„Weißer Plan“ in Frankreich

Elsass: Corona-Lage in Kliniken eskaliert - flehende Bitten an Baden-Württemberg

  • Julian Baumann
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Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen nicht nur in Deutschland mit hoher Geschwindigkeit an. In Frankreich werden jede Minute Patienten in die Krankenhäuser eingeliefert.

Straßburg - Das Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland breitet sich seit einigen Wochen wieder verstärkt aus. Erst vor einigen Tagen wurde die Landeshauptstadt Stuttgart durch die hohen Infektionszahlen zum Risikogebiet erklärt, andere Städte im Südwesten folgten. Ab Montag, den 2. November, gilt ein Teil-Lockdown mit drastischen Maßnahmen. In der ganzen Bundesrepublik steigen die Zahlen mit hoher Geschwindigkeit, deshalb beschloss Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Regierungschefs der Länder am Mittwoch diesen Schritt.

Deutschland ist jedoch nicht das einzige Land, dass wieder vermehrt mit der Pandemie zu kämpfen hat. In Frankreich ist die Situation sogar noch deutlich schlimmer. Weil sich das Coronavirus im Elsass an der Grenze zu Deutschland rasant ausbreitet, wurden doppelt so viele Patienten gemeldet wie noch vor einer Woche. Durch die hohe Belastung riefen die Krankenhäuser einen Notfall-Plan aus. Bereits am 1. Juli gaben die Städte Stuttgart und Straßburg eine gemeinsame Erklärung ab. Deutschland und Frankreich können die Corona-Notlage nur gemeinsam überwinden, erklärten die Bürgermeister.

Coronavirus im Elsass: Frankreich erreicht Spitzenwert - Zahl der Patienten steigt weiter an

Das Coronavirus im Elsass und ganz Frankreich verbreitet sich aktuell mit einer besonders alarmierenden Geschwindigkeit. Das Land verzeichnet mit insgesamt 42.032 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages einen traurigen Spitzenwert. Das geht aus einem Bericht der französischen Behörden vom Freitagabend hervor. Allein in der Woche zwischen dem 12. und dem 18. Oktober seien in Frankreich insgesamt 170.000 Neuinfektionen registriert worden. Damit kletterte das deutsche Nachbarland nach den USA, Indien, Brasilien und Russland auf den fünften Platz der meisten Fälle weltweit.

Durch die Ausbreitung des Coronavirus im Elsass und Frankreich werden laut Gesundheitsminister Olivier Véran aktuell jede Minute neue Patienten in die Krankenhäuser eingeliefert. Laut Angaben des Tagesspiegel werden aktuell mehr als 140.000 Menschen wegen Corona-Infektionen in französischen Kliniken behandelt.

Bereits während der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr nahm Baden-Württemberg schwer erkrankte Patienten aus dem Elsass auf. Als sich das Coronavirus im Bundesland weiter ausbreitete, gab das Sozialministerium jedoch bekannt, keine Patienten aus dem Ausland zu behandeln. Doch auch jetzt kommen wieder Anfragen aus Frankreich. „Wenn wir warten, bis die Intensivstationen voll sind, ist es zu spät“, sagte Jens Spahn (CDU) am Mittwoch dem SWR.

Coronavirus im Elsass: In den Krankenhäusern gilt ein Notfall-Plan

Auch an der Grenze zu Baden-Württemberg breitet sich das gefährliche Virus weiter aus. Die Zahl der Coronavirus-Patienten in Kliniken im Elsass lag zu Wochenbeginn bei 164 - allein im Nordelsass, wie der SWR berichtete. Das seien doppelt so viele wie noch vor einer Woche, das Gesundheitsamt sei sehr besorgt über die Entwicklung. Deshalb habe sie den sogenannten „plan blanc“ (weißer Plan) ausgerufen, mit dem Krankenhäuser ihre Ressourcen einfacher aufstocken können.

Der Plan sieht vor, die Anzahl an Intensivbetten aufzustocken und nicht dringend notwendige Operationen zu verschieben. Laut einer Korrespondentin des Portals euronews.de könnten sogar Krebsbehandlungen zugunsten der Versorgung von Corona-Patienten verschoben werden.

Coronavirus im Elsass: Doppelt so viele Corona-Patienten wie vor einer Woche - Notfall-Plan in Krankenhäusern (Symbolbild).

Durch die steigende Verbreitung des Coronavirus im Elsass passte die Regierung um Präfektin Josiane Chevalier die Maßnahmen nochmal an, wie der SWR berichtete. Seit Samstag galt eine Ausgangssperre zwischen 21:00 Uhr und 6:00 Uhr, Bars und Kneipen mussten komplett geschlossen bleiben. Nun dürfen Restaurants, die die Bevölkerung mit Essen versorgen, nur noch mittags zwischen 11:00 Uhr und 15:00 Uhr und abends zwischen 18:00 Uhr und 21:30 Uhr öffnen.

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