Auswirkungen von Covid-19

Tübinger Pathologe macht in Körpern von Corona-Toten besorgniserregende Entdeckungen

  • Valentin Betz
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Ein Pathologe an der Uniklinik Tübingen hat elf Menschen obduziert, die an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben sind. Dabei machte er bedenkliche Funde.

  • Tübinger Forscher haben herausgefunden, dass das Coronavirus nicht nur die Lunge befällt.
  • Besonders schwere Erkrankungen mit Covid-19 können auch nach der Genesung noch gravierende Folgeschäden nach sich ziehen.
  • Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg werden zusehends gelockert, die Menschen dadurch immer sorgloser.

Tübingen - Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg werden weiter gelockert. Zwar bestehen die Abstandsregel und die Maskenpflicht weiterhin, in vielen anderen Bereichen kehrt allerdings zusehends Normalität ein. Allerdings nehmen es viele mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg nicht mehr ganz so streng. Am Wochenende räumte die Polizei eine Disco, in der 200 Menschen dicht gedrängt feierten.

Tübinger Forscher fanden jetzt heraus, dass es durchaus noch Anlass gibt, sich Gedanken über das Coronavirus in Baden-Württemberg und der Welt zu machen - auch nach überstandener Erkrankung. Hans Bösmüller, Pathologe an der Uniklinik Tübingen, hat elf Menschen obduziert, die an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben sind. Dabei machte er besorgniserregende Entdeckungen.

Tübinger Forscher über das Coronavirus in Baden-Württemberg: Covid-19 ist nicht bloß eine Lungenkrankheit

Der Tübinger Pathologe Hans Bösmüller obduzierte Menschen, die am Coronavirus gestorben sind - und machte besorgniserregende Entdeckungen.

Die obduzierten Patienten, die am Coronavirus in Baden-Württemberg starben, seien demnach zwischen 18 und 89 Jahren alt gewesen und hatten zum großen Teil Vorerkrankungen, erklärte Hans Bösmüller der Deutschen Presse-Agentur. Der Pathologe fand zunächst wenig überraschend heraus, dass vor allem die Lungen der Verstorbenen beeinträchtigt waren. Einerseits waren Gefäße beschädigt und undicht. Dadurch gelangt das Eiweiß Fibrin in die Lunge und behindert den Gasaustausch über die Lungenbläschen. Fibrin tritt auch bei Schürfwunden als zähe, gelbe Flüssigkeit aus. Ebenso tauchten Gerinnungsstörungen in der Lunge auf. Dabei wird das Blut fest und die betroffenen Gewebeteile der Lunge sterben ab. Die Folge: „Der Mensch kann nicht mehr ausreichend atmen“, so Hans Bösmüller zur dpa.

Doch Hans Bösmüller fand bei der Obduktion der durch das Coronavirus in Baden-Württemberg Verstorbenen noch mehr über den Krankheitsverlauf heraus. Eine schwere Covid-19-Erkrankung führe zu Gefäßschäden, Thrombosen und Blutgerinnungsstörungen, sagte der Pathologe Hans Bösmüller der dpa. Das Coronavirus führe auch in anderen Organen außer der Lunge zu Gerinnungsstörungen. Der Darm könne beispielsweise ebenso befallen werden. Das wiederum kann zur Darmlähmung und einem tödlichen Kreislaufschock führen.

Die Schäden durch Gerinnungsstörungen drohen außerdem nicht nur während einer aktiven Erkrankung mit Covid-19, so Hans Bösmüller weiter. Eine Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg und der Welt kann auch nach der Genesung noch Folgen haben. Die Gerinnungsstörungen können nicht nur Atemschwierigkeiten, sondern auch Probleme bei der Wundheilung verursachen. Selbst Teilamputationen können notwendig werden, wenn Gerinnsel in den Arterien von Händen und Fingern entstehen. Mit anderen Worten: Eine Infektion mit dem Coronavirus sollte weiterhin nicht zu locker genommen werden, auch wenn nach überstandener Erkrankung eine teilweise Immunität herrschen könnte.

Schwere Covid-19-Erkrankung: Tübinger Forscher vermuten, dass Überreaktion des Immunsystems schuld ist

Wenn eine Person sich mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg oder anderswo auf der Welt infiziert und besonders schwer erkrankt, könnte eine Überreaktion des Immunsystems dafür verantwortlich sein. Hans Bösmüller sprach gegenüber dem SWR sogar von einer „Entgleisung des Immunsystems“.

Hans Bösmüller vermutet, dass bei schweren Verläufen von Covid-19 das Zusammenspiel zwischen Immunsystem und Komplementsystem gestört ist. Das Komplementsystem ist ein Teil des Immunsystems, der bei Infekten die Immunantwort des Körpers kontrolliert. Die am Coronavirus Erkrankten haben zwar Antikörper, können diese aber nicht richtig anwenden.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Blutgruppe möglicherweise für schwere Covid-19-Verläufe verantwortlich

„Warum das bei manchen Menschen geschieht und bei manchen nicht, wissen wir nicht“, so Hans Bösmüller zur dpa. Die Blutgruppe könnte ein Faktor sein, der dafür verantwortlich ist. Einem internationalen Forscherteam um den Molekularbiologen Andre Franke von der Universität Kiel zufolge haben Menschen mit der in Deutschland häufigsten Blutgruppe A ein höheres Risiko für einen schweren Infektionsverlauf als solche mit anderen Blutgruppen.

Menschen, deren Krankheitsverlauf nach der Ansteckung mit dem Coronavirus in Baden-Würtemberg eher milde war, kann Hans Bösmüller hingegen beruhigen. „Diejenigen, die ihre Erkrankung kaum gespürt haben, leiden nach bisheriger Kenntnis auch kaum an Nacherkrankungen.“ Hans Bösmüller selbst war Ende Februar einer der ersten Menschen in Baden-Württemberg, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Er hatte kaum Symptome und ist Blutgruppe 0. Folgen der Infektion spürt er nicht. 

Deutschland kann die Corona-Krise nicht allein bewältigen und verbündet sich mit Frankreich. In einer gemeinsamen Erklärung sprachen die Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) und Roland Ries (SP) über die „deutsch-französische Freundschaft" und sicherten sich Unterstützung beim Kampf gegen das Virus zu. Stuttgart und Straßburg verbindet seit Langem eine Städtepartnerschaft.

Rubriklistenbild: © dpa / Uncredited

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