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Gruppe greift CSD-Teilnehmer an und verbrennt Regenbogenflagge - Schwere Vorwürfe gegen Polizei

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Von: Nadja Pohr

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Ein Teilnehmer des Christopher Street Days schwenkt eine Regenbogenflagge
Ein CSD-Teilnehmer mit einer Regenbogenflagge wurde in Karlsruhe von einer Gruppe umstellt, beleidigt und geschlagen. Anschließend haben die Täter die Fahne verbrannt (Symbolbild). © Jens Büttner/dpa

Eine Gruppe attackierte in Karlsruhe nach einer Parade anlässlich des „Pride Month“ mehrere Teilnehmer. Laut Vorwürfen soll die Polizei kaum etwas unternommen haben.

Karlsruhe - Im Juni feiern viele Länder den sogenannten „Pride Month“. Im Rahmen dessen steht vor allem die Regenbogenflagge im Mittelpunkt. Anlässlich dazu wird mit Partys, Paraden und Protestaktionen auf die Rechte und Themen der LGBTIQ-Szene hingewiesen. Auch in Baden-Württemberg wird der offene Umgang mit der sexuellen Identität und die Vielfalt der Gesellschaft gefeiert. In Karlsruhe kam es bei den Festivitäten jedoch zu einem schweren Angriff.

Nach einer Parade zum „Christopher Street Day“ (CSD) am 4. Juni kam es im Schlosspark vermutlich zu einem queerfeindlichen Angriff, wie das LGBTIQ-Portal queer.de berichtet. Eine Person mit einer Regenbogenflagge, die an der Parade teilgenommen hatte, wurde demnach von einer Gruppe umstellt, beleidigt und geschlagen. Darüber hinaus wurde ihr die Fahne entrissen und verbrannt. Auch weitere CSD-Teilnehmer, die zu Hilfe eilten, wurden angegriffen und leicht verletzt.

Schwere Vorwürfe gegen die Polizei - Netz wütet nach Attacke auf CSD-Teilnehmer in Karlsruhe

Nach der Attacke auf die CSD-Teilnehmer hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter kursieren jedoch schwere Vorwürfe gegen die Beamten vor Ort. Laut einer Augenzeugin habe die Polizei die Angreifer, die aus einer Gruppe von 20 bis 25 Personen bestand, „ohne Kontrolle weiterlaufen“ lassen. Darüber hinaus sollen die Polizisten auch Beleidigungen ausgesprochen haben. Angeblich soll die Aussage „Ihr habt noch nicht genug abbekommen“ gefallen sein. Auch, dass in der Polizeimeldung der Angriff als „Schlägerei“ bezeichnet wird, kritisiert man auf Twitter.

Die Veranstalter des CSD in Karlsruhe sammeln nun Hinweise. Weitere Twitter-User zeigen sich indessen schockiert und fassungslos über die Attacke. „Immer wieder stellen Leute die Frage, warum es den Pride Month braucht. Ich habe dieses Jahr das Gefühl, er ist noch notwendiger als in den Jahren davor“, schreibt eine Nutzerin. „Hier seht ihr das nächste Polizeiproblem - Gewalt gegen Queere konnte nicht unterbunden werden, die Täter laufen weiter frei herum“, wütet ein anderer.

SPD Baden-Württemberg kritisiert Polizei in Karlsruhe nach Vorfall beim CSD

Zu dem Vorfall nach der CSD-Parade meldete sich auch die SPD Karlsruhe auf Twitter zu Wort und teilte die Aussagen des queerpolitischen Sprechers der SPD-Fraktion Baden-Württemberg, Florian Wahl. Man müsse die Vorwürfe gegen die Einsatzkräfte eingängig prüfen, sagt Wahl. „Wir müssen unsere Polizistinnen und Polizisten schulen, wie mit Hasskriminalität allgemein und queerfeindlichen Übergriffen im Besonderen umzugehen ist“, fordert er zudem.

Außerdem kritisierte auch Florian Wahl die Wortwahl in der Polizeimeldung. „Darüber hinaus ist ein queerfeindlicher Übergriff keine einfache Schlägerei, bei der es reicht, die Beteiligten voneinander zu trennen, sondern ein Angriff auf die Existenz des Opfers und muss klar als solcher benannt werden.“ Erst kürzlich stand die Polizei Karlsruhe wegen einer anderen Polizeimeldung heftig in der Kritik. Nach einem Unfall eines Radfahrers erntete man im Netz einen Shitstorm.

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