Tübinger Senioren sind verärgert

Radikale Corona-Forderung: Tübinger Bürgermeister Boris Palmer sorgt für Empörung

  • Carolin Freytag
    vonCarolin Freytag
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Wie nahezu überall in Deutschland steigt die Zahl der Coronainfektionen auch im Kreis Tübingen. Tübingens Bürgermeister Boris Palmer machte eine klare Ansage, die für Empörung sorgt.

Tübingen - Auch Tübingen kann sich der zweiten Welle des Coronavirus nicht entziehen. Inzwischen liegt im Landkreis Tübingen die Inzidenz bereits bei 137. OB Boris Palmer hatte zuvor schon bei Facebook mit Bürgern abgerechnet, die das Coronavirus durch Leichtsinn weiter im Landkreis verbreiten.

Insgesamt 2.332 Menschen in Tübingen haben sich bereits laut Landratsamt mit dem Coronavirus infiziert. Nun ändert die Stadt ihre Strategie in der Coronakrise. Angesichts dieser dramatischen Lage richtete der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer am Montag laut Bild einen eindringlichen Appell an die Senioren.

Coronavirus in Tübingen: Boris Palmer hat radikalen Ratschlag für Senioren

Boris Palmer forderte Senioren in Tübingen auf, „die Stadtbusse im November nicht mehr zu benutzen“. Stattdessen sollten Senioren, wenn immer möglich, auf Sammeltaxis zurückgreifen, so Palmer. Wer fit genug sei, solle zudem lieber das Fahrrad als den Bus nutzen, auch bei niedrigen Temperaturen, forderte der Tübinger OB. So soll die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg eingedämmt werden.

Boris Palmer richtete sich aber mit seinem eindringlichen Appell nicht nur an die Senioren in Tübingen. Auch junge Menschen sollen ihren Beitrag dazu leisten, die zweite Welle des Coronavirus einzudämmen. Alle, die unter 65 Jahre alt sind und keine Vorerkrankungen haben, sollen darauf verzichten, Einkäufe zwischen 9.30 Uhr und 11 Uhr vormittags zu erledigen. Diese Zeiten sollten Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen vorbehalten bleiben. So will OB Boris Palmer das Infektionsrisiko weiter senken.

Boris Palmer erntet für Corona-Vorschlag heftige Kritik

Dieser Schritt des Oberbürgermeisters sorgte für allerdings für Empörung. Wie unter anderem der swr berichtet, lehnt der Landesseniorenrat diese Aufforderung von Boris Palmer ab. Der Vorsitzende des Landesseniorenrats, Uwe Bähr, äußerte zudem Kritik an dem Vorschlag, verschiedenen Bevölkerungsgruppen verschiedene Einkaufszeiten zuzuweisen. Das sorge dafür, dass ältere Menschen stigmatisiert würden.

Trotz aller Kritik hält Boris Palmer an seinem Appell fest. „Wir müssen uns einfach klarmachen: Bei Menschen über 80 gab es 500 mal mehr Todesfälle als bei denen unter 40. Dieses Virus ist extrem altersdiskriminierend. Darüber klagen nutzt nichts“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ am Dienstag. Man müsse die Chance nutzen, die Intensivstationen vor Überlastung zu bewahren, indem man vor allem den Älteren dabei helfe, sich vor Corona zu schützen. „Appelle und Angebote isolieren niemanden.“

Senioren in Tübingen bekommen zum Schutz vor dem Coronavirus kostenlose FFP2-Masken

Zudem kündigte die Stadt Tübingen an, Senioren über 65 Jahren künftig kostenlos FFP2-Masken zum Schutz vor dem Coronavirus zur Verfügung stellen zu wollen.

Mit diesem Appell von Oberbürgermeister Boris Palmer setzt Tübingen nun auf einen ähnlichen Weg, wie den, den Schweden in der Coronakrise bereits gegangen ist: Es wird vor allem Wert darauf gelegt, Ältere und Vorerkrankte zu schützen.

Boris Palmer führt den Kampf gegen das Coronavirus jedoch nicht nur auf der politischen Ebene. Auch privat engagiert er sich. Boris Palmer hat sich als eine der ersten Testpersonen mit einem Corona-Impfstoff impfen lassen, an dem die Tübinger Firma Curevac derzeit arbeitet.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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