Fair trotz Coronavirus

Outdoor-Anbieter Vaude aus Baden-Württemberg geht mit der Coronakrise völlig anders um als Adidas, H&M und Co.

  • Marleen van de Camp
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg belastet die Wirtschaft. Während Unternehmen wie Adidas und H&M ihre Mietzahlungen einstellen und Milliardenkredite kassieren, will Vaude die Krise aus eigener Kraft überstehen.

  • Die Coronakrise in Baden-Württemberg will der Outdoor-Ausstatter Vaude aus Tettnang am Bodensee aus eigener Kraft überleben.
  • Vaude verhandelt mit allen Vermietern, Händlern und Lieferanten individuell über Kompromisse, sodass beide Parteien eine Chance haben, die Krise wegen Covid-19 zu überstehen.
  • Damit zeigt das Unternehmen, dass man mit der Corona-Krise anders umgehen kann als Adidas, H&M oder Deichmann

Tettnang - Trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg ist die Geschäftsführung des Outdoor-Ausrüsters Vaude aus Tettnang am Bodensee entschlossen, die Corona-Krise aus eigener Kraft zu überstehen und für Vermieter, Händler und Lieferanten ein zuverlässiger Partner zu bleiben. Im Gegensatz zu Weltkonzernen wie Adidas und H&M hat das mittelständische Unternehmen, das Bekleidung, Rucksäcke, Zelte und Zubehör für viele Sportarten produziert, bisher wegen der Covid-19-Pandemie keinen Kredit beantragt und seine Mietzahlungen nicht eingestellt.

Dass das Coronavirus in Baden-Württemberg fatale Folgen für die Wirtschaft hat, spürt man natürlich auch bei Vaude: Der Umsatz des Unternehmens ist infolge der Corona-Krise im April um 80 Prozent eingebrochen. „Selbst der Onlinehandel ist um 20 bis 30 Prozent rückläufig“, sagt Vaude-Vertriebschef Jan Lorch im Interview mit BW24.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Umsätze um 80 Prozent eingebrochen

Trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg soll Vaude ein verlässlicher Partner bleiben: Die promovierte Ökonomin Antje von Dewitz übernahm die Geschäftsführung des Outdoor-Ausrüsters im Jahr 2009 von ihrem Vater.

90 Prozent seines Umsatzes macht Vaude in Europa, wo viele Menschen wegen des Coronavirus unter Quarantäne stehen. Das Gleiche gilt für den Markt in Kanada. Immerhin in China laufen die Geschäfte langsam wieder normal.

200 der etwa 540 Mitarbeiter in der Zentrale von Vaude am Bodensee sind wegen Covid-19 im Home-Office. Obwohl weiter an den nächsten Kollektionen gearbeitet wird, musste für 40 Prozent der Angestellten Kurzarbeit angezeigt werden. Vaude ist eines von mehr als 70.000 Unternehmen in Baden-Württemberg, deren Arbeitnehmer wegen Corona Kurzarbeitergeld beziehen. Selbst Riesen wie die Daimler AG schicken ihre Mitarbeiter wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg in Kurzarbeit - die Daimler-Manager verzichten teils auf Gehalt.

Vaude: Alle Mitarbeiter packen an - Eltern bekommen Sonderurlaub

Mitarbeiter aus der Logistik von Vaude, die wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg so gut wie nichts zu tun haben, helfen in der Manufaktur in Tettnang aus. Dort werden rund 100.000 Rucksäcke und Fahrradtaschen im Jahr handgefertigt. Andere haben neben der Kurzarbeit für Vaude Jobs als Erntehelfer angenommen - da gibt es gerade am Bodensee viel Bedarf.

Das Unternehmen Vaude tut einiges, um seine Angestellten in der Krise durch das Coronavirus in Baden-Württemberg zu unterstützen: Über Microsoft Teams und Skype wird viel kommuniziert. Sportkurse wie Yoga und Krafttraining, die üblicherweise in der Vaude-Zentrale in der Mittagspause oder nach der Arbeit stattfinden, laufen über dieselben Kanäle weiter. Wer Kinder hat, bekam einige Tage Sonderurlaub, um die Betreuung zu organisieren.

Vaude versteht die Coronakrise auch als Chance. Wenn sie sich jetzt als zuverlässiger Handelspartner erweisen, kann das ihnen in der Zukunft Vorteile bringen. Darum verhandelt Vaude mit jedem Vermieter eines Outlets oder Showrooms individuell über Mietminderungen oder Stundungen für den Zeitraum, in dem die Geschäfte wegen der Coronaverordnung geschlossen sind. „Der eine kann uns mehr entgegenkommen, der andere weniger“, sagt Lorch. Eine gemeinsame Lösung finden sie immer. So haben beide Parteien eine faire Chance, die Krise durch das Coronavirus in Baden-Württemberg zu überstehen. 

Vaude: Wer Zahlungen wegen des Coronavirus komplett einstellt, handelt unmoralisch

„Wenn Unternehmen Zahlungen wegen des Coronavirus einfach komplett einstellen, ist das für mich eine zweifelhafte Praxis, die nicht vertragskonform und rechtlich umstritten ist“, sagt Jan Lorch von Vaude. „Nach unserem laienhaften Verständnis ist die Ausnahmeregelung für Privatpersonen gedacht, nicht für Gewerbetreibende. Ich glaube, die juristische Klärung, ob das zwar unmoralisch aber rechtmäßig ist, steht noch aus.“ Die Ansicht, dass das neue Kündigungsschutzgesetzt nicht für finanzstarke Unternehmen gilt, stimmt mit der von Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) überein.

Auch damit hat Vaude Erfahrung. „Kommen Händler zu uns und bitten um Fristverlängerungen, sind wir kooperativ. Die Händler brauchen Liquidität und wir helfen mit allem, was wir uns zutrauen, um diese schwierige Zeit zu überbrücken. Unsere Partner sollen die Krise genauso überleben wie wir“, sagt Jan Lorch mit Hinblick auf das Coronavirus in Baden-Württemberg.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Jan Lorch ist Vertriebschef des Outdoor-Ausrüsters Vaude aus Tettnang am Bodensee und handelt derzeit mit Geschäftspartnern Kompromisse aus.

„Manche Händler denken sich aber, man kann’s ja mal versuchen, und teilen uns einfach mit, dass sie die Zahlung um 60 oder 90 Tage verschieben“, sagt Jan Lorch. „Mit denen kommt man dann ins Gespräch und sucht eine andere Lösung.“ In diesen Fällen zahle es sich aus, dass Vaude mit vielen Unternehmen schon langjährige Handelspartnerschaften habe. „Wir möchten ja alle nach Corona weiterarbeiten.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Vaude will aus eigener Kraft überleben - aber die hat Grenzen

Und das möchte Vaude aus eigener Kraft schaffen. 2019 war für Vaude ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr, sodass das Unternehmen „mit einer guten Liquididät versorgt ist“, so Lorch. Sie haben wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg zwar Kurzarbeitergeld beantragt, aber keinen Kfw-Kredit. Für zwei bis drei Monate können sie so den Shutdown überleben.

Auf jeden Fall aber bedeutet das Coronavirus für das Unternehmen Vaude große Schäden und ein schlechtes Ergebnis. „Wir sind hoffnungsvoll, dass wir die Krise überstehen, weil wir nicht davon ausgehen, dass es über mehrere Monate so schlecht bleibt, sondern dass Lockerungen kommen und die Umsätze wieder anziehen.“ Vaude hofft, dass die Menschen ab Mai wieder wandern gehen, sich das Geschäft ab Juni normalisiert und sie ein gutes Restjahr vor sich haben. Bis dahin gibt es für Vaude-Kunden online Anleitungen, wie sie ihre Artikel für die kommende Outdoor-Saison auffrischen können.

Rubriklistenbild: © Vaude

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