Von Jungfeld aus Mannheim

Coronavirus: Startup, das bei der Höhle der Löwen rausflog, hat jetzt soviel zu tun wie nie

Die Gründer des Startups Von Jungfeld, Lucas Pulkert und Maria Pentschev, tragen die von ihnen produzierten Atemmasken
+
Seit sich das Coronavirus in Baden-Württemberg immer weiter ausbreitet, produziert das Startup Von Jungfeld Atemmasken
  • Marleen van de Camp
    vonMarleen van de Camp
    schließen

Eigentlich ist das Startup Von Jungfeld bekannt für bunte Premium-Socken. Als wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg das Geschäft einbrach, hatten die Gründer eine rettende Idee.

  • Das Mannheimer Startup Von Jungfeld ist bekannt für seine bunten Premium-Socken, die in Department-Stores wie P&C oder Breuninger angeboten werden.
  • Als diese Geschäfte in Folge des Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland schließen mussten, drohte der Zusammenbruch des Unternehmens.
  • Ein Freund brachte die Gründer auf die rettende Idee.

Mannheim - Wegen des Coronavirus in Baden-Württenberg herrscht Kontaktverbot. Viele Menschen langweilen sich gerade zu Hause. Dagegen sind die Mitarbeiter eines Startups aus Mannheim richtig im Stress. Sieben Tage in der Woche wird derzeit bei dem Unternehmen Von Jungfeld gearbeitet - 16 Stunden am Tag.

Und das, obwohl wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg alle Geschäfte geschlossen sind, in denen die bunten Socken und Boxershorts der Marke Von Jungfeld verkauft werden. Das Startup könnte einigen TV-Zuschauern bekannt vorkommen: 2018 nahmen die Gründer an der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bei Vox teil - und bekamen eine Abfuhr von den Juroren. Ein anderes Start-up aus Baden-Württemberg, nämlich die Duschbrocken GmbH aus Stuttgart, will auch versuchen, in der Höhle der Löwen zu überzeugen.

Mitten in der Corona-Krise sind die Von-Jungfeld-Gründer Lucas Pulkert (29) und Maria Pentschev (33) zusammen mit einem weiteren Teammitglied jeden Tag von 7 bis 21 Uhr im Büro in Mannheim. Alle anderen der 20 Mitarbeiter haben sie zur Sicherheit ins Home-Office geschickt. Sie arbeiten aber trotz der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg weiter in Vollzeit.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Startup Von Jungfeld hatte schon Kurzarbeit beantragt

Als am 18. März der Einzelhandel in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern wegen der Covid-19-Pandemie schließen musste, hatte es jedoch ganz anders ausgesehen. Mit der Schließung aller Ladengeschäfte brach auch das Geschäft bei dem Startup aus Mannheim ein. Wie die Gründer es geschafft haben, alles vorerst zum Guten zu wenden, hat Lucas Pulkert BW24 im Interview erklärt.

Ein Antrag auf Kurzarbeit wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg war bereits bewilligt. Da berieten sich Pulkert und Pentschev mit Henrik Roth, einem befreundeten Gründer. Roth hatte sein Startup BeWooden, das normalerweise Fliegen und andere Accessoires aus Holz anbietet, wegen der Covid-19-Pandemie auf die Produktion von Atemmasken aus Baumwolle umgestellt.

Da BeWooden in Tschechien produziert, wo die Regierung gerade den Notstand ausgerufen und das Bedecken von Mund und Nase im öffentlichen Raum zur Pflicht erklärt hatte, fanden die Atemmasken reißenden Absatz. Auch in Deutschland empfehlen führende Wissenschaftler das Bedecken von Mund und Nase. Weil sich das Coronavirus in Baden-Württemberg immer weiter ausbreitete, beschlossen die Gründer des Startups Von Jungfeld, ebenfalls Atemmasken zu produzieren.

Coronavirus: Startup aus Mannheim organisiert die Produktion von Atemmasken in zwei Tagen

Da die Startup-Gründer aus Mannheim schon Kontakt zu Nähereien hatten, gelang es ihnen innerhalb von nur zwei Tagen, 20 Betriebe in Europa (Deutschland, Türkei, Portugal, Bulgarien, Griechenland und Polen) für die Produktion von Atemmasken zu gewinnen. Seit dem 23. März werden von ihnen pro Tag 1.000 Mund-Nasen-Masken hergestellt, die wegen Covid-19 gerade dringend gebraucht werden. Dadurch schaffte es das Startup aus Mannheim, die gravierenden Folgen abzufedern, die das Coronavirus auf die Wirtschaft in Baden-Württemberg hat.

Die breite Verteilung der Nähereien in Europa sei aufgrund der großen Unsicherheit durch die Covid-19-Pandemie nötig, sagt Lucas Pulkert. Denn wenn in einer Näherei ein Coronavirus-Fall auftrete, werde sie für 14 Tage komplett geschlossen. Außerdem gebe es Länder, die zur Eindämmung des Coronavirus Export-Verbote in Kraft setzten, wie derzeit die Türkei

Coronavirus in Baden-Württemberg: Tausende Bestellungen von Masken 

Startup-Gründer Lucas Pulkert berichtet, dass die Resonanz auf die Nachfrage nach Atemmasken wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland riesig sei. „Wir haben im Moment das Gefühl, dass wir uns die letzten Jahre über auf diesen Moment vorbereitet haben“, sagt er zu BW24. „Es ist erstaunlich, wie gut das alles funktioniert. Insofern macht es - falls man das in einer Krise wie dieser sagen kann - Spaß. Wir haben eine Arbeit gefunden, in der wir Erfahrung haben und mit der wir zusätzlich auch noch etwas Gutes tun können.“ Ganz klar, Von Jungfeld sei ein Unternehmen und müsse natürlich Geld verdienen, stellt der Gründer klar. „Trotzdem legen wir aber großen Wert auf den Solidaritätsgedanken.“

Die Atemmasken bietet Von Jungfeld für 10 Euro pro Stück an. Diesen Preis kann aber nicht jeder bezahlen, der in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg Hilfe braucht. Deshalb ermöglicht das Startup aus Mannheim auf seinem Onlineshop auch Maskenspenden. Für 15 Euro kauft man eine Maske für sich selbst und spendet eine Atemmaske an einen Bedürftigen, der sie für einen Cent kaufen kann. Um den Versand kümmert sich Von Jungfeld. Um Missbrauch zu verhindern, ist die Bestellung dieser vergünstigten Atemmasken auf fünf Stück pro Person begrenzt.

15.000 Atemmasken wurden in den vergangenen zwei Wochen gespendet. Ungefähr zwei Drittel davon haben bereits Besitzer gefunden. Die verbleibenden Atemmasken spendet Von Jungfeld an gemeinnützige Organisationen. Gerade gingen 1.700 Masken an die Caritas Mannheim. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Atemmaske kein Schutz für Risikogruppen  

„Das Wort Schutz verwende ich bewusst nicht“, sagt Pulkert im Interview mit BW24. „Es gibt einen Unterschied zwischen einer Schutzmaske und einer Mund-Nasen-Bedeckung und wir betonen auf allen Kanälen, dass unsere Masken kein Schutz für Risikogruppen sind. Sie schützen nicht davor, Viren einzuatmen.“ Dennoch ist es genau die Art von Atemmaske, deren Tragen der breiten Bevölkerung durch das Robert-Koch-Institut empfohlen wird. Denn sie verhindert, dass sich das Coronavirus in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern durch Ausatmung verbreitet.

Dass von Jungfeld einmal Atemmasken verkaufen würden, um dabei zu helfen, die Ausbreitung einer Pandemie zu verhindern, hätten Lucas Pulkert und Maria Pentschev nicht geahnt, als sie das Startup im Jahr 2013 in Mannheim gründeten. Sie wollten stylische und verantwortungsbewusst produzierte Socken verkaufen. Der Name kommt übrigens von einer Domain, die Pulkert lange zuvor registriert hatte, um ein Jugendportal aufzubauen. Das Portal scheiterte, die Domain blieb und wurde schließlich zur Webpräsenz des Premium-Socken-Anbieters.

Vor der Corona-Pandemie scheiterte das Startup bei „Die Höhle der Löwen“

Die Gründer des Startups Von Jungfeld, Lucas Pulkert und Maria Pentschev, übernahmen in der Corona-Krise die rettende Idee von einem Freund

Schon lange vor der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg stand das Startup aus Mannheim vor einer Bewährungsprobe: 2018 hatten Lucas Pulkert und Pentschev einen Auftritt in der Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ auf Vox. Für eine Million Euro boten sie den Juroren 15 Prozent ihres Unternehmens an und lösten damit bei den „Löwen“ Empörung aus. Der Konsens: Von Jungfeld sei völlig überbewertet. Lucas Pulkert und Maria Pentschev war das egal.

„Die Höhle der Löwen ist ein super Format für alle Beteiligten. Egal, was die Juroren sagen - man hat acht Minuten Prime Time auf Vox“, sagt Pulkert gegenüber BW24. „Wir hatten schon damit gerechnet, dass unser Angebot abgelehnt wird, weil zu diesem Zeitpunkt in der Show noch nie eine so hohe Summe ausgegeben wurde.“ Ein Start-up aus Stuttgart bekam einen Deal in der Höhle der Löwen. „Euer Produkt ist der Hammer", sagte Juror Ralf Dümmel. In derselben Folge der „Höhle der Löwen“ holte der Handball-Star Johannes Bitter aus Stuttgart einen Deal, der ihn selbst überraschte.

Noch vor der Ausstrahlung der DHDL-Folge gewann Von Jungfeld einen anderen prominenten Investor: Joko Winterscheidt. Nachdem der TV-Star in einem Interview gesagt hatte, er wolle in Startups investieren, schrieb Lucas Pulkert ihm einfach eine Nachricht auf Xing.

„Es war ein glücklicher Zufall, dass er gerade in sein Postfach geschaut hat, als meine Nachricht oben war“, sagt Lucas Pulkert bescheiden. „Dann haben wir uns getroffen und das hat funktioniert.“ Vielleicht steht Joko Winterscheidt ja auch einfach auf bunte Socken. Nun unterstützt er jedenfalls ein Start-up, das Tausenden Menschen hilft - und das in einer Zeit, in der sich mit dem Coronavirus eine gefährliche Krankheit in Baden-Württemberg und der ganzen Welt ausbreitet.

Andere Start-ups können sich nicht so gut auf die Coronakrise einstellen wie Von Jungfeld. Und das ist ein echtes Problem. Denn eine Studie der Universität Stuttgart zeigt, wie der Staat daran scheitert, Start-ups in der Coronakrise zu retten. Einige Unternehmen aus der Region reagieren auf kreative Weise: So ließ sich zum Beispiel wegen des Coronavirus ein Bäcker aus Baden-Württemberg von McDonald's inspirieren: Er baute an seiner Bäckerei einen Drive-in, damit Kunden bedenkenlos Brötchen kaufen können. Außerdem starteten DJs aus Stuttgart wegen des Corona-Kontaktverbots einen Facebook-Stream, bei dem die Musiker auf einer Dachterasse auflegen. Unabhängig vom Coronavirus in Baden-Württemberg verpasst die Polizei in Mannheim Auto-Posern einen ungewöhnlichen Denkzettel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare