Heckler & Koch profitiert

„Verteidigt euer Klopapier“: Waffenindustrie boomt in der Corona-Krise - US-Amerikaner decken sich mit Pistolen ein

  • Anna-Lena Schüchtle
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Während andere Branchen wegen des Coronavirus in die Krise stürzen, boomt das Geschäft von Heckler & Koch. Das hat der Waffenhersteller unter anderem den USA zu verdanken.

Oberndorf am Neckar - Der Alltag der Menschen ist wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg derzeit stark eingeschränkt. Besonders gravierend sind jedoch die Folgen des Coronavirus für die Wirtschaft, deren Langzeitauswirkungen bislang kaum bemessen werden können. Viele Branchen stecken aufgrund der Pandemie bereits jetzt in der Krise - erst recht seit am Montag die verschärften Corona-Regeln in Kraft getreten sind.

Einer Branche scheint es in Zeiten der Pandemie allerdings erstaunlich gutzugehen: der Waffenindustrie. Aktuelle Zahlen des baden-württembergischen Herstellers Heckler & Koch lassen das zumindest vermuten. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass der Rüstungshersteller mit Sitz in Oberndorf am Neckar selbst tief in der Krise steckte.

Heckler & Koch: Boomende Waffenindustrie trotz Coronavirus in Baden-Württemberg

Die Waffenindustrie geht offenbar als Profiteur aus der Corona-Krise hervor. Vor allem in den USA stieg die Nachfrage nach Waffen enorm.

Noch für das Jahr 2018 vermeldete Heckler & Koch, einen tendenziell wachsenden Schuldenstand des Unternehmens von 231 Millionen Euro, woraufhin das Unternehmen folgenreiche Maßnahmen in Form von Investitionen und optimierten Produktionsabläufen ergriff. Wie Finanzvorstand Björn Krönert in einer Mitteilung erklärt, wurden damit „positive Effekte“ erzielt. Denn: Seit 2019 geht es für den Rüstungshersteller wirtschaftlich wieder bergauf - wenngleich es trotzdem noch eine gewisse Zeit dauern dürfte, bis der hohe Schuldenbetrag beglichen sein wird.

Mitarbeiter von Heckler & Koch machen unbezahlte Überstunden

An der positiven Entwicklung haben im Übrigen auch die Mitarbeiter des Unternehmens ihren Anteil, die seither pro Woche zweieinhalb Stunden unbezahlt arbeiten. Dann jedoch folgte Anfang 2020 die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg, dessen negativen Auswirkungen auch bei Heckler & Koch befürchtet wurden. Überraschenderweise blieben diese jedoch aus. Sogar das Gegenteil trat ein.

In den ersten drei Quartalen 2020 stieg der Gewinn des Unternehmens nach Steuern im Vergleich zum Vorjahr sogar von 1,3 auf insgesamt 13 Millionen Euro. Die Einnahmen wuchsen um zwölf Prozent auf 207,5 Millionen - damit erreichte das Unternehmen bereits Ende September sein Jahresziel für 2020. Dabei muss Heckler & Koch aktuell auf einen Großauftrag aufgrund der Sturmgewehr-Schlappe verzichten.

Waffenindustrie profitiert von Ausbreitung des Coronavirus - Heckler & Koch mit Umsatzplus

Seit 1959 belieferte der Rüstungshersteller bisher die Bundeswehr mit Waffen, womit nun jedoch die Konkurrenz beauftragt wurde. Aufgrund von Unstimmigkeiten sah sich das Verteidigungsministerium jedoch gezwungen, das Vergabeverfahren vorerst zu stoppen - noch besteht also noch Hoffnung für den baden-württembergischen Waffenhersteller auf die Einnahmen aus dem Geschäft.

Trotz dieses derzeit fehlenden Großauftrags durch die Bundeswehr kann Heckler & Koch zufrieden auf das bisherige Jahr 2020 zurückblicken. Einer der Gründe dafür ist, dass boomende Waffengeschäft in Europa, aber vor allem auch in den USA, wo insbesondere die Nachfrage nach Pistolen hoch ist. Der Waffenhersteller aus Baden-Württemberg rechnet mit einem wachsenden Anteil des US-Umsatzes von etwa fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 30 Prozent weltweiten Unternehmensumsatzes würden dann in den USA gemacht.

Dass gerade ein Unternehmen wie Heckler & Koch von der weltweiten Verbreitung des Coronavirus zumindest teilweise profitiert, erscheint nicht überraschend - vor allem mit Blick auf die Vereinigten Staaten. Während die Pandemie Bürger in Deutschland zum Hamsterkauf von Toilettenpapier animierte, kauften US-Amerikaner vermehrt Waffen.

USA: Hohe Nachfrage in Krisenzeiten - Waffenindustrie profitiert von Coronavirus

Gefragt sind offenbar vor allem auch Pistolen - etwa von Heckler & Koch. Zu Beginn der Pandemie gingen Bilder von leeren Regalen in Waffengeschäften und langen Schlangen vor den Läden durch die Medien. Die National Shooting Sports Foundation (NSSF) berichtete etwa im September von einem regelrechten Run auf die Waffen: „Die Verkäufe von Waffen und Munition schnellten dieses Jahr in die Höhe“, so der CEO Joe Bartozzi. Im Durchschnitt seien die Munitionsverkäufe um 139 Prozent gestiegen und die Waffenverkäufe um 95 Prozent.

Einige Geschäfte in den USA warben sogar mit Covid-19 für ihre Waffen: „Bei all dem Coronavirus-Gerede solltet ihr besser [...] eine Waffe kaufen und Schießen üben“, hieß es etwa in einem Facebook-Post von NorthWest Arsenal im März, und weiter: „Nur für den Fall, dass ihr eine Horde Coronavirus-Zombies abwehren müsst.“ Im Anschluss setzte der Waffen-Shop noch den zynischen Hashtag „DefendYourToiletPaper“ - also „Verteidigt euer Toilettenpapier“.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Chelsea Purgahn

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