Verzweiflung wegen Covid-19

Durch das Coronavirus könnten bald mehr Menschen in Baden-Württemberg ihre dunkle Seite zeigen

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
    schließen

Während sich das Coronavirus in Baden-Württemberg weiterhin verbreitet, fürchten viele eine Wirtschaftskrise nach der Pandemie - und damit einen Anstieg der Kriminalität im Land.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg sorgt weiterhin für einen Ausnahmezustand, der Bürger und Behörden einschränkt.
  • Die Polizei befürchtet, dass die Kriminalität als Folge einer Wirtschaftskrise wegen Covid-19 massiv ansteigen könnte, sobald die Pandemie vorbei ist.
  • Es sei deshalb wichtig, trotz des Coronavirus in die Polizei zu investieren und nicht aus Kostengründen die öffentliche Sicherheit zu vernachlässigen.

Stuttgart - Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt weiter an. Covid-19 bestimmt über viele Bereiche des Lebens der Bürger - und einige Folgen der Pandemie sind noch gar nicht absehbar.

Die neue Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz warnte laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) davor, dass die Kriminalität aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg nach der Pandemie steigen könnte. Covid-19 führe womöglich zu einer massiven Wirtschaftskrise, in der Menschen ihre Arbeit verlieren und keine Aussicht haben, schnell einen neuen Job zu finden. „Wenn sich die wirtschaftliche Lage negativ entwickelt, kann das auch bedeuten, dass mehr Menschen auf andere Weise versuchen, an Geld zu kommen und da kann Kriminalität durchaus eine Rolle spielen“, sagte Hinz zur dpa in Stuttgart. So könnten beispielsweise die Fälle zunehmen, in denen nach dem Tanken nicht bezahlt werde, Internetbetrügereien könnten sich häufen und Insolvenzen unsauber abgewickelt werden.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Covid-19-Krise zeigt, dass Staat und Polizei zu schwach sind

Es sei deshalb wichtig, auch in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg in die Polizei zu investieren. Hinz befürchtet laut dpa, dass die öffentliche Sicherheit und die Verwaltung aus Finanzgründen vernachlässigt werden könnte. Trotz milliardenschwerer Hilfspakete und sinkender Steuereinnahmen aufgrund von Covid-19, dürfe man künftig auf keinen Fall bei der Polizei einsparen, so Hinz. Momentan sei das Leben in Deutschland noch sicher - wenn das auch nach der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg so bleiben soll, müsse man aber in die Polizei investieren.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Polizei in Stuttgart kontrolliert, ob die Corona-Verordnung eingehalten wird.

Nicht nur für die Bürger, sondern auch für die Polizei ist die Lage wegen der anhaltenden Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg zur Belastung geworden. „Das sind Menschen, die sich genauso anstecken und krank werden können, die Familien zuhause haben, Angehörige in Pflegeheimen oder Kinder, die nicht zur Schule oder in die Kita können", sagte Hinz zur dpa. Großereignisse, die den Einsatz vieler Beamter erfordern, fallen aufgrund von Covid-19 zwar derzeit weg, allerdings muss die Polizei permanent die Einhaltung der Corona-Verordnung in Baden-Württemberg überwachen. Hinz sagte, seit dem 23. März seien rund 29.000 Fahrzeuge und fast 177.000 Personen kontrolliert worden. Die Polizei habe (Stand 23. April) insgesamt 18.772 Verstöße gegen die Verordnung registriert.

Der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, sagte ebenfalls, man dürfe bei künftigen Debatten um Sparmaßnahmen nicht bei der Polizei kürzen. Er gehe zwar nicht davon aus, dass normale Bürger, die aufgrund von Kurzarbeit wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg weniger Geld hätten, plötzlich zu Kriminellen würden. Dennoch sei die Polizei im Land angesichts von Covid-19 nicht optimal aufgestellt. „Die Krise zeigt deutlich, dass der Staat zu schwach ist und die Polizei zu schwach ist“, sagte Kusterer zur dpa.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Präventivmaßnahmen sollen Wirtschaftskrise und steigender Kriminalität vorbeugen

Die Grünen wollen aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg präventive Maßnahmen ergreifen, um einem Anstieg von Kriminalität wegen einer möglichen Wirtschaftskrise vorzubeugen. „Primäre Aufgabe der Politik ist es ja, dass wir verhindern, dass Menschen in derart schwierige Situationen geraten, dass sie keinen anderen Ausweg sehen“, sagte Uli Sckerl, innenpolitischer Sprecher der Grünen, zur dpa. Die sozialen Probleme, die durch die Covid-19-Krise zunehmen, müsse man angehen und mit Soforthilfen und Konjunkturimpulsen gegensteuern.

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat das öffentliche Leben und damit die Wirtschaft nahezu vollständig lahmgelegt. Um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, wurden im März nicht nur Schulen, Kindergärten und Universitäten geschlossen, sondern auch Geschäfte, Gastronomie-Betriebe, Sportstätten und Kultur-Einrichtungen.

Die Polizei arbeitet wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg im Ausnahmezustand. Rund 1.350 Beamte sind nach Angaben des Innenministeriums derzeit freigestellt oder in Quarantäne. Insgesamt fielen seit Beginn der Covid-19-Pandemie mehr als 5.300 Angestellten aus. „In Spitzenzeiten waren zwischen acht und neun Prozent der Kolleginnen und Kollegen nicht im Dienst“, sagte Hinz zur dpa.

Trotz Coronavirus in Baden-Württemberg wird die Lockerung der Maßnahmen gefordert - das könnte Folgen haben

Um die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, gilt ab dem heutigen 27. April eine Maskenpflicht für öffentliche Bereiche. Läden und öffentliche Verkehrsmittel dürfen zum Schutz vor Covid-19 fortan nur noch mit einem Mund-Nasen-Schutz betreten werden. In einer Pressekonferenz, in der die Maskenpflicht verkündet wurde, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Eine Bedeckung von Mund und Nase kann helfen, die Verbreitung des Virus zu bremsen“. Das sei nach aktuellem Stand die einhellige Meinung von Fachleuten. Medizinische Produkte seien hierfür nicht notwendig - es genügen einfache Schutzmasken, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Eine etwas andere Meinung hat ein Klinikchef aus der Region, der den Umgang mit dem Coronavirus kritisierte: Er sieht die Covid-19-Pandemie als dauerhaften Zustand, in dem eine Rückkehr zum Alltag möglich sein muss.

Kretschmann hat bereits wiederholt davor gewarnt, trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg zu große Lockerungen der Maßnahmen zu fordern. „Wenn wir jetzt nachlassen, kann die Pandemie mit aller Macht zurückkommen“, sagte Kretschmann am 23. April nach einem Treffen mit dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder in Ulm. Das Coronavirus sei ein „übermächtiger Gegner“, sagte Kretschmann - würden wir zu sorglos handeln, könnte es eine zweite Infektionswelle geben. Völlig unabhängig vom Coronavirus zeigen in Mannheim Auto-Poser ihre dunkle Seite - die Polizei verpasst ihnen einen außergewöhnlichen Denkzettel.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare