Herber Rückschlag

Curevac-Aktie fällt dramatisch ab: Impfstoff hat nur 47 Prozent Wirksamkeit

  • Julian Baumann
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Das mRNA-Vakzin von Curevac aus Tübingen gilt seit Langem als Impfstoff-Hoffnung gegen das Coronavirus. Eine Studie offenbarte nun erschreckende Werte bei der Wirksamkeit des Vakzins.

Stuttgart/Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sind inzwischen mehrere Impfstoffe zugelassen. Seit dem Start der Impfungen in Baden-Württemberg wurden bereits knapp 5,2 Millionen Menschen erstmals gegen Covid-19 geimpft. Damit sind jedoch noch immer mehr als die Hälfte der Bürger im Südwesten ohne Impfung. Das liegt unter anderem auch daran, dass es in der Impfkampagne des Landes immer wieder zu Verzögerungen und Problemen kam.

Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac arbeitet bereits seit Februar vergangenen Jahres an einem Impfstoff gegen das Coronavirus und gilt als Erfinder der mRNA-Technologie, die auch von Biontech eingesetzt wird. Dementsprechend hoch war die Erwartung an das Vakzin aus der Universitätsstadt. Curevac vermeldete im Laufe der vergangenen Monate immer wieder Teilerfolge - was jedoch noch kein Grund zum Jubeln war. Die Zulassung des Impfstoffes verzögerte sich immer weiter, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plante das Curevac-Vakzin nicht mehr in die Impfkampagne ein.

Am gestrigen Mittwochabend verkündete Curevac in einem Zwischenbericht zur Wirksamkeit des Impfstoffes, dass dieser vorläufig nur eine Wirksamkeit von 47 Prozent gegen das Coronavirus aufweist, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Ein herber Rückschlag für die Impfstoff-Hoffnung aus Baden-Württemberg.

Curevac: Dämpfer für die Impfstoff-Hoffnung - Zwischenbilanz mit ernüchterndem Ergebnis

Bereits seit Beginn der Pandemie wird in Tübingen an einem Impfstoff gegen das Virus gearbeitet. In dieser Zeit machte Curevac immer wieder mit Fortschritten von sich reden. Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) wurde bereits mit dem Curevac-Vakzin geimpft - lange vor dem Start der Impfungen in Baden-Württemberg. Das Team aus der Universitätsstadt führte bereits umfassende Studien zur Wirksamkeit des Vakzins mit Tausenden Probanden durch. Demnach erhielten einige Freiwillige den Impfstoff, profitieren bislang jedoch nicht davon. Die Teilnehmer der Curevac-Studie gelten trotz Impfung nicht als geimpft und profitieren deshalb nicht von den Freiheiten und Lockerungen für Geimpfte.

Grund dafür ist, dass sich die Zulassung der Impfstoff-Hoffnung von Curevac immer weiter verzögert. Während die Konkurrenten wie Biontech oder Moderna ihre Impfstoffe bereits seit einiger Zeit auf dem Markt haben, sammelten die Tübinger weiterhin Daten zur Wirksamkeit des Vakzins. Laut der dpa befindet sich der Impfstoffkandidat CVnCoV bereits seit über einem halben Jahr in der finalen und damit zulassungsrelevanten Studienphase. Am gestrigen Mittwochabend musste das Unternehmen in einer Pflichtbörsenmeldung dann ein bitteres Ergebnis der Studien bestätigen. Dabei handelt es sich zwar um eine Zwischenbilanz, die Zulassung könnte nun jedoch endgültig auf dem Spiel stehen.

Impfstoff von Curevac: Nach bitterem Ergebnis - Unternehmen will Studie fortsetzen

Das Biotech-Unternehmen Curevac aus Tübingen hatte in den vergangenen Monaten immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen. Zu Beginn der Erforschung eines Vakzins gegen das Coronavirus investierte die Bundesregierung 300 Millionen Euro in das Unternehmen aus Tübingen. Curevac erfand zudem einen Impfdrucker, der den Verlauf der Pandemie ändern könnte und das Vakzin hat sogar einen entscheidenden Vorteil gegenüber Biontech. Dennoch ist der mRNA-Impfstoff nach wie vor nicht zugelassen. Nach dem bitteren Ergebnis bei der Studie und einer derzeitigen Wirksamkeit von 47 Prozent gegen Corona-Erkrankungen „jeglichen Schweregrades“, rückt diese nun noch in weitere Ferne.

Das Tübinger Unternehmen war bislang zuversichtlich, seinen mRNA-Impfstoff bald auf den Markt bringen zu können. Curevac will eine Milliarde Impfdosen für die ganze Welt produzieren. Zuletzt hatte jedoch auch eine Blockade durch die US-Regierung zur Verzögerung bei der Zulassung geführt. Nach dem Bekanntwerden der Studienergebnisse zur Wirksamkeit gerieten die Anleger in Panik. Laut der dpa brach die Curevac-Aktie im nachbörslichen US-Handel am Mittwoch um fast die Hälfte ein. Wie es jetzt mit dem derzeitigen Impfstoffkandidaten weitergeht, teilte das Unternehmen bislang nicht mit. Die derzeitige Studie soll jedoch fortgesetzt werden. „Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern“, sagte Curevac-Vorstandschef Franz-Werner Haas.

Curevac: Wirksamkeit gegen Delta-Variante wohl noch niedriger, sagt Experte

Die Zahlen zur Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffes ist nicht nur ein herber Rückschlag für das Tübinger Unternehmen, sondern auch für die gesamte Impfkampagne des Bundes. Laut Curevac sei die Wirksamkeit gegen mindestens 13 Covid-Varianten getestet worden. „Verschiedene Varianten waren betroffen. Damit dürfte die Wirkung gegen die Delta-Variante alleine noch niedriger sein“, folgerte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach aus den veröffentlichten Daten des Unternehmens. Die besorgniserregende Corona-Mutante breitet sich auch im Südwesten aus. „Schade, das Team aus Tübingen hätte Erfolg verdient gehabt“, schrieb Lauterbach zudem auf Twitter.

Curevac hatte sich bereits im vergangenen Jahr mit einem Börsengang in New York und mehrerer Kapitalerhöhungen größere finanzielle Mittel für die Impfstoff-Entwicklung herangeschafft. Zudem gingen die Tübinger eine Partnerschaft mit dem Pharmariesen Bayer aus Leverkusen ein. Einen großen Anteil an dem Biotech-Unternehmen hält jedoch noch immer SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp. Der Investor sagte bereits im Frühjahr 2020, Curevac könne im Herbst einen Impfstoff gegen das Coronavirus liefern. Nun wird sich die Zulassung wohl noch weiter verzögern.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz/dpa

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