Tübinger Impfstoff noch in Studien-Phase

Für Curevac-Impfstoff fehlen noch immer Daten zur Wirksamkeit - Biontech zieht davon

CureVac-Mitarbeiter arbeitet am Imfpstoff.
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Die Entwicklung des Curevac-Impfstoffs dauert länger als geplant (Symbolbild).
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Immer noch befindet sich der Impfstoff von Curevac in der Studienphase. Biontech und Moderna eilen davon. Dennoch sehen sich die Tübinger sich im Vorteil.

Tübingen - Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca sind bereits seit Monaten im Einsatz. Zuletzt hat der Bund im März auch das Vakzin von Johnson & Johnson freigegeben. Der Tübinger Impfstoff von Curevac ist indes noch immer nicht im Einsatz und wartet nach wie vor auf die Zulassung. Die Studie dafür mit rund 40.000 Teilnehmern läuft seit mehr als fünf Monaten.

Die Entwickler des Impfstoffs aus der baden-württembergischen Universitätsstadt Tübingen waren mit großen Hoffnungen im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland gestartet - vor allem auch da das Biotech-Unternehmen als Erfinder der, für die Corona-Impfstoff-Entwicklung verwendeten, mRNA-Technologie gilt. Nach wie vor hat das Unternehmen ambitionierte Ziele: Curevac will eine Milliarde Impfdosen für die ganze Welt produzieren. Aber die Zeit rennt davon: Die Tübinger liegen im Vergleich zur Konkurrenz schon ein halbes Jahr zurück.

Impfstoff von Curevac: Daten zur Wirksamkeit fehlen noch

Noch Anfang Mai verkündeten das Unternehmen aus Tübingen, dass mit einer Zulassung im Laufe des zweiten Quartals 2021 zu rechnen sei. Wie Curevac-Chef Franz-Werner Haas dem Handelsblatt gegenüber nun in einem Interview versicherte, sei noch im Juni zumindest mit einem Studienupdate zur Wirksamkeitsanalyse zu rechnen. Daten hierzu würden noch fehlen. Wann das Vakzin anschließend zur tatsächlichen Anwendung kommen könnte, ist damit allerdings nicht gesagt.

Das Unternehmen steht mittlerweile vor einer anderen Situation als Biontech, Moderna und Co. Die ursprüngliche Variante des Coronavirus aus China ist nahezu verdrängt. Varianten aus Großbritannien, Südafrika, Brasilien sind aufgetreten. Zuletzt schleppten Reiserückkehrer auch die indische Corona-Variante nach Baden-Württemberg ein. Für die bereits zugelassenen Impfstoffe wurden die Studien allerdings nur im Zusammenhang mit der Ursprungsvariante aus China durchgeführt. Wie die Vakzine daher auf die neueren Varianten reagieren, ist erst einmal unbekannt.

Impfstoff von Curevac: Unternehmenschef zeigt sich zuversichtlich

Bei Curevac hingegen sieht man es als Vorteil, dass die Studie zum eigenen Vakzin erst jetzt läuft, da mehrere Virusvarianten im Umlauf sind. „Unsere Studie ist die einzige, die unter diesen veränderten Bedingungen läuft“, sagt Franz-Werner Haas dem Handelsblatt. Bei Johnson & Johnson und Astrazeneca zeigte sich in Studien etwa, dass die Impfstoffe der Unternehmen weniger Schutz gegen die neuen Varianten bieten. Bei Curevac, so Haas, würden auch die Mutanten des Virus in der aktuell laufenden Studie berücksichtigt werden.

Der Curevac-Chef zeigt sich daher zuversichtlich: „Klar, wir sind zeitlich hinten dran. Aber der Kampf gegen die Varianten, das Entwickeln von Booster-Impfstoffen und einer neuen Generation von Covid-Vakzinen fängt ja gerade erst an“, sagt Franz-Werner Haas. Daneben sehen Virologen den Impfstoff von Curevac auch als Hoffnungsschimmer für junge Menschen.

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