Impfstoff aus Tübingen

Curevac-Schock: Spahn rechnet mit Impfstoff-Zulassung „nicht vor August“

Jens Spahn (rechts im Bild) rechnet nicht mit einer Zulassung des Impfstoffes von Curevac vor August.
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Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet nicht mit einer Curevac-Zulassung vor August.
  • Berkan Cakir
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Der Tübinger Impfstoff von Curevac hätte eigentlich nach Plan des Unternehmens im Juni zugelassen werden sollen. Daraus wird wohl nichts, wie Gesundheitsminister Jens Spahn nun verkündet.

Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland galt der Tübinger Impfstoff von Curevac von Beginn an als großer Hoffnungsträger. Beim Biotech-Unternehmen aus der Universitätsstadt, das als Entdecker der bei der Impfstoff-Entwicklung eingesetzten mRNA-Technologie gilt, stieg die Bundesregierung zu Beginn der Pandemie nicht umsonst mit 300 Millionen Euro ein. Während die Vakzine von Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson in Europa bereits verimpft werden, wartet Curevac aber nach wie vor auf die Zulassung.

Franz-Werner Haas, CEO des Unternehmens, verkündete noch im Frühjahr, dass er mit einer Zulassung im zweiten Quartal 2021 rechne. Wie zuletzt jedoch bekannt wurde, fehlen dem Curevac-Impfstoff noch immer Daten, die für einen erfolgreichen Abschluss der Zulassungsstudie nötig wären.

Tübinger Impfstoff von Curevac verzögert sich wohl um Monate

Wie das Wirtschaftsmagazin Business Insider unter Berufung auf eine vertrauliche Sitzung der Gesundheitsminister von Bund und Länder am Montag nun berichtet, ist die Zulassung im zweiten Quartal nicht mehr zu erwarten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn habe deutlich gemacht, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) „nicht vor August“ mit einer Zulassung rechne.

Die Aussage sei von Teilnehmern der Konferenz bestätigt worden, schreibt Business Insider weiter. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch bestätigte auch der baden-württembergische Gesundheitsminister, Manfred Lucha (Grüne), diese Information. Grund dafür ist, dass es derzeit nicht genug Corona-Kranke gibt, um die Wirksamkeitsstudie des Curevac-Impfstoffs abzuschließen.

Der Tübinger Impfstoff von Curevac taucht nicht mehr in der Planung für dieses Jahr auf

Angesichts des Impfstoffmangels, der derzeit in Deutschland herrscht, ist die Verzögerung besonders brisant. In diesem Jahr wollte Curevac insgesamt 300 Millionen Dosen bis zum Ende des Jahres produzieren. Ende Mai hieß es, dass die Bundesregierung 1,4 Millionen Dosen bis Ende Juni von den Tübingern erhalten solle. In der aktualisierten Lieferprognose der Regierung, die regelmäßig aktualisiert wird, taucht der Impfstoff zumindest für dieses Jahr allerdings nicht mehr auf.

Trotz allem gilt der Impfstoff aus Tübingen weiterhin als Hoffnungsträger in der Pandemie. Das Curevac-Vakzin hat den entscheidenden Vorteil gegenüber Biontech, dass es auch in herkömmlichen Kühlschränken lagerbar ist. Damit eignet sich der Impfstoff auch für die Verabreichung in wärmeren Ländern wie im afrikanischen Kontinent. Zudem bietet der Impfstoff einigen Berichten zufolge bei geringerer Dosierung einen ähnlich guten Schutz wie die bisher zugelassenen Vakzine.

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