Erreger überlebt im Abwasser

Coronavirus aus dem Wasserhahn: KIT-Forscher warnen vor unbekanntem Risiko

  • Valentin Betz
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Das Coronavirus verbreitet sich meist über Tröpfen oder Aerosole, wurde aber auch im Abwasser nachgewiesen - mit unklaren Risiken. Forscher des KIT haben sich jetzt damit beschäftigt.

  • Forscher des KIT haben die Risiken von Coronaviren im Abwasser untersucht.
  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg* wurde bereits im Abwasser nachgewiesen.
  • Coronaviren können mehrere Tage im Abwasser überleben, die konventionelle Behandlung tötet sie nur teilweise ab.

Karlsruhe - Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich wieder mehr. Zuletzt war die Zahl der Neu-Infektionen angestiegen. Das hängt auch mit den Menschen zusammen, die aus dem Sommerurlaub wieder nach Hause kommen. Reiserückkehrer haben die Neu-Infektionen in Baden-Württemberg verdoppelt (BW24* berichtete). An manchen Orten drohte deshalb ein neuer Lockdown. Menschen, die gerade im Ausland waren, lassen sich momentan besonders häufig testen. Für Rückkehrer aus Risikogebieten ist ein Corona-Test sogar verpflichtend. Unter anderem deshalb stoßen die Labore mit den Corona-Tests in Baden-Württemberg an Grenzen.*

Ein großer Teil der Neu-Infektionen könnte verhindert werden, wenn sich die Menschen an die Verbote und Maßnahmen zum Schutz gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg halten würden.* Dazu gehört insbesondere das Tragen eines Mundschutzes, der eine Infektion über Tröpfchen oder Aerosole unwahrscheinlicher macht. Im Gegensatz hierzu gibt es aber auch Infektionswege, die noch nicht ausreichend untersucht sind. So wurde das Coronavirus beispielsweise bereits im Abwasser nachgewiesen. Ein internationales Team, zu dem auch Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gehören, hat die Risiken von Coronaviren im Abwasser jetzt näher betrachtet.

Coronavirus im Abwasser: Erreger können mehrere Tage überleben, Forscher empfehlen gezielte Überwachung

„Übereinstimmende Erkenntnisse aus der aktuellen Pandemie, früheren Ausbrüchen durch andere SARS-CoV-Erreger und kontrollierten Experimenten deuten darauf hin, dass die Viren mehrere Tage lang im Abwasser verbleiben und so zum potenziellen Gesundheitsrisiko werden können“, sagte Harald Horn vom KIT in einer Pressemitteilung.

Das Problem bei Coronaviren im Abwasser: Die konventionelle Abwasserbehandlung entfernt das Coronavirus nur teilweise. Laut KIT hänge eine sichere Beseitigung von der Wirksamkeit der abschließenden Desinfektion ab. „Das bedeutet, dass die Abwassereinleitung und -wiederverwendung ohne vorherige Desinfektion ein potenzieller Übertragungsweg für SARS-CoV-2 sein könnte“, so Harald Horn vom KIT weiter. „Das Risiko verstärkt sich in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte und schlechter Sanitär- und Wasserinfrastruktur.“

Ansteckung mit Coronaviren im Abwasser: Aussagen der Forscher bleiben vage, Risikobewertung nötig

Die Ergebnisse veröffentlichte das internationale Team in Nature Sustainability. Insgesamt sind die Resultate bislang allerdings sehr vage. Eine Aussage, ob man sich auch über Abwasser mit dem Coronavirus infizieren kann, machen die Forscher des KIT nicht. Stattdessen empfehlen sie als Komponente zur Eindämmung der Corona-Pandamie eine Risikobewertung und ein einheitliches Risikomanagement, das auch die Desinfektion von Abwässern beinhalten kann. (*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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