RWI-Berechnung

Wissenschaftler: Ungeimpfte ausschließen ist billiger als ein neuer Lockdown

Ein Lokal in Hamburg weist auf die  2G-Regel hin.
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Ein Lokal in Hamburg weist auf die 2G-Regel hin: Hier ist sie bereits gang und gäbe.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Ein Lockdown nur für Ungeimpfte ist für die Wirtschaft deutlich besser zu verkraften als ein Lockdown für alle. Berechnungen eines Instituts für Wirtschaftsforschung belegen dies mit eindrücklichen Zahlen.

Berlin - Als erstes Bundesland in Deutschland hat Hamburg kürzlich die optionale „2-G-Regel“ eingeführt. Diese schließt in bestimmten Einrichtungen Ungeimpfte von Restaurants, Kultur- und Sportveranstaltungen aus - selbst mit einem negativen Corona-Test. In Rheinland-Pfalz gilt seit Sonntag die sogenannte „2-G-Plus-Regel“, die dafür sorgt, dass je nach Corona-Warnstufe nur eine Maximal-Anzahl von Ungeimpften am öffentlichen Leben teilnehmen dürfen. Andere Bundesländer wollen nachziehen. Auch in Baden-Württemberg* droht bald ein Lockdown für Ungeimpfte* (BW24* berichtete). „Werden die neuen Grenzwerte überschritten, soll im Südwesten die harte 2-G-Regel gelten“, sagte Uwe Lahl, Amtschef im Sozialministerium, der Deutschen Presseagentur (dpa).

Entscheidend dafür, welche Lockdown-Maßnahmen greifen, ist seit Kurzem die Hospitalisierungsrate - und nicht wie bisher die Sieben-Tage-Inzidenz. Angesichts steigender Infektionszahlen fürchten viele Menschen in Deutschland eine erneute Belastung der Wirtschaft durch zunehmende Beschränkungen. Berechnungen des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) haben nun ergeben: Ein Lockdown nur für Ungeimpfte verursacht deutlich weniger finanzielle Schäden als ein Lockdown für alle.

Lockdown für alle: Viermal so hohe Schäden wie beim Ausschluss Ungeimpfter

Da Experten im Herbst bereits fest mit einer vierten Welle rechnen*, stellt sich die Frage: Sollen Getestete, Geimpfte und Genesene (3G) gleich behandelt werden, Ungeimpfte benachteiligt werden (2G) oder sollen alle wieder in einen kompletten Lockdown (Null G)? Die Beantwortung der Frage hängt laut Handelsblatt vor allem davon ab, welche Version der Wirtschaft am wenigsten schadet.

Die Berechnungen des RWI zeigen: Ob 3G, 2G oder Null G - egal welche Form des Lockdowns eintreten würde - schlimme finanzielle Folgen für Unternehmen hätte die Maßnahme so oder so. Dennoch würde ein Lockdown für alle Bundesbürger viermal so hohe Schäden verursachen wie ein Ausschluss Ungeimpfter.

Lockdown für alle vs. Lockdown nur für Ungeimpfte - diese wirtschaftlichen Schäden drohen

Während laut RWI ein kompletter Lockdown für alle 52 Milliarden Euro Wertschöpfungsverlust bedeuten würde, wären es bei einem Lockdown für Ungeimpfte (2G) nur 13 Milliarden. Dabei bezieht sich das RWI auf einen Zeitraum, der im vierten Quartal 2021 startet und noch das gesamte erste Quartal 2022 gilt.

Art des LockdownsWertschöpfungsverlustBruttoinlandsprodukt-Minus für 2022 in Prozentpunkten
Kompletter Lockdown-25 Mrd. €-0,60 PP
Lockdown für Ungeimpfte (2G) -13 Mrd. €-0,15 PP
Lockdown nicht für Geimpfte und Getestete (3G)-6,5 Mrd. €-0,075 PP

Quelle: RWI

Bei seinen Berechnungen ging das RWI davon aus, dass das Tempo der Impfungen - trotz Impf-Anreizen wie kürzlich bei Ikea* - ungefähr gleich bleibt. Das würde bedeuten, dass im kommenden Winter ein Viertel der unter 12-Jährigen weiter ungeimpft ist. Im 3-G-Szenario rechnete das RWI damit, dass sich die Hälfte der Ungeimpften frei testet.

Im Fall eines Lockdowns, von dem Geimpfte und Getestete ausgenommen sind (3G), betragen die Wertschöpfungsverluste laut des RWI-Modells noch deutlich weniger als bei 2G, nämlich 6,5 Milliarden Euro. Da Schnelltests aktuell noch kostenlos zu bekommen sind, nutzen viele Ungeimpfte die Möglichkeit, sich durch das Testen mit Geimpften gleichzustellen. Ab Oktober 2021 wird es in Deutschland jedoch keine kostenlosen Corona-Tests mehr geben* - dann werden sich voraussichtlich auch weniger ungeimpfte Menschen testen lassen. *BW24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

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