Er brauchte nur einen Farbdrucker

13-Jähriger fälscht Tübinger „Tagesticket“ - und kann ohne gültigen Test einkaufen

Wenige Einkäufer stehen in der Innenstadt vor einem Stand des Wochenmarktes in Tübingen.
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In Tübingen gewährt das Tagesticket gewisse Freiheiten - fälschungssicher ist es aber nicht.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Ein angeblich fälschungssicheres Tagesticket gewährt in der Modellstadt Tübingen gewisse Privilegien. Ein 13-Jähriger hat den Coronatest-Nachweis aber ganz simpel geknackt.

Tübingen - Während das Coronavirus in Baden-Württemberg* seit nun mehr als einem Jahr das Leben im Südwesten einschränkt, hat sich in der Pandemiezeit die Stadt Tübingen mit einem Öffnungsmodell hervorgetan. Seit dem 16. März gibt es in der Universitätsstadt am Neckar ein Projekt, bei dem zunächst auch Auswärtige dann nur noch Tübinger nach negativem Corona-Test in Tübingen ein Café besuchen oder shoppen gehen konnten. Nachdem zwischenzeitlich das Gesundheitsministerium mit dem Abbruch des Tübinger Modellprojekts* gedroht hatte, wurde das Projekt fortgesetzt. Die „Bundesnotbremse“ könnte dem Tübinger Modell nun doch noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Ein Bestandteil dieses Projekts ist das digitale Ticket. Es dient als eindeutiger Nachweis, dass die Person, die es am Arm trägt, mit einem gültigen negativen Corona-Test ausgestattet ist. Das mit einem QR-Code ausgestattete Bändchen gewährt praktisch die Freiheit, ins Theater oder bummeln zu gehen. Mittlerweile bekommen in Tübingen auch Geimpfte gewisse Privilegien*. Die Stadt garantiert dabei, dass das Tagesticket fälschungssicher sei. Laut einem Bericht des SWR, hat ein 13-Jähriger aber nun herausgefunden, dass das Ticket alles andere als sicher und recht simpel zu knacken ist.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Das Tübinger Tagesticket lässt sich angeblich simpel herstellen

Dafür brauchte der junge Schüler offenbar nur einen gewöhnlichen Farbdrucker, mit dem er einen Papierstreifen mit einer Zahlenkombination bedruckte. Um zu beweisen, dass das eigens hergestellte Ticket funktioniert, geht der 13-Jährige damit am Handgelenk dem Bericht des SWR zufolge als Erstes in eine Buchhandlung und zeigt das Ticket der Händlerin vor. Nachdem diese die Zahlenkombination in den Computer eingetippt hat, erscheint die Meldung, dass ein gültiger negativer Corona-Test vorliegt.

Zur Überprüfung testet auch eine SWR-Mitarbeiterin daraufhin den QR-Code, den sie mit ihrem Smartphone einscannt. Obwohl der junge Tübinger bestreitet, an diesem Tag einen Corona-Test gemacht zu haben, erscheint auch auf ihrem Bildschirm die Bestätigung, dass ein negativer Test vorliegt, der vor wenigen Stunden gemacht worden sei. Eine Panne, wie zuletzt in Tübingen mit 25 Corona-Schnelltests*, ist das offenbar nicht. Wie der Schüler den Code geknackt hat, wird in dem Beitrag zwar nicht deutlich. Er habe, unterstreicht der 13-Jährige, jedenfalls nicht sehr lange dafür gebraucht.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Pandemiebeauftrage Federle zeigt sich unbeeindruckt

Die Tübinger Pandemiebeauftragte zeigt sich von dem geknackten Tagesticket unbeeindruckt. Man könne vermutlich alles fälschen, sagt Lisa Federle gegenüber dem SWR. Ohnehin komme es in der Pandemie auf Eigenverantwortlichkeit an. Früher oder später, wenn man auf Selbsttests umsteige, müsse man sich auf die Ehrlichkeit der Bürger verlassen können. Das Projekt in Tübingen könne nur funktionieren, wenn die Leute „ordentlich mit dem Thema umgehen“, so Federle.

Der 13-Jährige selbst bezeugt, dass er das Modellprojekt nicht habe unterminieren wollen. Offenbar trieb ihn lediglich die Neugier. Er habe, sagt er, nur mal ausprobieren wollen, wie fälschungssicher das Bändchen sei. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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