Apokalyptischer als Covid-19

„Wird Corona-Krise in den Schatten stellen“: Winfried Kretschmann warnt vor viel größerer Gefahr

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
    schließen

Seit Wochen bestimmt das Coronavirus in Baden-Württemberg den Alltag der Menschen - und der Landesregierung. Winfried Kretschmann zufolge lauert aber eine viel größere Gefahr als Covid-19.

  • Nach wie vor verbreitet sich das Coronavirus in Baden-Württemberg - auch wenn die Maßnahmen gegen Covid-19 erste Erfolge zeigen.
  • Winfried Kretschmann beschäftigt jedoch noch eine weitere Bedrohung, die dem Ministerpräsidenten zufolge die Corona-Krise in den Schatten stellen könnte.
  • Kretschmann sagte, der Klimawandel könne Folgen mit einer fast apokalyptischen Anmutung haben.

Stuttgart - Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg zeigen erste Erfolge. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus nimmt langsamer zu als noch vor ein paar Wochen und immer mehr Menschen genesen von ihrer Covid-19-Erkrankung. Aufgrund der positiven Entwicklung gibt es bereits erste Lockerungen im Land: Geschäfte sind wieder geöffnet, Frieseurbesuche unter Auflagen erlaubt und der Schulbetrieb ist eingeschränkt gestartet.

In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dass die Erfolge der Maßnahmen in mancher Hinsicht gefährlich sein könnten - und er warnte vor einer noch viel größeren Bedrohung als der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann sagt, dass der Klimawandel eine viel größere Gefahr darstellt als Covid-19.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kretschmann hat mehr Respekt vor dem Klimawandel

Auch wenn Ministerpräsident Winfried Kretschmann derzeit vorrangig mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg beschäftigt ist, bereitet ihm die Klimakrise größere Sorgen. „Der Klimawandel beschäftigt mich weiterhin sehr, auch wenn er gerade nicht die Schlagzeilen beherrscht“, sagte Kretschmann zur dpa. Sollten wir den Klimawandel nicht bremsen können, werde er die Corona-Krise in den Auswirkungen noch in den Schatten stellen. „Der Klimawandel kann die ganze Welt nachhaltig erschüttern und ihn können wir nicht irgendwann einfach wegimpfen", sagte Kretschmann.

Winfried Kretschmann kandidiert bei der Landtagswahl 2021 erneut für das Amt des Ministerpräsidenten. Eines seiner Ziele: Er will sich für den Kampf gegen den Klimawandel einsetzen. Doch auch wenn das Coronavirus in Baden-Württemberg derzeit alles andere zu überschatten scheint, warnt Kretschmann eindrücklich vor der globalen Bedrohung durch die Klimakrise. „Vor dem Klimawandel habe ich weit mehr Respekt als vor der Coronakrise“, sagte Kretschmann zur dpa.  Die Folgen wären Naturkatastrophen, Ernteausfälle, Hunger- und Hitzetote, Flüchtlingsströme und ganze Landstriche, die wegen Dürre oder Überflutung unbewohnbar sind. „Das hat fast eine apokalyptische Anmutung“, sagte Kretschmann. „Wenn das auf uns zukommt, dann gnade uns Gott.“

Winfried Kretschmann warnt vor Ermüdungseffekt bei Coronavirus in Baden-Württemberg

Ähnlich wie die Bedrohung durch den Klimawandel ist auch die Gefahr, die durch das Coronavirus in Baden-Württemberg ausgeht, für viele Menschen im Land nicht greifbar. Ministerpräsident Winfried Kretschmann rechnet deshalb fest damit, dass die Menschen unachtsam werden und ein Ermüdungseffekt eintritt. „Es liegt bei uns, davor zu warnen, unermüdlich darauf hinzuweisen, wie wichtig die disziplinierte Einhaltung der Maßnahmen ist“, sagte Kretschmann zur dpa. „Denn sie wirken, das sieht man jetzt.“

Zu den Maßnahmen zählt auch die am 27. April gestartete Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch natürlich müsse die Regierung auch Lockerungen der Maßnahmen gegen die Verbreitung von Covid-19 in Aussicht stellen, so der Ministerpräsident. 

Wie lange sich die Menschen in Baden-Württemberg noch an die Maßnahmen halten werden, ist fraglich. Die Corona-Studie der Universität Mannheim hat bereits gezeigt, dass die Akzeptanz strikter Einschränkungen wie Ausgangssperren in der Bevölkerung sinkt. Zudem treffen sich immer mehr Menschen trotz geltenden Kontaktverbots wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg wieder mit Freunden und Familie.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Hygienevorschriften müssen im Zentrum der Normalität stehen

Winfried Kretschmann will wegen der anhaltenden Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg auf eine neue Normalität im Umgang miteinander und im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben hinarbeiten. „Eine Normalität, in der Abstand halten und Hygienevorschriften im Mittelpunkt stehen und allen klar ist, dass manches einfach nicht geht“, sagte Ministerpräsident Kretschmann zur dpa. Große Veranstaltungen mit dicht gedrängten Menschenmassen und feuchtfröhliche große Partys wie der Cannstatter Wasen seien auf absehbare Zeit nicht möglich.

In einer Regierungserklärung Ende April hatte der Ministerpräsident die Bürger angesichts der Covid-19-Krise auf einen langen Alltag mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg vorbereitet. Kretschmann sagte, eine schnelle Rückkehr zur Normalität werde es erst mit einem Impfstoff geben - das werde viele Monate dauern. „Bis dahin werden wir die Pandemie nicht besiegt haben“, sagte Kretschmann.

Der Klimawandel fördert eine weitere Gefahr, die sich in Baden-Württemberg ausbreitet

Der Klimawandel sorgt in Verbindung mit der Globalisierung für eine weitere Gefahr in Baden-Württemberg. Die Asiatische Tigermücke verbreitet sich in Süddeutschland immer weiter. Die Tigermücke kann potentiell Krankheitserreger wie das Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Virus übertragen.

In einem Interview hat Baden-Württemberg Ministerpräsident Winfried Kretschmann jetzt auch die Bedeutung der neuen Corona-Warn-App unterstrichen. „Diese Tracing-App erleichtert die Nachverfolgung, wenn es zu einer Ansteckung kommt", sagte Winfried Kretschmann dem SWR. Gleichzeitig gab Winfried Kretschmann zum Schutz vor dem Coronavirus einen zweifelhaften Tipp.

Aktuell beraten er und die Landesregierung von Baden-Württemberg über eine mögliche Maskenpflicht für ältere Schüler nach den Sommerferien. Winfried Kretschmann nimmt das Coronavirus in Baden-Württemberg sehr ernst. Daher beobachtet er einen aktuellen Trend mit Skepsis und warnt: „Es ist noch nicht vorbei.“

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare