Lage in Kliniken

Tübinger Klinik-Chef zweifelt an Corona-Strategie: „Brauchen keinen Dauerlockdown“

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Die Gefahr des Coronavirus in Baden-Württemberg wird oft mit den belegten Intensivbetten skizziert. Der Chef der Uniklinik Tübingen hält das für den falschen Maßstab.

Tübingen - Das Coronavirus in Baden-Württemberg* kann für Infizierte mit schweren Verläufen auf der Intensivstation enden. Die dortige Auslastung wurde seit Beginn der Corona-Pandemie von Experten regelmäßig herangezogen, um auf die Gefahr der Situation hinzuweisen.

Aktuell befindet sich das Coronavirus in Baden-Württemberg wieder auf dem Vormarsch. Stuttgart steht kurz vor der „Notbremse“, Ausgangssperren und Schließungen drohen (BW24* berichtete). Mit steigenden 7-Tage-Inzidenzen rücken die Intensivbetten wieder in den Fokus. Doch geht es nach Michael Bamberg, Chef der Uniklinik Tübingen, geben diese überhaupt keinen Anlass für einen „Dauerlockdown“.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Lage in den Kliniken erfordert keinen Lockdown

„Solange die Zahlen der Intensivpatienten so sind wie jetzt, brauchen wir aus medizinischer Sicht keinen flächendeckenden Lockdown“, erklärte Michael Bamberg, Leitender ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Tübingen, der Bild-Zeitung. „Wir brauchen keinen Dauerlockdown. Zumindest nicht, wenn es um die Zahl der belegten Intensivbetten geht“, so Bamberg weiter.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Lage auf den Intensivstationen rechtfertigt keinen Dauerlockdown - zumindest in Tübingen.

Angesichts steigender Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg will Ministerpräsident Winfried Kretschmann zwischen Lockerungen mit Tests und Lockdown entscheiden.* Tübingens Uniklinik-Chef Michael Bamberg plädiert gegenüber der Bild eher zur ersten Variante: Er halte es für besser, würden die bereits geimpften Menschen in eine Öffnungsstrategie einbezogen.

Chef der Uniklinik Tübingen: Belegte Intensivbetten begründen Maßnahmen gegen Coronavirus nicht

Tübingen bekommt momentan bundesweit ohnehin viel Aufmerksamkeit. Im Rahmen des Modellprojekts „Öffnen mit Sicherheit“ erlaubte die Universitätsstadt Tübingen Shoppen mit negativem Coronatest.* Obwohl das Projekt noch läuft und die tatsächliche Wirkung noch nicht abschließend geklärt ist, scheint es zumindest auf die Uniklinik Tübingen bislang keine negativen Folgen gehabt zu haben.

„Zur Zeit liegen bei uns vier Corona-Patienten, die beatmet werden müssen. Fünf Erkrankte sind auf der Intensivstation“, erklärte Klinik-Chef Michael Bamberg der Bild. Deshalb sei er überrascht, dass die Corona-Einschränkungen stets mit der Lage in den Kliniken und mit den schwerstkranken Covid-19-Patienten begründet würden. Im April des vergangenen Jahres seien es 36 zu beatmende Patienten gewesen, zusätzlich 37 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation.

Lage auf den Intensivstationen: Zahl der Corona-Infektionen in Tübingen allein nicht aussagekräftig

Doch die Strategie im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg wiederum einzig auf die Lage der Intensivstation in Tübingen zu fußen, birgt ebenso Gefahren. Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, machen sich im besonders belasteten Kreis Schwäbisch Hall die steigenden Infektionszahlen in den beiden Kliniken der Region bemerkbar.

Durch die stetige Zunahme an Corona-Infizierten musste bereits eine dritte Corona-Station eröffnet werden. Die Intensivstation sei aktuell fast vollständig mit Covid-19-Patienten belegt, erklärte die Kreisverwaltung der dpa. Es seien schon geplante Eingriffe bei anderen Patienten abgesagt und verschoben worden. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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