Ausflügler kommen in Scharen

Schneetouristen „mit auswärtigem Kennzeichen“ ignorieren Straßensperren

Ein Polizeifahrzeug steht hinter einer Absperrung auf einer verschneiten Straße
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Straßensperren sollten in Albstadt Besucherandränge verhindern. Doch viele Autofahrer hielt das nicht davon ab, einfach an der Absperrung vorbeizufahren (Symbolbild).
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Zahlreiche Touristen drängten am Wochenende in die Ausflugsgebiete auf der Schwäbischen Alb. Von der Polizei ließen sie sich dabei nicht aufhalten.

Albstadt - Seit Mitte Dezember gilt in Baden-Württemberg und ganz Deutschland ein harter Lockdown. Da das öffentliche Leben gänzlich stillsteht, sind Ausflüge in die Natur für viele derzeit eine willkommene Abwechslung. Obwohl die Skilifte geschlossen sind, drängen jedoch immer wieder Tausende Winter-Touristen in den Schwarzwald und auf die Schwäbische Alb. In Albstadt nahm am vergangenen Wochenende das Chaos seinen Lauf.

Trotz der angespannten Lage wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg zieht es Woche für Woche eine ganze Schar von Ausflüglern an die Orte, wo es am schönsten ist. Ein Touristenmagnet ist auch Albstadt. Etwa 85 Kilometer südlich von der Landeshauptstadt Stuttgart gelegen, lockt die 45.000-Einwohner-Stadt jedes Wochenende Naturliebhaber, Spaziergänger und Freizeitsportler an.

Trotz Coronavirus in Baden-Württemberg: Touristen fluten Albstadt und ignorieren Sperrungen

Auf den bereits erwarteten Ansturm hat die Stadt Albstadt am Samstagnachmittag reagiert. Wegen voller Parkplätze ließ die Stadt einzelne Zufahrtsstraßen sperren, wie der Zollern Alb Kurier berichtete. Zudem patrouillierte die Polizei. Stoppen ließen sich die motivierten Ausflügler davon jedoch nicht. Völlig unbeeindruckt von den Verbotsschildern ignorierten zahlreiche „Autofahrer mit auswärtigem Kennzeichen“ die Straßensperren, so der ZAK.

Folgende Zufahrtsstraßen waren in Albstadt wegen des Besucherandrangs ab Samstagmittag gesperrt:

  • Zufahrtsstraße Raichberg, Onstmettingen
  • Zufahrtsstraße Schneckenbuckel, Onstmettingen
  • Zufahrtsstraße Burgfelden, Burgfelden

Wie die Autofahrer die Sperrungen ignorierten, konnte man zum Beispiel bei der Zufahrt nach Burgfelden oder auf den Raichberg beobachten. Währenddessen informierte die Stadtverwaltung auf ihrem Kanal „Albstadt Tourismus“ auf Facebook und Instagram über die Überfüllung und bat eindringlich darum, die Parkplätze und Zugangsstraßen zu meiden. Das hielt aber scheinbar viele nicht davon ab, auch noch anliegende Wohngebiete zuzuparken.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Ist die Landesregierung Schuld am Touristenandrang?

Für Martin Roscher, Tourismuschef der Stadt Albstadt, liegt die Schuld an dem Schlamassel bei der Landesregierung. „Wären längere Reisen verboten, hätten wir die Probleme erst gar nicht“, sagte er dem ZAK. Während einige Bundesländer eine 15 Kilometer weite Ausgangssperre für Hotspots beschlossen haben, entschied sich der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann überraschend dagegen. So bleiben längere Autofahrten und Ausflüge in Baden-Württemberg auch für Bewohner von Hotspots generell erlaubt.

Natürlich freue er sich über auswärtigen Besuch, der nach Albstadt kommt, so Tourismuschef Martin Rocher. Jedoch warnte er: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht überrannt werden.“ Eine generelle Sperrung der Wanderwege und Loipen hält er trotz allem für falsch. „Wir würden damit Einheimische und alle, die sich ganz coronakonform im Freien aufhalten, bestrafen.“ Wer sich nicht an die Regeln halte und beispielsweise Rettungswege zuparke, werde kostenpflichtig abgeschleppt, kündigte die Stadt an.

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