Corona-Patienten obduziert

Forscher aus Heidelberg haben herausgefunden, was genau Corona-Patienten mit schweren Verläufen tötet

  • Lisa Schönhaar
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg schränkt den Alltag vieler Menschen ein - doch es kostet auch Menschenleben. Forscher der Uniklinik Heidelberg haben nun Erkenntnisse zu schweren Verläufen von Covid-19 gewonnen.

  • Die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt nach den jüngsten Lockerungen wieder leicht an und die Sorglosigkeit der Bürger wächst.
  • Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg haben nun untersucht, wie sich die Krankheit Covid-19 entwickelt und welche Faktoren bei schweren Verläufen eine Rolle spielen.
  • Dazu haben die Forscher nahezu alle Patienten untersucht, die im Klinikum in Heidelberg am Coronavirus verstorben sind.

Heidelberg - Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg war der Alltag der Bürger für viele Wochen stark eingeschränkt. Da sich Covid-19 seit einiger Zeit vergleichsweise langsam verbreitet und die Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus Wirkung zeigen, hat die Landesregierung bereits mehrfach Lockerungen beschlossen.

Seit dem 1. Juli ist trotz Coronavirus in Baden-Württemberg nahezu alles wieder erlaubt - allerdings nach wie vor unter bestimmten Hygieneauflagen, um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg kontrollieren zu können. Seitdem kam es bereits mehrfach zu Neuinfektionen und die Zahl der Infizierten im Land steigt wieder an. Wissenschaftler arbeiten deshalb weiter mit Hochdruck an einem Impfstoff für die Lungenkrankheit Covid-19, die bei schweren Verläufen tödlich enden kann.

Die Krankenhäuser in Italien hatten mit immensen Problem während der Corona-Hochphase zu kämpfen. (Symbolbild)

Coronavirus in Baden-Württemberg: Forscher aus Heidelberg untersuchen schwere Verläufe von Covid-19

Warum es überhaupt zu schweren Verläufen von Covid-19 kommt, haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg untersucht. Dazu haben die Ärzte des Pathologischen Instituts zwischen März und Mai - in der Hochphase der Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg - insgesamt 13 an Covid-19 verstorbene Menschen aus der Region untersucht. Das sind nahezu alle, die im Heidelberger Klinikum an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben sind.

Die Forscher der Uniklinik Heidelberg wollten die Entwicklung der Krankheit nachverfolgen und genauere Aussagen zu schweren Verläufen treffen. Die Ergebnisse der Arbeit haben nach Angaben der Studienautoren auch Bedeutung für die Behandlung - und damit auf die Gesamtsituation des Coronavirus in Baden-Württemberg. Verläuft die Krankheit nach einer Infektion mit dem Coronavirus schwer, ist immer die Lunge betroffen - muss der Patient beatmet werden, ist die Erkrankung mit Covid-19 in etwa einem Drittel der Fälle tödlich.

Durch die Obduktion der verstorbenen Corona-Patienten können die Pathologen des Universitätsklinikums Heidelberg nun genauer bestimmen, was mit der Lunge geschehen ist und warum die Patienten letztlich starben. Laut der Studie, kürzlich erschienen im „Deutschen Ärzteblatt", gerinnt bei Patienten mit schweren Verläufen Blut in den kleinsten Lungengefäßen und die Gefäßauskleidung wird beschädigt. Anschließend werden die Lungenbläschen in Mitleidenschaft gezogen. Eine Infektion mit dem Coronavirus verläuft bei Menschen, die zur Risikogruppe gehören, häufiger schwer. Die Hygieneauflagen, die wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg eingehalten werden müssen, dienen vor allem zum Schutz dieser besonders durch Covid-19 gefährdeten Risikogruppe.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Heidelberger Ärzte entdecken Blutgerinnsel in Lungen von toten Corona-Patienten

Die Untersuchung der Ärzte aus Heidelberg legt nahe, dass die kleinen Blutgerinnsel in der Lunge am Anfang von schweren Krankheitsverläufen mit Covid-19 stehen. Sie verursachten im weiteren Verlauf auch eine Schädigung der Lungenbläschen und schienen charakteristisch für diese Fälle, heißt es in der Studie. Das frühe Auftreten von sogenannten Mikrothrombosen in der Lunge von Corona-Patienten könne erklären, warum bei Covid-19 schnell eine niedrige Sauerstoffsättigung auftreten kann, noch bevor die Lunge ihre Dehnbarkeit verliere. Zuvor hatte auch ein Pathologe aus Tübingen Patienten obduziert, die am Coronavirus in Baden-Württemberg gestorben waren. Dabei entdeckte er, dass schwere Erkrankungen mit Covid-19 auch nach der Genesung noch gravierende Folgeschäden nach sich ziehen können.

Die Erkenntnisse der Studie des Uniklinikums Heidelberg liefert wichtige Hinweise für eine bessere medizinische Versorgung bei schweren Verläufen von Covid-19. Die Befunde legen nahe, dass eine konsequente Verhinderung und Behandlung der Gerinnung einen großen Nutzen für die Patienten bringt, die sich mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert haben und einen schweren Verlauf der Lungenkrankheit durchstehen müssen. Zudem untersuchten die Heidelberger Pathologen verschiedenen Erkrankungsstadien und stellten fest, dass eine maschinelle Beatmung die Schäden an der Lunge noch vergrößert, die durch das Virus entstanden sind - das legt ein möglichst schonendes Vorgehen bei der Beatmung nahe.

Eine weitere wichtige Studie zum Coronavirus in Baden-Württemberg wurde ebenfalls in Heidelberg durchgeführt. Kinder infizieren sich offenbar seltener mit dem Coronavirus oder bemerken die Infektion kaum. Die Untersuchung unter der Leitung des Uniklinikums Heidelberg zeigte, dass Kinder keine besonderen Treiber des Infektionsgeschehens sind. Auf Basis dieser Studie entschloss sich die Landesregierung zur vollständigen Öffnung der Bildungseinrichtungen.

Die Erkenntnisse der Uni Heidelberg haben auch mit den guten Forschungsbedingungen im Südwesten zu tun. Bei den Investitionen für Forschung und Entwicklung ist Baden-Württemberg im EU-Ranking Spitzenreiter und hängt sogar Länder wie Italien, Kanada oder Schweden ab. In Heidelberg wurde beispielsweise erst kürzlich auch ein neues Medikament entwickelt, das nach 25 Jahren Forschung Hoffnung für Millionen bedeuten könnte.

Rubriklistenbild: © dpa / Claudio Furlan

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