Tübinger Biotech-Unternehmen

„Sind nicht spät dran“: Curevac will eine Milliarde Impfdosen für die ganze Welt produzieren

Der Haupteingang der Curevac-Zentrale in Tübingen.
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Curevac will eine Milliarde Dosen Impfstoff für die Welt produzieren.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Derzeit wartet Curevac noch auf die Zulassung für den Corona-Impfstoff. Doch das Biotech-Unternehmen aus Tübingen hat ambitionierte Ziele.

Tübingen - Die Impfstoffe von Biontech, Moderna, Astrazeneca, Johnson & Johnson kommen bereits im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und weltweit zum Einsatz. Zwei der Vakzine - die von Biontech und Moderna - basieren auf der mRNA-Technologie, die eigentlich ein ganz anderes Unternehmen erfand: Curevac. Auch das Unternehmen aus Tübingen galt zu Beginn der Pandemiezeit als großer Hoffnungsträger in der Impfstoff-Entwicklung. Aber: Immer noch wartet Curevac auf die Notzulassung ihres mRNA-Vakzins.

Dabei hat man mit dem Tübinger Impfstoff Curevac recht ambitionierte Ziele. „Es geht am Ende darum, mehrere Milliarden Menschen zu impfen“, sagt Franz-Werner Haas, der CEO von Curevac im Interview mit der Zeit. „Wir haben uns verpflichtet, der EU in diesem Jahr 225 Millionen Dosen zu liefern. Für weitere 180 Millionen gibt es eine Option. Im kommenden Jahr wollen wir eine Milliarde Dosen für die Welt produzieren.“

Die Produktion von Curevac ist zuletzt durch einen US-Exportstopp in Gefahr geraten

Die Pandemie dauert indes mittlerweile schon mehr als ein Jahr an. Das Vakzin von Curevac ist noch nicht zum Einsatz gekommen und wurde bisher nur im Rahmen einer Studie an Probanden verabreicht - unter anderem hat sich damit Boris Palmer gegen das Coronavirus impfen lassen. Zudem geriet zuletzt die Produktion durch den US-Exportstopp wichtiger Rohstoffe in Gefahr.

Auf die Frage, ob man angesichts dessen mit der Entwicklung und Zulassung des Impfstoffs nicht zu spät dran sei, antwortet der Vorsitzende Franz-Werner Haas: „Wir sind nicht spät dran.“ Es gehe letztlich darum, dass in Zukunft Impfauffrischungen gebraucht würden, ähnlich wie bei der Grippe. Schließlich stellten auch die Mutationen des Coronavirus, wie sie bereits in Südafrika, Brasilien und Großbritannien aufgetreten sind, weiterhin einer Herausforderung dar. „Wir stellen uns heute so auf, dass wir schnell und effektiv auf Veränderungen des Virus reagieren können. Der Bedarf ist gewaltig“, so Haas.

Im Vergleich zu anderen Impfstoffen ist das Tübinger Vakzin Curevac „kühlschranktauglich“

Im Vergleich etwa zu anderen bisher verfügbaren Impfstoffen, die sehr temperaturempfindlich sind, bietet der Curevac-Impfstoff vor allen Dingen in der Lagerung Vorteile. „Unser Impfstoff kann bei fünf Grad Celsius für einige Wochen gelagert werden. Die ganze Welt braucht den Schutz gegen das Virus. In Afrika, Indien oder Indonesien müssen Impfstoffe kühlschranktauglich sein“, sagt Franz-Werner Haas.

Das Biotech-Unternehmen geht weiter davon aus, die Zulassung für den Impfstoff noch im zweiten Quartal des Jahres zu erhalten. Derzeit wird eine klinische Studie zur Wirksamkeit abgeschlossen. Die Wirkung gegen neue Mutanten und für weitere Bevölkerungsgruppen wie Jugendliche soll dabei noch überprüft werden.

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