Keine Hilfe für die Schwächsten

Studie der Universität Stuttgart zeigt, wie der Staat daran scheitert, Start-ups in der Coronakrise zu retten

  • Marleen van de Camp
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Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg unterstützt der Staat gefährdete Unternehmen. Doch ausgerechnet die Schwächsten erfüllen oft die Anforderungen für die Hilfen nicht.

  • Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg greifen für gefährdete Unternehmen Kurzarbeitergeld, Corona-Kredite und andere staatliche Hilfsprogramme.
  • Eine Studie der Universität Stuttgart hat jedoch gezeigt, dass ausgerechnet die Schwächsten - nämlich Start-ups - diese Hilfen oft nicht erhaten.
  • Der Grund: Die Anforderungen für staatliche Corona-Hilfen sind für viele junge Unternehmen schlicht nicht erfüllbar.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat zu drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens geführt. Beim Einkaufen muss zum Beispiel ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden, um die Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 zu verlangsamen. Bei Aldi Süd werden deswegen die Kunden sehr genau beobachtet - mit Hilfe von Tracking-Technologie, die ein Start-up aus Stuttgart entwickelt hat.

Die Kaufhauskette Breuninger mit Sitz in Stuttgart, der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg, war wegen des Coronavirus fünf Wochen lang geschlossen. Aufgrund einer Ausnahmeregelung darf Breuninger seit Montag in seinen Filialen ausgewählte Verkaufsflächen wieder öffnen. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Viele Start-ups stehen am Abgrund

Ketten wie Aldi Süd oder Breuninger werden die Folgen des Coronavirus für die Wirtschaft in Baden-Württemberg wahrscheinlich verkraften. Doch für viele junge Unternehmen und Start-ups wird die Coronakrise ohne Hilfe von außen das Ende bedeuten. 

Denn neben Problemen wie dem Wegfall von Einnahmen bei gleichbleibenden Kosten, dem Ausbleiben von Lieferungen und Stornierungen durch Kunden, wie sie alle Unternehmen durch das Coronavirus in Baden-Württemberg treffen, sind junge Start-ups aus verschiedenen Gründen besonders gefährdet.

Für ihre Studie befragten Wirtschaftswissenschaftler der Universität Stuttgart um Andreas Kuckertz, Professor am Lehrstuhl für Unternehmensgründung und Unternehmertum, Start-ups aus Deutschland zu ihrer Geschäftslage während der Coronakrise.

Viele der befragten Start-ups beklagten ein innovationsfeindliches Klima wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg: Messen fallen aus, sodass die Kundenakquise fast unmöglich wird, Investoren werden nervös und geben kein Geld mehr aus. Die Folge: Viele Start-ups leiden unter Existanzangst, die besonders für noch unerfahrene Gründer schwer zu überwinden ist, Mitarbeiter springen ab.

Studie der Universität Stuttgart: Anforderungen für staatliche Hilfen sind für viele Start-ups unerfüllbar

Der Staat will durch das Coronavirus gefährdete Unternehmen - auch Start-ups - unter anderem mit Kurzarbeitergeld, Steuererleichterungen und durch Kredite der nationalen Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) unterstützen. Die Studie der Universität Stuttgart in Baden-Württemberg hat aber gezeigt, dass diese gut gemeinte Hilfe bei vielen Hilfsbedürftigen überhaupt nicht ankommt. Denn zahlreiche neu gegründete Start-ups erfüllen die behördlichen Anforderungen nicht - teils aus fast schon lächerlichen Gründen.

Ein Corona-Kredit für ein Start-up scheitert teilweise schlicht schon daran, dass noch gar keine Hausbank existiert. Selbst wenn eine Hausbank vorhanden ist, wird der Zugang zu staatlicher Unterstützung in der Coronakrise durch viele Hürden erschwert. Unternehmen, die überschuldet sind, erhalten grundsätzlich keine Soforthilfe – was laut einem Befragten bei 90 Prozent der Neugründungen der Fall ist. Viele staatliche Kreditprogramme erfordern zum Beispiel auch Bankfähigkeit - die von der Aussicht auf zeitnahen Profit abhängt. Dieses Kriterium ist für viele Start-ups - besonders in den ersten Phasen - unerreichbar.

„Dieses Nothilfeprogramm (…) klang zunächst großartig, wir haben auch einen Antrag vorbereitet, bis ich die Richtlinien auf Seite fünf oder so las und sah, dass wir diese Kriterien im Moment formell nicht erfüllen“, wird ein Gründer zitiert.

Coronakrise in Baden-Württemberg: Start-ups könnten durch bestimmte Strategien überleben

Bei der Umfrage der Univertität Stuttgart stellte sich aber auch heraus, dass viele Start-ups genug Innovationskraft haben, um ihre Geschäftsmodelle an die Coronakrise anzupassen und so zu überleben. Ein gutes Beispiel dafür ist das oben erwähnte Start-up aus Stuttgart, das Aldi Süd die Tracking-Technologie zur Überwachung der Ladenauslastung liefert. Ein anderes ist ein Start-up aus Baden-Württemberg, das wegen des Coronavirus seine Produktion auf Masken umgestellt hat und seitdem mehr zu tun hat als zuvor.

Seit sich das Coronavirus in Baden-Württemberg immer weiter ausbreitet, produziert das Startup Von Jungfeld Atemmasken

Die Autoren der Studie geben zum Ende Empfehlungen an Gründer und den Staat, wie die geschäftlichen Schwierigkeiten durch das Coronavirus in Baden-Württemberg gemildert werden könnten: Start-ups könnten ihr Geschäftsmodell auf die Lösung von durch Covid-19 neu entstandenen Problemen oder die Bedienung neuer Trends ausrichten. Sie sollten sich auf Aktivitäten konzentrieren, die in der aktuellen Situation Erfolg versprechen und alle anderen Aktivitäten herunterfahren. Sie sollten ihre Netzwerke verstärkt aktivieren, Informationen einholen, um Zahlungsaufschub bitten und Lobbyarbeit leisten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Ein Lichtblick in der Coronakrise

Der Staat sollte vor allem die Hürden für Start-ups reduzieren, sodass sie Zugang zu Corona-Krediten bekommen. Er könnte auch Stundungen vereinfachen, Weiterbildung für Mitarbeiter während der Kurzarbeit wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg anbieten und vorübergehenden Einkommensausfall durch Lohnzuschüsse ausgleichen. Besonders wichtig ist den Autoren zufolge auch eine langfristige Perspektive für Start-ups, zum Beispiel in Form eines Wiederaufbaufonds nach dem Ende der Coronakrise.  

Einen positiven Nebeneffekt hat das Coronavirus in Baden-Württemberg immerhin: Start-ups unterstützen sich gegenseitig, wie die Befragten den Wissenschaftlern der Universität Stuttgart mitteilten. Und das über Regionen und Disziplinen hinaus – sei es durch den Austausch von Informationen, Materialien oder sogar durch neue Partnerschaften.

Rubriklistenbild: © Von Jungfeld/PR

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