Auch bei kleineren OPs

Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat und operiert werden muss, hat ein erhöhtes Sterberisiko

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg schränkt den Alltag der Menschen stark ein - und es kostet Menschenleben. Eine Studie zeigt nun, dass Infizierte nach Operationen ein erhöhtes Sterberisiko haben.

  • Die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg nimmt weiter zu.
  • Eine Studie, an der auch die Uniklinik Freiburg beteiligt war, hat ergeben, dass eine Corona-Infektion das Sterberisiko nach Operationen erhöht.
  • Die Forscher fanden heraus, dass die Art der OP keine Rolle spielt: Auch bei kleineren Eingriffen war die Sterblichkeitsrate bei Infizierten erhöht.

Tübingen - Nach wie vor verbreitet sich das Coronavirus in Baden-Württemberg. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff für die Lungenkrankheit Covid-19, die bei schweren Verläufen tödlich enden kann. Die Uniklinik Tübingen hat sich nun an einer Studie beteiligt, in der das Sterberisiko von Corona-Infizierten nach Operationen untersucht wurde.

Das Coronavirus in Baden-Württemberg stellt die medizinischen und chirurgischen Versorgungssysteme vor große Herausforderungen. Um sie möglichst wenig zu belasten, wird mehr denn je darauf geachtet, jegliche Komplikationen zu vermeiden. Eine solche Komplikation stellen offenbar Operationen bei Infizierten mit dem Coronavirus dar. Einer neuen internationalen Studie zufolge erhöht eine Coronavirus-Infektion das Sterberisiko von Patienten nach einer Operation.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Sterberisiko von Corona-Infizierten nach Operationen erhöht

Das Forschungsnetzwerk CovidSurg Collaborative veröffentlichte das Studienergebnis in der Fachzeitschrift „The Lancet“ und weist darauf hin, dass vor planbaren operativen Eingriffen eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus ausgeschlossen werden sollte. An der Untersuchung war auch das Universitätsklinikum Tübingen beteiligt, das zum Coronavirus in Baden-Württemberg forscht.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Das Uniklinikum Tübingen war an einer Studie zur Untersuchung der Sterblichkeit von Corona-Infizierten nach Operationen beteiligt.

Aus Sorge vor Überlastung durch das Coronavirus in Baden-Württemberg, hat das Land die Kapazitäten in Kliniken und Krankenhäusern bereits aufgestockt und befürwortet Forschungsarbeiten zu Covid-19. Die neue Studie unter Beteiligung des Universitätsklinikums Tübingen könnte wichtige neue Erkenntnisse zum Umgang mit dem Coronavirus in Krankenhäusern liefern.

Für die Studie in Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum Tübingen wurden Daten von 1.128 Patienten aus 235 Krankenhäusern in 24 Ländern untersucht. Die Daten stammten vor allem aus Krankenhäusern in Europa, aber auch aus Afrika, Asien und Nordamerika. Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, weisen laut Studie deutlich schlechtere postoperative Ergebnisse auf als Menschen ohne Corona-Infektion. Die Sterblichkeit während der ersten 30 Tage nach der Operation betrug 23,8 Prozent. Die sogenannte Mortalität der Covid-19-Patienten war der Studie zufolge in allen untersuchten Gruppen erhöht: Bei Notfalleingriffen, bei kleineren Operationen und bei geplanten Eingriffen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Höhere Sterblichkeitsrate von Corona-Infizierten selbst bei Routine-OPs

„Normalerweise erwarten wir, dass die Sterblichkeitsrate von Patienten, die sich elektiven Operation unterziehen, unter einem Prozent liegt“, sagte Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Tübingen für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie und Mitautor der Studie. Diese Studie zeige nun aber, dass die Sterblichkeitsrate bei Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind, selbst bei Routineoperationen ganz wesentlich erhöht sei. Sie betrug in dieser Gruppe den Angaben zufolge fast 19 Prozent.

Die Universitätsklinik Tübingen will nun weiter untersuchen, ob sich diese Daten auch auf deutsche Krankenhäuser übertragen lassen. Zu den Risikofaktoren für die Sterblichkeitsrate nach Operationen gehören abgesehen von einer Infektion mit dem Coronavirus, Alter und Geschlecht auch schwere Vorerkrankungen wie Krebs, Notfalloperationen und große Eingriffe.

Ein weiterer Forscher aus Tübingen arbeitet seit Januar an einem Impfstoff gegen das Coronavirus, das sich rasant in Baden-Württemberg ausbreitete. Der Immunologe Hans-Georg Rammensee stellte Ende Januar offenbar das Design des Impfstoffs gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und darüber hinaus fertig, im März testete Rammensee das Mittel erstmals am Menschen - nämlich an sich selbst. Um mehr über die Antwort des Immunsystems auf Covid-19 herauszufinden, lässt die Stadt Tübingen zudem bereits Bürger auf Coronavirus-Antikörper testen.

Rubriklistenbild: © dpa

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