Weitergabe des Impfstatus

Freiburg: Kieferorthopädin weigert sich, Kind zu behandeln - weil es geimpft ist

Eine Kinderärztin impft einen Jungen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech-Pfizer.
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Eine Kieferorthopädin in Freiburg lehnte die Behandlung eines 13-Jährigen ab weil dieser kurz zuvor geimpft wurde. (Symbolbild)
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Die Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg spaltet noch immer die Gesellschaft. Eine Kieferorthopädin lehnte die Behandlung eines geimpften Kindes ab.

Freiburg - Die Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg ist derzeit so schlimm wie nie zuvor. Vor allem die Krankenhäuser und sozialen Einrichtungen in Stuttgart sowie im ganzen Südwesten stoßen zunehmend an die Grenzen der Belastbarkeit. Eine Intensivschwester aus Stuttgart berichtete, dass die Frage nach dem Impfstatus der Patienten inzwischen zum Standardvorgehen gehört. Laut ihrem Bericht sind die meisten Menschen auf den Stationen ungeimpft. Die Intensivschwester ist sauer auf die Ungeimpften; sie müsse „die Dummheit der Menschen pflegen“.

Aufgrund der immer weiter steigenden Corona-Fälle in Baden-Württemberg und ganz Deutschland, die durch die neu entdeckte Virus-Mutation aus Südafrika womöglich noch befeuert werden könnten, rückt eine generelle Impfpflicht immer näher. Bereits seit dem Start der Corona-Impfungen in Stuttgart und Baden-Württemberg herrscht eine hitzige Debatte zwischen Geimpften und Ungeimpften. Inzwischen fragt nicht nur das medizinische Personal von Krankenhäusern und Kliniken, sondern auch die Belegschaft von Einzelhändlern, Restaurants und Co. nach dem Impfstatus. Dass eine Kieferorthopädin aus Freiburg nach dem Impfstatus eines Kindes fragte, konnte dessen Mutter aber nicht nachvollziehen, berichtet die Badische Zeitung.

Corona-Impfung: Kieferorthopädin aus Freiburg lehnt Behandlung eines Kindes ab

Allgemein wird davon ausgegangen, dass geimpfte Bürger im Falle einer Corona-Infektion deutlich weniger Probleme haben als Ungeimpfte. Eben deshalb fragt das medizinische Personal bei der Einlieferung in ein Krankenhaus wohl auch nach dem Impfstatus. Im Falle der Kieferorthopädin aus Freiburg wurde diese Information jedoch von einer anderen Fachkraft weitergegeben, wie eine Mutter eines 13-jährigen Jungen der Badischen Zeitung berichtete. Das Kind war zuvor bei der langjährigen Zahnärztin der Familie gewesen, die ihn fragte, ob er geimpft sei. Nachdem der 13-Jährige dies bejaht hatte, leitete die Zahnärztin die Information offenbar an die Kieferorthopädin weiter.

Zu der Freiburger Kieferorthopädin sollte der Junge nach Aussage seiner Mutter, um nach langer Zeit seine Zahnspange loszuwerden. Am 5. Juli rief die Fachärztin allerdings bei der Familie an und wollte den bereits vereinbarten Termin verschieben. Der Termin sei zu gefährlich, weil der Junge frisch geimpft sei, habe die Kieferorthopädin gesagt. Er dürfe zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall die Praxis betreten, erst zwei Wochen nach der zweiten Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. Für die Mutter des Jungen war die Weitergabe des Impfstatus ihres Sohnes unbegreiflich. „Erst habe ich es gar nicht richtig kapiert“, sagte sie der Badischen Zeitung.

Weitergabe des Impfstatus: Mutter wirft Zahnärztin „Bruch der ärztlichen Schweigepflicht“ vor

Den Angaben der Mutter des 13-Jährigen zufolge ist die langjährige Zahnärztin der Familie selbst Corona-Skeptikerin und zweifelte sogar das Bestehen einer Pandemie an. Dass sie den Impfstatus ihres Sohnes kurzerhand an eine Kollegin weitergegeben hatte, traf bei ihr auf besonderes Unverständnis. „Ich habe nie meine Zustimmung gegeben, dass die Zahnärztin den Impfstatus abfragt und diese Information an die Kieferorthopädin weitergibt“, erklärte sie der Badischen Zeitung. „Für mich liegt da ganz klar ein Bruch der ärztlichen Schweigepflicht vor.“

Dass die Kieferorthopädin aus Freiburg die Behandlung des Jungen kurz nach dessen Corona-Impfung verweigerte, stellt das genaue Gegenteil zu einem Fall in Osnabrück dar, als ein Arzt eine ungeimpfte Patientin nicht behandeln wollte und dafür bedroht wurde. Das Vorgehen der Kieferorthopädin fußt offenbar auf Theorien, die bei Corona-Skeptikern im Umlauf sind.

Die Mutter des 13-Jährigen hatte sich per Brief an die Bezirkszahnärztekammer (BZK) Freiburg gewandt. Erst nach sieben Wochen erhielt die Familie eine Antwort der Kammer, die kein Fehlverhalten der beiden Ärztinnen feststellen konnten. Beigelegt waren dem Schreiben auch zwei Briefe der besagten Kieferorthopädin. Darin wird unter anderem auf angebliche Inhaltsstoffe des Impfstoffes verwiesen, die beispielsweise mitochondrialen Krebs verursachen könnten.

Die Mutter des 13-Jährigen hat sich laut der Badischen Zeitung inzwischen an eine höhere Institution gewandt. Bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg beschwerte sie sich sowohl über die BZK als auch über die beiden Ärztinnen. „Ich merke, dass ich das Thema so nicht auf mir sitzen lassen kann“, sagte sie.

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