mobilitätsmöglichkeiten als ein Auto. Doppelt schlecht für Daimlers und BMWs ShareNow, auch wenn die Kundenzahl weiterhin steigt. Ohne langen Atem ist dieses Geschäftsmodell nicht rentabel, auch wenn durch den Zusammenschluss deutliche Kosteneinsparungen bei Daimler und BMW angefallen sein dürften. Ein Problem: die Verfügbarkeit. Es kommen zu viele Kunden auf zu wenige Fahrzeuge. Dessen Zahl wird allerdings durch die Abstellmöglichkeiten ebenso begrenzt. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts hat gezeigt, dass es für das Carsharing in der nahen Zukunft weiter schlecht aussehen könnte.

Die Daimler hat auch eine Kooperation mit dem Paketzusteller DPD, denn die Daimler AG hat einen Weg gefunden, um Pakete schneller zu liefern. Das funktioniert dank der Technologie eines Start-Ups, an dem Daimler Anteile hält. Im Rahmen einer Kooperation mit Volvo und Rolls Royce investiert die Daimler AG mehr als 100 Millionen Euro in eine vergessene Alternative zum E-Auto.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa/picture alliance

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