Debatte um Patente

Drastische Forderung: Curevac soll Impfstoff-Patent freigeben - „Menschen vor Tod schützen“

  • Sina Alonso Garcia
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Organisationen aus Tübingen fordern von Curevac, die Patente für seinen Impfstoff für alle freizugeben - und damit einen Beitrag für Menschen weltweit zu leisten.

Tübingen - Neben den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Moderna sowie Johnson & Johnson wird vermutlich noch in den kommenden Wochen ein neuer Impfstoff in Deutschland zugelassen. Der Tübinger Impfstoff Curevac soll laut Virologen vor allem für junge Menschen ein Hoffnungsschimmer sein. Doch allein die Zulassung reicht manchen nicht. Einige Tübinger Gruppen haben sich zusammengetan und fordern in einem offenen Brief an Curevac, die Patente freizugeben.

In ihrem Schreiben an Curevac appellieren die Organisationen, den Impfstoff „Menschen weltweit in ausreichenden Mengen und zu bezahlbaren Preisen zugänglich zu machen“. Zu den Unterzeichnern gehören verschiedene Unternehmen aus den Bereichen Entwicklungsarbeit, globale Gesundheit und humanitäre Hilfe. Sie berichten von „massiven negativen Auswirkungen der Pandemie auf Gesundheitssysteme weltweit, insbesondere in ärmeren Ländern“.

Petition an Curevac: „Sie können einen großen Beitrag leisten und es anders machen als andere“

Millionen Menschen seien durch die Pandemie in Armut getrieben worden und Sorgen vor langfristigen Hungersnöten wurden verstärkt, heißt es in dem Brandbrief weiter. „Um Menschen vor Leid und Tod zu schützen, die Pandemie global wirksam einzudämmen und ihre schädlichen Auswirkungen zu bekämpfen, spielt das Verhalten biomedizinischer Firmen eine wichtige Rolle.“ Curevac gehöre zu den Firmen, die bisher sehr zu den Forschungen und Entwicklungen beigetragen hätten. Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und weltweit hat Curevac ambitionierte Ziele. So will Curevac 2022 eine Milliarde Impfdosen für die ganze Welt produzieren.

„Curevac kann einen großen Beitrag dazu leisten und es anders machen als andere“, meinen die Unterzeichner des Briefs. „Wir wissen, dass Curevac aufgrund der noch ausstehenden Zulassung bisher noch keine Gewinne aus der Impfstoffproduktion erzielt hat. Doch es sind Zeiten, in denen das Interesse an Rendite und Dividende nicht die alleinige Richtschnur unternehmerischen Handelns sein kann“, so die Verfasser. So erhoffen sie sich von Curevac, dass die Firma ihr Wissen übern den Covid-19-Technologie-Pool der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Partnern teilt. Auf der Plattform wird Wissen rund um das Virus ausgetauscht.

Curevac-Impfstoff: Das sind die Unterzeichner des Briefs

Diese Tübinger Unternehmen gehören zu den Erstunterzeichnern des Briefs an Curevac:

  • ZAK³ (Gruppe gegen Kapitalismus, Krieg und Kohlendioxid)
  • Medico International
  • Difäm (Deutsches Instititut für Ärztliche Mission)
  • Evangelisches Dekanatamt
  • Evangelische Eberhardsgemeinde Tübingen
  • Aktionszentrum Arme Welt/Weltladen Tübingen
  • Fairstrickt
  • MediNetz 
  • Unabhängige Patientenberatung Tübingen

Curevac-Impfstoff: Bundesregierung sieht Patentfreigabe skeptisch, US-Präsident Biden dafür

Nun hoffen die Gruppen auf eine Rückmeldung von Curevac und bieten ein Gespräch zum Austausch an. Aktuell wartet Curevac noch auf die Zulassung seines Vakzins. Einer Freigabe von Impfstoffpatenten steht die deutsche Bundesregierung derweil skeptisch gegenüber. „Der Schutz von geistigem Eigentum ist Quelle von Innovation und muss es auch in Zukunft bleiben“, sagte eine Regierungssprecherin der Süddeutschen Zeitung. Die Petition der Tübinger Gruppen ist jedoch nicht der einzige Vorstoß, der sich gegen den Patentschutz wehrt.

Im Gegensatz zur deutschen Bundesregierung hat sich US-Präsident Joe Biden für eine temporäre Aufhebung des Patentschutzes von Corona-Impfstoffen ausgesprochen. „Die Regierung glaubt fest an den Schutz des geistigen Eigentums, aber um die Pandemie zu beenden, unterstützt sie den Verzicht auf diese Schutzmaßnahmen für Covid-19-Impfstoffe“, teilte Katherine Tai, Bidens Chefunterhändlerin in Handelsfragen, in einer offiziellen Erklärung mit.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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