Astrazeneca-Empfehlung sorgt für Verwirrung

Astrazeneca-Regeln sorgen für Verwirrung: 67-Jähriger im Impfzentrum abgewiesen - „zu jung“

Ältere Menschen sitzen in einem Impfzentrum und warten.
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Nicht alle über 60-Jährigen können sich mit Astrazeneca impfen lassen.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Der Astrazeneca-Impfstoff wird in Deutschland derzeit für Menschen ab 60 empfohlen. Das heißt jedoch nicht, dass Impfungen in Baden-Württemberg ab diesem Alter möglich sind. Das sorgt für Verwirrungen.

Karlsruhe - Die Probleme mit dem Astrazeneca-Impfstoff reißen nicht ab. Nachdem zwischenzeitlich aufgrund einer Thrombose-Gefahr das Impfen mit dem schwedisch-britischen Vakzin ausgesetzt wurde, steht der Impfstoff, mit dem das Coronavirus in Baden-Württemberg bekämpft werden soll, mittlerweile wieder zur Verfügung.

Nun sorgt aber eine neuerliche Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Verwirrung. Diese hatten am 30. März empfohlen, dass Menschen ab Vollendung des 60. Lebensjahres sich mit dem Impfstoff impfen lassen können. Für Astrazeneca in Baden-Württemberg gilt das aber nicht immer, was bei Betroffenen für Verärgerung sorgt. Denn auch die Impfreihenfolge muss weiter beachtet werden. Bisher sind in Baden-Württemberg erst die Gruppen 1 und 2 impfberechtigt - also über 70-Jährige. In Ausnahmefällen, etwa in entsprechenden Berufen, können sich auch Jüngere impfen lassen.

Coronaimpfung mit Astrazeneca: 67-Jähriger wird weggeschickt, 63-Jähriger erhält Impfung problemlos

Die Badischen Neuesten Nachrichten berichten von einem 67-Jährigen aus Graben-Neudorf in der Nähe von Karlsruhe, der sich im Anschluss an die Empfehlung der Stiko einen Termin über das Online-Impfportal des Landes arrangierte. Auch seine 65-jährige Frau bekam für denselben Tag einen Termin. Am Ostersonntag sei das Ehepaar pünktlich beim Zentralen Impfzentrum in der Messe Rheinstetten erschienen. Die Serviceangestellte teilte den beiden jedoch mit, dass sie nicht berechtigt seien für eine Impfung. „Sie sind zu jung“, zitiert die Zeitung die Angestellte.

Der Mann aus Graben-Neudorf berichtet weiter, dass er und seine Frau nicht die einzigen Personen gewesen seien, die an diesem Tag vor den Türen des Zentrums abgewiesen wurden. Paradox ist in diesem Zusammenhang, dass ein anderer, 63-jähriger Mann aus Karlsruhe einen Termin im Kreisimpfzentrum in der Schwarzwaldhalle vereinbarte - und auch zu seiner Impfung kam. „Ich kam ohne Probleme dran und war wenige Minuten später geimpft“, berichtet der Mann, der weder eine Vorerkrankung noch andere Gründe vorzuweisen hat, die ihn für eine Impfung priorisiert hätten.

Die Impfung mit Astrazeneca für Impfberechtigte ab 60 Jahren funktioniert nur in manchen Zentren

Warum es beim Kreisimpfzentrum klappt, aber beim Zentralen Impfzentrum hingegen nicht? Das baden-württembergische Sozialministerium bedauert den Vorfall. Anders als in anderen Bundesländern gelte im Südwesten aber nach wie vor, dass nur Personen der ersten und zweiten Prioritätsgruppe den Astrazeneca-Impfstoff erhalten. Das betrifft rein vom Alter her Menschen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben. Eine Impfung für über 60-Jährige mit Astrazeneca hingegen gibt es nur, wenn ein besonderes Risiko durch Vorerkrankung oder den Beruf besteht.

Wie es zu den völlig unterschiedlichen Fällen in Karlsruhe kommen konnte, bleibt jedoch unklar und ist aller Wahrscheinlichkeit auf einen Kommunikationsfehler zwischen dem zuständigen Amt und den Serviceangestellten zurückzuführen. Das Ministerium versicherte, dass die Mitarbeiter bereits informiert wurden. „Wir nehmen den Hinweis aber gerne noch einmal auf, um auf unserer Website einen prominenteren Absatz dazu zu platzieren“, sagte ein Sprecher des Ministeriums den Badischen Neuen Nachrichten.

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