Covid-19 in Baden-Württemberg

Coronavirus-Studie aus Mannheim: Immer mehr Menschen haben genug vom Kontaktverbot und handeln drastisch

Ein Polizist spricht in einem Park in Stuttgart während einer Coronavirus-Kontrolle eine Frau an
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Polizei kontrolliert, ob das Kontaktverbot eingehalten wird - hier in einem Park in Stuttgart.
  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat Auswirkungen auf jeden Lebensbereich. Eine Studie aus Mannheim zeigt nun, dass immer mehr Menschen das Kontaktverbot wegen Covid-19 ignorieren.

  • Eine Studie der Universität Mannheim dient der Bundesregierung dazu, besser einschätzen zu können, wie Menschen mit der Krise durch das Coronavirus in Baden-Württemberg umgehen.
  • Die Daten der Mannheimer Corona-Studie bilden wöchentlich sogar kleine Meinungsverschiebungen in der Bevölkerung ab.
  • Es zeigt sich, dass immer weniger Menschen eine Ausgangssperre akzeptieren und sich trotz Coronavirus vermehrt mit Freunden und Familie treffen.

Mannheim - Kontaktverbot, Mindestabstand, Schutzmasken: Das Coronavirus in Baden-Württemberg sorgt für für einen Ausnahmezustand, mit dem nicht alle Menschen gut zurechtkommen. In einer Studie aus Mannheim untersucht ein Forscherteam seit dem 20. März täglich, wie die Covid-19-Krise das Leben der Menschen beeinflusst - nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland. Deshalb greift nun auch der Corona-Krisenstab und die Bundesministerien auf die Mannheimer Corona-Studie zurück.

Das Team der Universität Mannheim will nach eigenen Angaben Eintscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft fundierte Daten liefern, um Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie sinnvoll zu gestalten. „Als wir beim Ausbruch der Krankheit in Deutschland innerhalb weniger Tage mit der Mannheimer Corona-Studie reagiert haben, wollten wir den Einfluss der Pandemie und der getroffenen Maßnahmen auf die Gesellschaft aufzeigen“, sagt Studienleiterin Annelies Blom, die Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern untersucht.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Laut Studie halten sich immer weniger Menschen an das Kontaktverbot

Nach jüngsten Ergebnissen der Wissenschaftler der Universität Mannheim ist eine Berücksichtigung der Situation unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen angesichts der Coronavirus-Krise durchaus sinnvoll. Die Studie gibt wöchentlich auch kleine Meinungsverschiebungen in der Bevölkerung wieder. So fand das Mannheimer Team heraus, dass vor drei Wochen mehr als die Hälfte der Befragten eine allgemeine Ausgangssperre wegen des Coronavirus für angemessen hielt - am Mittwoch fiel die Akzeptanz der Maßnahme auf nur noch 30 Prozent.

Dabei nimmt die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg auch trotz Kontaktverbot weiter zu. Bei einer genauen Analyse der Zahlen Anfang April, fand das Gesundheitsamt Stuttgart heraus, dass vor allem Menschen mittleren Alters von Covid-19 betroffen sind - nicht Senioren. Die Zahlen zeigten außerdem, dass junge Menschen das Coronavirus und Baden-Württemberg am häufigsten übertragen, was maßgeblich auf ihr Freizeitverhalten zurückzuführen ist.

Die Forscher der Universität Mannheim beobachteten in ihrer Studie nun, dass sich immer mehr Menschen trotz des Coronavirus mit Freunden und Verwandten treffen. In den ersten Wochen der Covid-19-Pandemie hatten die Bürger ihre Aktivitäten noch stark eingeschränkt und waren eher bereit, sich an das Kontaktverbot zum Infektionsschutz zu halten. Viele Menschen seien durch die Uneinigkeit in der Politik zur Weiterführung oder Lockerung der Maßnahmen verunsichert, vermutet Blom. Die Einschränkungen seien für viele Menschen - trotz der anhaltenden Verbreitung des Coronavirus - ein schwer zu bewältigender Eingriff.

Studie aus Mannheim liefert der Bundesregierung wichtige Daten zum Umgang mit dem Coronavirus

Die Studie aus Mannheim stellt der Bundesregierung nicht nur Informationen zu sozialen Kontakten und zur Akzeptanz verschiedener Maßnahmen in der Bevölkerung zur Verfügung. Zusätzlich, so heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Mannheim, würden nun auch Informationen aus der Studie zur Kinderbetreuung und Erwerbs­tätigkeit in die Überlegungen mit einfließen. Mit den Ergebnissen der Mannheimer Corona-Studie können die Ministerien und der Krisenstab unterschiedliche Szenarien erarbeiten.

Bereits jetzt muss die Polizei immer wieder einschreiten, weil sich Bürger trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg nicht an das Kontaktverbot und die Abstandsregel halten. So haben sich während eines Brandes in einem Wohnhaus in Künzelsau-Ohrnberg mehrere Gaffer versammelt, um den Brand zu beobachten - und damit gegen die Corona-Verordnung verstoßen.

Nicht nur die Universität Mannheim stellt sich aktiv der Herausforderung durch das Coronavirus in Baden-Württemberg. Die Corona-Pandemie hat bereits zu einigen kreativen Lösungen aus der Region geführt. Das Mannheimer Start-up Von Jungfeld etwa produziert wegen Covid-19 nun Atemmasken statt Socken - während andere Unternehmen mit Kurzarbeit und drohender Pleite zu kämpfen haben, hat das Startup aus Mannheim so viel zu tun wie nie zuvor. Ein anderes Start-up aus Mannheim unterstützt die EU im Kampf gegen das Coronavirus.

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