Weil Trump 2020 mit Übernahme drohte

„Demonstranten versuchten, Gebäude zu stürmen“: Corona sorgte für Chaos bei Curevac

Ingmar Hoerr, einer der Curevac-Gründer, schaut im Museum auf eine Darstellung von DNA
+
Curevac-Gründer Ingmar Hoerr erlitt zu Beginn der Pandemie eine Hirnblutung und schied aus dem Vorstand aus.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
    schließen

Wollte US-Präsident Donald Trump 2020 Curevac kaufen? Als das Gerücht zu Pandemie-Beginn aufkam, soll es bei der Tübinger Firma zu chaotischen Szenen gekommen sein, wie die Gründer jetzt berichten.

Tübingen - Die USA sollen zu Pandemiebeginn ein enormes Interesse an Curevac gehabt haben. Im März 2020 bot der Ex-US-Präsident Donald Trump dem Unternehmen angeblich eine Milliarde Dollar an. Trump wollte sich damit die Exklusivrechte des Tübinger Corona-Impfstoffs von Curevac sichern, blitzte letztlich aber bei SAP-Gründer und Curevac-Hauptanteilseigner Dietmar Hopp ab.

So lautet die Geschichte, über die mehrfach in den Medien berichtet wurde. Was darüber hinaus geschah, welcher Hass dem Unternehmen entgegenschlug und welche chaotischen Szenen vor dem Standort in der Universitätsstadt herrschten - darüber haben Gründer Ingmar Hoerr und CEO Franz-Werner Haas nun in einem Interview gesprochen.

Curevac-CEO Franz-Werner Haas: „Wir mussten Polizeischutz erbitten. Es war ein enormer Druck“

Gegenüber der Zeit versichern Ingmar Hoerr und Franz-Werner Haas: Ein Übernahmeangebot von Trump habe es nie gegeben. Die falschen Medienberichte über das Thema hätten obendrein aber enorme Konsequenzen für das Unternehmen gehabt. „Innerhalb von Stunden standen Demonstranten vor unserer Unternehmenszentrale. In den sozialen Medien schlug uns Hass entgegen, Bilder von Galgen wurden verbreitet“, so Haas.

Zudem sei die Weltpresse vor der Tür gestanden: „Unsere Mitarbeiter wurden von Kamerateams bedrängt, die Demonstranten haben versucht, per Räuberleiter das Gebäude zu stürmen. Wir mussten Polizeischutz erbitten. Es war ein enormer Druck.“

Das Unternehmen wartet nun nach wie vor auf die Notzulassung seines Impfstoffs. Zuletzt hatte sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer verärgert über die EU gezeigt, die sich bei der Zulassung von Curevacs Vakzin zu lange Zeit lasse, wie er kritisiert. Die Entwicklung des Impfstoffs war zudem in der Anfangszeit der Pandemie dadurch erschwert worden, dass Gründer Ingmar Hoerr an den Folgen einer schweren Krankheit litt. Im März 2020 war der ehemalige Vorstandsvorsitzende und Entdecker der mRNA-Technologie nach einer Sitzung mit Vertretern der Bundesregierung über die staatliche Förderung für den Impfstoff gegen Corona plötzlich zusammengebrochen. Erst sechs Wochen später wachte Hoerr aus dem Koma auf.

Curevac: Gründer Ingmar Hoerr erlitt zu Beginn der Pandemie eine Hirnblutung

„Ich wusste weder, wie und warum ich dorthin gekommen bin, noch, wer ich bin. Die Klinik hatte mir zum Schutz meiner Privatsphäre einen anderen Namen gegeben. Und einige Pfleger haben Russisch gesprochen. Da dachte ich zeitweise, dass der KGB mich entführt habe. Ich hatte eine Hirnblutung erlitten“, sagt Ingmar Hoerr. In der Folge habe er den Vorstandssitz an Franz-Werner Haas abgeben müssen, der im August übernahm.

In den folgenden Monaten übernahmen andere Impfstoffhersteller den Kampf gegen das Coronavirus. Die Vakzine von Biontech, Astrazeneca und Moderna werden längst verimpft. „Natürlich haben wir Zeit verloren“, sagt Ingmar Hoerr. Zuletzt kam hinzu, dass die USA den Export wichtiger Rohstoffe für den Curevac-Impfstoff blockierten, was die Produktion weiterhin in Gefahr bringt.

Curevac hat ambitionierte Ziele und will die ganze Welt mit Impfstoff beliefern

Ingmar Hoerr aber sieht einen wichtigen Vorteil in der Technologie aus Tübingen: „Unser Impfstoff kommt mit weniger mRNA aus. Daher kann Curevac sehr viel mehr Dosen in derselben Zeit produzieren“, sagt er. Das Unternehmen aus Tübingen hat große Ambitionen: Curevac will eine Millarde Impdosen für die ganze Welt produzieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare