Studienleiter stößt „an Grenzen“

Studienleiter nach Curevac-Desaster: Nebenwirkungen waren „nicht akzeptierbar“

Der Studienleiter von Curevac, Peter Kremsner.
+
Der Studienleiter von Curevac, Peter Kremsner, hat derzeit wenig Hoffnung in eine Zulassung des Impfstoffes.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
    schließen

Mit dem Impfstoff von Curevac sei man „an Grenzen gestoßen“, sagt Studienleiter Peter Kremsner aus Tübingen. Er erklärt auch, warum der Impfstoff wohl nur so eine geringe Wirksamkeit erzielte.

Tübingen - Es war eine bittere Nachricht, die am Mittwochabend verkündet wurde. Zu einer Wirksamkeit von gerade einmal 47 Prozent reicht es dem Tübinger Impfstoff von Curevac einer aktuellen Studie zufolge. Für eine Zulassung des Vakzins wären mindestens 50 Prozent nötig. Bei dem aktuellen Ergebnis handelt es sich zwar nur um ein Zwischenergebnis. Hoffnung darauf, dass die Wirksamkeit nach der finalen Analyse viel höher liegt, besteht laut mehreren Experten allerdings derzeit nicht.

„Dafür müsste ein kleines Wunder passieren“, sagt Peter Kremsner zu BW24. Der Professor der Universität Tübingen leitet die Curevac-Impfstudie und macht aktuell wenig Hoffnung für das Mittel des Biotech-Unternehmens. Zwei Drittel der Studie seien bereits abgeschlossen. Wenn es gut laufe, erreiche der Impfstoff in der Wirksamkeit noch über 50 Prozent. Dann könnte das Vakzin zumindest zugelassen werden. Fraglich sei allerdings, „ob dann überhaupt jemand einen Impfstoff mit einer vergleichsweise so geringen Wirksamkeit haben will“, so Kremsner. Curevac ist bereits aus der Impfkampagne des Bundes geflogen.

Der Tübinger Impfstoff von Curevac: Als Hauptgrund für die Ergebnisse gilt die geringe Verträglichkeit

Die Ursachen für den Rückschlag sieht der Studienleiter zum einen an der Dosierung. Man habe den Probanden nur eine weitaus geringere Dosis verabreichen können als üblich, so Peter Kremsner. „Pro Schuss konnten wir nicht mehr als zwölf Mikrogramm geben. Die anderen RNA-Technologien hatten durch chemische Modifikation der RNA die Möglichkeit, bei guter Verträglichkeit höher zu dosieren“, sagte er im Gespräch mit ZDF heute. Das erkläre die geringe Wirksamkeit von Curevac.

Als Hauptgrund für das aktuelle Scheitern sieht der Studienleiter die „geringe Verträglichkeit“ des Impfstoffs - weshalb auch die Dosierung erheblich reduziert werden musste. Zwölf Mikrogramm seien „noch tolerierbar“ gewesen, darüber hinaus sei man „an Grenzen gestoßen“.

Zu den Nebenwirkungen zählen laut dem Studienleiter die bekannten Reaktionen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber und Schmerzen an der Einstichstelle. Diese Symptome können auch nach einer Impfung mit den Impfstoffen von Biontech, Moderna oder Astrazeneca auftreten. Beim Curevac-Vakzin seien die Beschwerden der betroffenen Probanden bei der herkömmlichen Dosis allerdings so enorm gewesen, dass es „nicht mehr akzeptierbar war“, erklärt Peter Kremsner gegenüber BW24.

Der Tübinger Impfstoff von Curevac: „Man braucht keine Wunder mehr zu erwarten“

Die Enttäuschung über die Daten der Zwischenanalyse sei „nicht wegzuleugnen, die ist groß als Studienleiter“, räumt Peter Kremsner ein. Auch der Studienleiter, der von Curevac selbst ernannt wurde - ein übliches Prozedere bei klinischen Studien - hätte sich bessere Ergebnisse gewünscht. Selbst wenn der Impfstoff von Curevac noch zugelassen werden sollte, steht für Kremsner fest: „Von der Wirksamkeit her wird es nicht an die Impfstoffe von Biontech oder Moderna heranreichen. Man braucht kein Wunder mehr zu erwarten.“

Die Auswirkungen des Zwischenergebnisses sind weitreichend und betreffen auch den Bund. Im Juni 2020 investierte die Bundesregierung 300 Millionen Euro in die Firma aus Tübingen. Der Rückschlag in der Studienanalyse machte sich letztlich auch an der Börse deutlich. Am Mittwoch stürzte die Curevac-Aktie dramatisch ab. Der aktuelle Kurssturz würde für den Bund einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro bedeuten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare