Hilfeschrei von Unternehmen

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat fatale Folgen für die Wirtschaft

  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg trifft die Wirtschaft hart. Konzerne wie Daimler und Bosch stellen die Produktion ein. Eine Soforthilfe soll Selbstständige und kleine Betriebe vor dem Ruin retten.

  • Das Coronavirus belastet die Wirtschaft in Baden-Württemberg enorm
  • Unternehmen wie Daimler, Porsche und Bosch stellen die Produktion ein und beantragen Kurzarbeit
  • Selbstständige und kleine Betriebe wie Restaurants oder lokale Händler fürchten trotz Soforthilfe des Wirtschaftsministeriums um ihre Existenz

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat das öffentliche Leben und damit die Wirtschaft in dem Bundesland nahezu vollständig lahmgelegt. Um die Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 zu verlangsamen, wurden nicht nur Schulen, Kindergärten und Universitäten geschlossen, sondern auch Geschäfte, Gastronomie-Betriebe, Sportstätten und Kultur-Einrichtungen.

Zusätzlich gilt wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg ein Kontaktverbot. Mehr als zwei Menschen dürfen sich nicht gemeinsam in der Öffentlichkeit aufhalten - ausgenommen sind Familien und Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt wohnen. Die Pandemie von Covid-19 ist in erster Linie eine große Gefahr für die Gesundheit. Das Coronavirus hat aber auch dramatische Folgen für die Wirtschaft in Baden-Württemberg.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Daimler, Porsche und Bosch beantragen Kurzarbeit

Der Autokonzern Daimler hat einen Großteil seiner Produktion in Europa, den USA und Südamerika stillgelegt, hat ab 6. April für einen großen Teil der Mitarbeiter in Deutschland Kurzarbeit beantragt. Die Maßnahme betreffe die „Produktion von Autos, Vans und Nutzfahrzeugen sowie ausgewählte Verwaltungsbereiche“. Wegen des Coronavirus endet das erste Quartal 2020 für Daimler mit einer Schock-Vorhersage. Auch der zum VW-Konzern gehörende Autohersteller Porsche legt seine Produktion still, schließt unter anderem vorübergehend das Hauptwerk in Stuttgart-Zuffenhausen. Darüber hinaus nimmt Porsche wegen der Corona-Krise Staatshilfen in Anspruch und beantragt Kurzarbeit.

Wirtschaft im Alarmzustand: Das Coronavirus in Baden-Württemberg zwingt Unternehmen wie Daimler zur Kurzarbeit

Von den Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft in Baden-Württemberg ist auch der Technologiekonzern Bosch getroffen, der seinen Hauptsitz in Gerlingen im Landkreis Ludwigsburg hat. Der Konzern fährt seine Produktion in Deutschland fast vollständig herunter und hat ebenfalls Kurzarbeit beantragt.

Bosch machte während der Corona-Krise aber auch positive Schlagzeilen: mit einem Corona-Schnelltest, der innerhalb von 2,5 Stunden ein Ergebnis liefert und zu 95 Prozent genau ist. Der Test könnte das Handeln bei Corona-Verdacht in Baden-Württemberg erheblich erleichtern. Das Analysegerät funktioniert vollautomatisiert und kann beispielsweise in Arztpraxen eingesetzt werden. Bisher müssen sich Patienten im Verdachtsfall in den Corona-Ambulanzen der Krankenhäuser testen lassen.

Wirtschaft in Baden-Württemberg durch Coronavirus bedroht: Jedes zweite Unternehmen betroffen

Die Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, Nicole Hoffmeister-Kraut, schlägt Alarm: „Die Auswirkungen des Coronavirus auf die baden-württembergische Wirtschaft sind gravierend. Schon heute hat jedes zweite Unternehmen im Land mit den Folgen zu kämpfen“, sagte die Wirtschaftsministerin bei einem Treffen mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Verbänden aus der Region. Bereits 70.000 Unternehmen in Baden-Württemberg haben wegen des Coronavirus Kurzarbeit beantragt, meldet die IHK-Bezirkskammer Rems-Murr. Darunter ist auch der Outdoor-Anbieter Vaude aus Tettnang, der mit der Coronakrise anders umgeht, als Adidas oder H&M.

Besonders hart trifft das Coronavirus in Baden-Württemberg kleine Unternehmen und Selbstständige. Viele Besitzer kleiner Geschäfte, Cafés oder Restaurants im Bundesland sind in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Weil ihr Umsatz wegbricht und finanzielle Reserven fehlen, stehen sie vor dem Ruin. „Noch nie in 30 Jahren hab ich Angst gehabt. Aber jetzt“, sagte Klaus Schurr vom Restaurant Burg Staufeneck im Landkreis Göppingen der Stuttgarter Zeitung. Die aktuelle Situation sei eine Katastrophe, sagt Schurr, der seine Gerichte nun zum Abholen anbietet. Damit kann der Restaurantbesitzer seine Verluste allerdings nicht annähernd ausgleichen.

Kleine Unternehmen in Baden-Württemberg stehen wegen des Coronavirus vor der Insolvenz

„Wir stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand. Für etliche von uns kann das eine Existenzfrage werden“, sagte Mark Roschmann, Vorsitzender des Schaustellerverbands Südwest Stuttgart der dpa. Weil wegen des Coronovirus in Baden-Württemberg das Stuttgarter Frühlingsfest abgesagt wurde, fürchten viele Betreiber von Buden und Fahrgeschäften den Bankrott.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut fordert wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg Veränderungen im Insolvenzrecht. Sie betont, dass besonders kleine Betriebe im Bundesland durch die Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht seien. Wenn diese kleinen Unternehmen überschuldet seien, müssten die in der Lage sein, schnell Insolvenz anzumelden.

Das Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg reagiert auf die Corona-Krise mit einem Soforthilfe-Programm. Die Zuschüsse müssen nicht zurückgezahlt werden und sollen Selbstständigen, Freiberuflern und kleine Unternehmen helfen, die durch das Coronavirus nun Liquiditätsengpässe haben.

Die Coronavirus-Soforthilfe für Selbstständige und Unternehmen zahlt folgende Zuschüsse

  • 9.000 Euro für drei Monate für antragsberechtigte Soloselbstständige und Antragsberechtigte mit bis zu 5 Beschäftigten
  • 15.000 Euro für drei Monate für Antragsberechtigte mit bis zu 10 Beschäftigten
  • 30.000 Euro für drei Monate für Antragsberechtigte mit bis zu 50 Beschäftigten

Darüber hinaus stehen Unternehmen in der Corona-Krise in Baden-Württemberg weitere Förderinstrumente zur Verfügung, beispielsweise ein Förderdarlehen der L-Bank, ein Liquiditätskredit oder eine Wachstumsfinanzierung. Für viele Unternehmer sind diese Kredite keine Hilfe, weil sie das Geld später zurückzahlen müssen. Die Verluste durch das Coronavirus in Baden-Württemberg müssen sie trotzdem selbst tragen. Auch die steuerlichen Erleichterungen, die das Bundesfinanzministerium im Zuge der Corona-Krise beschlossen hat, helfen nur bedingt, weil sie Zahlungen nur aufschieben, statt sie zu erlassen.

Das Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg hat außerdem eine Hotline für Selbstständige und Unternehmer eingerichtet unter der Telefonnummer: 0800 40 200 88. Informationen für Kultur- und Kreativschaffende hat die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg gesammelt. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, die Beiträge für die Künstlersozialkasse senken zu lassen. Kreative können außerdem die Telefonberatung der MFG kontaktieren:  0711 / 90715-346.

Rubriklistenbild: © HOMAS KIENZLE / AFP

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