Aufgrund fehlender Zulassung

„Komme mir hängengelassen vor“: Teilnehmer von Curevac-Studie gelten trotz Impfung nicht als geimpft

Das Logo des Biotech-Unternehmen Curevac mit dem Slogan "the RNA people" steht an der Unternehmenszentrale.
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Tausende Menschen wurden zu Studienzwecken bereits mit dem Impfstoff von Curevac geimpft - die Vorteile von Geimpften haben sie jedoch nicht.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Der Impfstoff von Curevac ist noch immer nicht für die Allgemeinheit freigegeben. Tausende Probanden wurden jedoch bereits geimpft. Sie profitieren aber nicht von den Freiheiten.

Stuttgart/Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg schreiten die Impfungen weiter voran. Inzwischen sind über fünf Millionen Menschen im Südwesten erstmals gegen Covid-19 geimpft und Vakzine mehrerer Unternehmen sind zugelassen. Der mRNA-Impfstoff des Tübinger Biotech-Unternehmens Curevac lässt dagegen weiter auf sich warten. Curevac flog sogar aus der Planung der Impfkampagne, da sich die Fertigstellung zu stark verzögert. Weil Corona abflaut, verzögert sich der Impfstoff immer weiter.

Dabei forscht das Tübinger Unternehmen Curevac bereits seit Februar 2020 an einem Impfstoff gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und meldete im Laufe des Jahres immer wieder Teilerfolge. In einer groß angelegten Studie zur Wirksamkeit des mRNA-Vakzins wurden bislang über tausend Menschen mit dem Impfstoff geimpft. Auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) erhielt eine Impfung - lange vor dem Impfstart in Baden-Württemberg. Inzwischen schreiten die Impfungen im Südwesten weiter voran und für Geimpfte und Genesene gibt es umfassende Freiheiten. Davon profitieren die Teilnehmer der Curevac-Studie allerdings nicht, wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet.

Impfstoff von Curevac: Frust bei Studienteilnehmern - obwohl geimpft, keine Vorteile

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg gehen in letzter Zeit stark zurück. Das hatte auch weitreichende Lockerungen in der Gastronomie, im Handel und der Kultur zur Folge. Restaurants, Bars und Einzelhandelsunternehmen dürfen wieder Kunden empfangen. Voraussetzung ist jedoch der Nachweis einer vollständigen Impfung, einer Genesung oder eines negativen Testergebnisses. Das ist seit heute auch mit dem digitalen Impfpass in Baden-Württemberg nachweisbar. In der Studie von Curevac wurden die Probanden entweder mit dem mRNA-Impfstoff oder mit einem Placebo (Mittel ohne Wirkstoff) geimpft. Ziel war es, die Wirksamkeit des Vakzins zu testen.

Obwohl damit rund die Hälfte der über tausend Probanden tatsächlich den Impfstoff gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg erhalten haben, gelten sie offiziell nicht als geimpft. Eine Probandin sagte dem SWR, sie sei sich sicher, mit dem Wirkstoff und nicht dem Placebo geimpft worden zu sein. Das hätten ihr die Wissenschaftler bestätigt. Die Musiklehrerin ist bereits seit der Frühphase der Teststudie von Curevac dabei und deshalb bereits seit einem Jahr vollkommen immunisiert. Zumindest theoretisch, denn offiziell gilt das offenbar nicht. Von den Freiheiten, die andere Geimpfte in Baden-Württemberg genießen, hat sie nichts, erklärt sie.

Curevac-Studie: Keine Freiheit für Teilnehmer - „ich bin geimpft und kriege es nicht eingetragen“

In dem gelben Impfpass in Papierform und ab heute auch im digitalen Impfpass wird nach der Zweitimpfung (oder im Falle einer Impfung mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson nach dem ersten Termin) die vollständige Impfung dokumentiert. Damit erlangen die Geimpften umfassende Freiheiten in Baden-Württemberg. Der Grund, warum die mit dem mRNA-Impfstoff von Curevac Geimpften diese Vorteile nicht genießen, ist folgender: Der Impfstoff der Tübinger ist nach wie vor nicht für eine Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg zugelassen.

Tübinger Impfstoff von Curevac: Frust bei Studienteilnehmern

Dieser Umstand führt bei den Probanden der Curevac-Studie zu Frust. „Mittlerweile rasen alle an mir vorbei, sind ein- oder zweifach geimpft, stolz im Impfbüchlein, genießen auch wieder Vorzüge und Möglichkeiten“, sagte die Probandin gegenüber dem SWR. „Und ich bin geimpft und kriege es nicht eingetragen. Nach außen hin dokumentieren kann ich es nicht.“ Die Zulassung des Impfstoffes wurde im Laufe der vergangenen Monate immer weiter verschoben. Nach dem aktuellen Stand rechnet Curevac mit einer Zulassung im August. Inzwischen sind auch die Studienteilnehmer mit ihrer Geduld am Ende, obwohl sie für die Teilnahme bezahlt wurden.

Sie halte die Impfungen für das zentrale Mittel im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg, sagte die 52-jährige Teilnehmerin dem SWR. Deshalb habe sie sich auch für die Studie von Curevac zur Verfügung gestellt. Inzwischen habe sie jedoch kein Verständnis mehr für die anhaltenden Verzögerungen. „Wo bleibt da das Gegenseitige? Ich komme mir da ein bisschen hängengelassen vor.“ Aktuell muss sich die Musiklehrerin beim Gang in ein Restaurant oder einen Laden jedes Mal testen lassen, obwohl sie eigentlich immun ist. In ihrem Impfpass darf sie die Impfung aufgrund der fehlenden Zulassung des Vakzins allerdings nicht eintragen.

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