Die Fakten zum mRNA-Impfstoff

Der Tübinger Impfstoff von Curevac: Entwicklung, Produktion, Wirkungsweise

Das Logo des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac ist am Eingang des Firmensitzes in Tübingen angebracht.
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Der Impfstoff von Curevac basiert auf der mRNA-Technologie.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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In Tübingen produziert das Unternehmen Curevac einen Corona-Impfstoff. Das Vakzin auf sogenannter mRNA-Basis mit dem etwas umständlichen „CVnCoV“ soll bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie helfen.

Tübingen - Curevac ist ein Unternehmen aus Tübingen, das derzeit unter anderem den Corona-Impfstoff „CVnCoV“ herstellt. Das Unternehmen mit Standorten in Tübingen, Frankfurt und Boston (USA) hat insgesamt mehr als 600 Mitarbeiter und wurde im Jahr 2000 gegründet. Seither widmet sich Curevac der Bekämpfung von Krankheiten und der Produktion von Impfstoffen. Curevac bezeichnet sich selbst als „Pionier“, der das Potenzial des Biomoleküls mRNA entdeckt hat.

Curevac nutzt die sogenannte mRNA-Technologie für verschiedene lebensrettende Lösungen in insgesamt drei Bereichen. Neben der Krebsimmuntherapie und verschiedenen proteinbasierten Therapien konzentriert sich die Forschung auf die sogenannten mRNA-basierten prophylaktischen Impfstoffe. Unter Letzteres fallen etwa Projekte zu Malaria, Gelbfieber, Tollwut und das aktuell wohl dringendste Thema: Covid-19.

Curevac: Der mRNA-basierte Impfstoff regt Abwehrmechanismen des Menschen an

Wie die Impfstoffe des amerikanischen Unternehmens Moderna und des Herstellers aus Mainz, Biontech, funktioniert der Impfstoff von Curevac, genannt CVnCoV, auf Grundlage der mRNA-Technologie. mRNA ist ein Botenstoff, der die Bauanleitung für die Herstellung von Proteinen enthält. Für CVnCoV hat Curevac den Botenstoff so programmiert, dass es praktisch als Gebrauchsanweisung für die Produktion des Spike-Proteins dient. Das Spike-Protein ist ein Merkmal des Coronavirus. Es befindet sich an der Hülle des Virus, daher kann das Immunsystem es besonders gut erkennen.

Der mRNA-Impfstoff zeigt dem Körper, wie das Spike-Protein aufgebaut ist, damit das Immunsystem sich besser schützen kann. Gelangt das Vakzin so in die menschlichen Zellen, wird das Spike-Protein hergestellt, das dem Körper bisher unbekannt war. Das bedeutet nicht, dass der Coronavirus an sich in den Körper gelangt. Der „Bauplan“ enthält nur die Proteine, die nicht gefährlich für den Menschen sind. Hat das Immunsystem die Proteine als Fremdkörper erkannt, reagiert der Abwehrmechanismus auch auf den Coronavirus und kann davor schützen.

Curevac-Impfstoff soll laut Hersteller eine bessere Temperaturstabilität bieten

Während etwa der Impfstoff von Biontech als sehr empfindlich gilt und derzeit bei Temperaturen zwischen -90 und -60 Grad Celsius in speziellen Gefrierschränken gelagert werden muss, verspricht Curevac eine bessere Temperaturstabilität seines Impfstoffes, die sich auch für Standardkühlschränke in den Apotheken eignet. Bei einer Temperatur von +5 Grad Celsius soll der Impfstoff drei Monate lang stabil bleiben. Bei Raumtemperatur bleibt CVnCoV bis zu 24 Stunden als gebrauchsfertiges Vakzin stabil.

Die Nachfrage nach dem Impfstoff der Tübinger Biotech-Unternehmens wächst. Politiker haben zuletzt eine Notfallzulassung gefordert. Die klinische Entwicklung befindet sich Anfang 2021 in der finalen Phase. Die ersten Studien begannen bereits im Juni 2020, im Dezember 2020 ging es über in die nächste Studienphase. Zuletzt wurde die Studie zur Wirksamkeit erweitert, um auch den Schutz gegenüber den verschiedenen Varianten des Coronavirus zu überprüfen. Der Schutz etwa gegenüber der Variante aus Südafrika, B.1.351, durch den Impfstoff wurde in einer Studie erfolgreich nachgewiesen. An der noch laufenden Phase-III-Studie nehmen über 40.000 Probanden teil, rund 75 Prozent in Lateinamerika, 25 Prozent in Europa.

Curevac soll die Ausfälle, die durch die Vektorimpfstoffe entstanden sind, auffangen

Die Nachfrage nach dem Impfstoff von Curevac ist auch deshalb immer weiter gestiegen, weil die deutsche Impfplanung durch die festgestellten Nebenwirkungen bei Vektorimpfstoffen wie dem von Astrazeneca durcheinander gekommen ist. Der mRNA-Impfstoff aus Tübingen soll die Ausfälle ausgleichen. Bis Ende 2021 will Curevac bis zu 300 Millionen Dosen mRNA-Impfstoffs herstellen. Die Bundesregierung erhält planmäßig 66 Millionen Dosen CVnCoV.

Gegründet wurde das Unternehmen Curevac von Ingmar Hoerr, der von 1990 bis 1996 an der Eberhard Karls Universität in Tübingen und an Madurai Kamaraj Universität in Indien Biologie studierte. Er promovierte am Institut für Immunologie und Zellbiologie der Uni Tübingen mit dem Thema „RNA-Vakzine zur Induktion von spezifischen cytotoxischen T-Lymphozyten (CTL) und Antikörpern“, womit er die Grundlage für die Entwicklung von RNA-Impfstoffen legte, die bei der Entwicklung des Covid-19-Vakzins so bedeutend sind.

Curevac-Gründer Ingmar Hoerr gab nach einer Erkrankung seine Position als Vorstandsvorsitzender auf

2000 gründete Hoerr zusammen mit Florian von der Mülbe, Steve Pascalo, Hans-Georg Rammensee und Günther Jung das Unternehmen Curevac. Bis 2018 war Ingmar Hoerr der Vorstandsvorsitzende, wechselte dann als Vorsitzender in den Aufsichtsrat und wurde am 11. März 2020 erneut zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Nach einer Erkrankung übernahm der Jurist Franz-Werner Haas Anfang 2020 Hoerrs Position als CEO.

Franz-Werner Haas war zuvor Vice President Operations und Chief Compliance Officer der Sygnis Pharma AG. Er begann seine berufliche Laufbahn als Assistent der Geschäftsführung einer privaten Holdinggesellschaft, bevor er verschiedene Managementpositionen in der Biowissenschaftsbranche übernahm. Er studierte Rechtswissenschaft an der Universität Saarbrücken, der Katholischen Universität Leuven und der Universität Edinburgh.

Curevac arbeitet mittlerweile in einem großen Produktionsnetzwerk

An dem Unternehmen Curevac ist der Bund seit vergangenem Jahr als Großaktionär beteiligt. Die meisten Anteile gehören dem SAP-Gründer und Biotechinvestor Dietmar Hopp. Die Tübinger arbeiten mittlerweile in einem großen Produktionsnetzwerk mit mehreren Partnern, wie Bayer, Wacker Chemie und Glaxosmithkline. Mit der Zusammenarbeit mit letzterem Unternehmen erklärt Curevac auch den enormen Umsatzanstieg. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz 2020 von 17,4 Millionen auf 48,9 Millionen Euro.

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