Ein Detail macht sie stutzig

Frau aus Schwäbisch Gmünd bekommt Corona-Brief von der Stadt und traut ihren Augen nicht

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Eine Frau in Schwäbisch Gmünd erhielt einen Brief, der sie über eine Risikobegegnung mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg informierte - ein Detail macht sie jedoch stutzig.

Schwäbisch Gmünd - Trotz verschärfter Corona-Regeln und dem am vergangenen Montag verhängten Lockdown steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg scheinbar unaufhörlich an. Um die Ausbreitung von Covid-19 in den Griff zu bekommen, arbeiten die Gesundheitsämter unter Hochdruck daran, Personen, die mit einem nachweislich Infizierten in Kontakt waren, ausfindig zu machen.

Der Plan: Betroffene sollen über das hohe Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg informiert und dazu veranlasst werden, sich im Sinne der Maßnahmen zum Infektionsschutz für 14 Tage ab dem letzten Kontakt in Quarantäne zu begeben. Das gilt für Kontaktpersonen ersten Grades, also solche, die sich mindestens 15 Minuten und mit einem Abstand von weniger als 1,5 Metern in Gegenwart eines positiv Getesteten aufgehalten haben.

Schwäbisch Gmünd: Frau soll in Quarantäne - doch mit der Benachrichtigung stimmt etwas nicht

Grundsätzlich empfiehlt das Gesundheitsamt jedem zu Hause zu bleiben, wenn er Symptome einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus feststellt. Kontaktpersonen ersten Grades sind jedoch sogar dazu verpflichtet, weil das Risiko bei ihnen besonders groß ist. Umso erschreckender ist die Tatsache, dass es bei dem Informationsfluss offenbar immer wieder zu Schnitzern kommt.

So berichteten die Stuttgarter Nachrichten erst kürzlich von einem Fall im Rems-Murr-Kreis, wo eine Frau aus Schmieden ihre Benachrichtigung erst wenige Tage vor Ablauf der vorgeschriebenen Quarantäne-Zeit erhalten hatte. Die Zeit zuvor hätte sie also - ohne es zu wissen - viele weitere Personen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg anstecken können.

Kürzlich wurde in Schwäbisch Gmünd ein ähnlicher Fall bekannt. Dort erhielt eine Frau am Samstag, dem 31. Oktober, den Brief vom Gesundheitsamt mit der unheilvollen Botschaft einer Risikobegegnung. Seine Ausstellung war auf den 29. Oktober datiert - darin der Hinweis: Am 8. Oktober hatte sie Kontakt zu einer Person, die mit dem Coronavirus infiziert war.

Wer jetzt nachrechnet, stellt fest: Zwischen der Begegnung und dem Ausstellungsdatum liegen sage und schreibe 20 Tage. Oder einfacher ausgedrückt: Die vom Gesundheitsamt vorgeschriebene Quarantäne-Laufzeit von 14 Tagen, die die Frau eigentlich ab dem Tag ihrer Begegnung mit dem auf das Coronavirus positiv Getesteten hätte einhalten sollen, war zum Zeitpunkt des Brief-Erhalts längst abgelaufen - nämlich am 22. Oktober.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kapazitäre Engpässe sorgen für Fehler bei Rückverfolgung

Doch wie kann es zu solchen Fahrlässigkeiten vonseiten der Behörde kommen? Die Gmünder Tagespost hat beim Landratsamt in Schwäbisch Gmünd nachgefragt, wo sie folgende Auskunft erhielt: „In der Regel arbeitet unser Gesundheitsamt die Befunde tagesaktuell ab. Allerdings kommt es teils zu Verzögerungen bei der Befundübermittlung durch den Hausarzt oder bei der Übermittlung durch das Labor, wenn die Auswertung des Tests mehrere Tage dauert.“

Ein weiterer Grund: Die Verwaltung stößt aufgrund der hohen Zahl an Ansteckungen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg kapazitär an ihre Grenzen. „Um bei den steigenden Neuinfektionen die Kontaktpersonennachverfolgung bewältigen zu können, musste das Gesundheitsamt zwischenzeitlich quer aus der allgemeinen Verwaltung des Landratsamts heraus verstärkt werden“, heißt es vonseiten der Behörde gegenüber der Gmünder Tagespost.

Auch an anderen Standorten müssen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg externe Helfer bei Recherchen zu den Infektionsketten aushelfen - so wurden in Stuttgart beispielsweise Bundeswehrsoldaten gesichtet. Das ist auch in Schwäbisch Gmünd der Fall, wo nach Angaben der Tageszeitung derzeit 20 Soldaten im Einsatz sind. „Sie können große Mengen bei der Kontaktpersonennachverfolgung bewältigen“, wird die Sprecherin des Landratsamts zitiert. So könne sich das Gesundheitsamt gezielt um die zeitaufwendigen und zahlreichen Fälle in Heimen, Schulen und anderen Einrichtungen kümmern.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Nicolas Maeterlinck

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