Verstöße gegen Kontaktbeschränkungen

Gnadenlos: Obdachlose müssen Tausende Euro Corona-Bußgelder zahlen

Zwei Obdachlose sitzen in einer Unterführung.
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Für Obdachlose wird die Situation in Baden-Württemberg durch die Corona-Krise immer schwieriger.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg verstärkt die Probleme von Obdachlosen. Bußgelder wegen Corona-Verstößen treiben die Menschen in Schulden.

Karlsruhe - Obdachlose haben es in diesen Tagen noch schwerer als sonst: Der Winter steht vor der Tür, hinzu kommt die Corona-Pandemie, die sie zusätzlich in Not bringt. Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, werden Obdachlose wegen Verstößen gegen die Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum häufig auch noch zu Bußgeldern verdonnert. „Das sind zum Teil horrende Beiträge, die von den Ordnungsbehörden besonders vehement eingetrieben werden“, sagte Julia Schlembach vom Referat Wohnungslosenhilfe der Diakonie Baden der dpa.

Sogar von Summen im vierstelligen Bereich sprach Sozialarbeiter Uwe Enderle von der Einrichtung Tagestreff Tür in Karlsruhe. Die Behörden seien in der Regel nicht bereit, auf die Bußgelder zu verzichten. Oft sei die Lebenslage der Betroffenen nicht bekannt, würde für die Sachbearbeitung aber auch zu keiner anderen Verfahrensweise führen, teilte das Ordnungsamt Karlsruhe der dpa mit. Viele obdach- und wohnungslose Menschen geraten dadurch in Not und verschulden sich.

Coronavirus in Baden-Württemberg macht Obdachlosen das Leben noch schwerer als sonst

Die Probleme, mit denen Obdachlose in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg zu kämpfen haben, werden auch durch den Stillstand des öffentlichen Lebens verschärft. Beispielsweise das Betteln oder Flaschensammeln vor Veranstaltungen gehe verloren, so die Liga der freien Wohlfahrtspflege. Laut der Liga gebe es zudem große Defizite in ländlichen Gebieten und auch manchen Städten hinsichtlich der Versorgung von Obdachlosen.

Im April hat die Bundesregierung über Corona-Sonderhilfen in Höhe von rund 750.000 Euro beschlossen, von denen um die 250.000 Euro für die Wohlfahrtsverbände bestimmt waren. Julia Schlembach von der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Baden findet dies jedoch zu wenig: Die Sonderhilfen seien „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Aus Kreisen von Sozialverbänden hieß es, dass Anträge auf Hilfsgelder aus dem Frühjahr zum Teil noch nicht oder viel zu langsam bearbeitet würden.

Die Zahl obdachloser Menschen im Südwesten wird nach Angaben aus dem Jahr 2014 auf um die 22.000 geschätzt. Neuere Zahlen gibt es bislang nicht.

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