Hohe Inzidenz

Zollernalbkreis: Patienten trotz Corona-Verdacht weggeschickt - Landrat: Verantwortliche „an der Krawatte packen“

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Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg sind rückläufig. Trotzdem ist noch Vorsicht geboten, wie mindestens zwei Fälle im Zollernalbkreis zeigen.

Zollernalbkreis - Erstmals seit Monaten sinkt die Inzidenz des Coronavirus in Baden-Württemberg. Gleichzeitig zeigt sich nach einem kalten und verregneten Frühling erstmals kontinuierlich die Sonne und es ist warm. Mehr und mehr Lockerungen treten in Kraft und geben der Bevölkerung stetig ein Stück lang ersehnte Normalität zurück.

Bereits im Juli sollen Baden-Württembergs Kinos wieder öffnen. Auch die Außengastronomie in Baden-Württemberg lädt unter Auflagen wieder zu einem kühlen Getränk in der Sonne ein. Angesichts dieser Entwicklungen ist es wenig verwerflich, wenn man in Euphorie verfällt. Allerdings: Vorbei ist die Corona-Pandemie noch nicht. Noch immer herrschen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg und Vorsicht und Vernunft sind geboten.

Im Zollernalbkreis nahm man es mit der Vorsicht vergangene Woche offenbar schon nicht mehr so genau. Wie der Schwarzwälder Bote berichtet, wurden dort Patienten mit Corona-Symptomen vom hausärztlichen Notdienst einfach wieder nach Hause geschickt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Zollernalbkreis noch mit erhöhter Inzidenz

Der Landrat Günther-Martin Pauli gibt unter anderem diesen Fällen die Schuld daran, dass Mitte vergangener Woche die 7-Tage-Inzidenz im Zollernalbkreis noch bei 106,1 lag. Aktuell ist die Inzidenz in allen Landkreisen Baden-Württembergs wieder unter der Marke von 100, der Zollernalbkreis lag lange als einziger über dieser Marke. Während aber beispielsweise der Stadtkreis Heidelberg eine Inzidenz von 13,6 hat, liegt sie im Zollernalbkreis mit 80,3 immer noch vergleichsweise hoch.

Corona im Zollernalbkreis: Der hausärztliche Notdienst schickte dort vergangene Woche Patienten mit Corona-Symptomen einfach nach Hause (Symbolbild).

„Es hat weh getan, dass wir jetzt so hohe Fallzahlen erreicht haben, obwohl der Kreis seit Beginn der Pandemie immer vor der Lage gewesen war“, erklärt Landrat Günther-Martin Pauli dem Schwarzwälder Boten. Man sei verspätet in die dritte Welle gestartet, aus der man jetzt auch später als andere Kreise wieder herauskomme.

Trotz Corona-Symptomen: Patienten im Zollernalbkreis wurden vom Notdienst nach Hause geschickt

Entsprechend rechtfertigen auch sinkende Inzidenzen des Coronavirus in Baden-Württemberg nicht, dass Patienten mit Corona-Symptomen einfach nach Hause geschickt werden. Landrat Günther-Martin Pauli bestätigt gegenüber dem Schwarzwälder Boten mindestens zwei Fälle, in denen das passiert ist.

Man sei deswegen auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Stuttgart vorstellig geworden. Zusammen mit der Kreisärzteschaft arbeite man diesen Sachverhalt jetzt auf und wolle klären, „wer Dienst hatte, wie das gelaufen ist und ob man jemanden an der Krawatte packen kann“. Pauli wies jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die diensthabenden Ärzte nicht unbedingt aus dem Kreis stammen müssten und, dass das Zollernalb-Klinikum damit nichts zu tun habe.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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