Beunruhigendes Ergebnis

Studie von Tübinger Forscher zeigt, dass Corona auch die Organe befällt

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
    schließen

Die Zahl der mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg Infizierten steigt weiter an. Eine Studie, an der ein Forscher aus Tübingen beteiligt war, zeigt: Corona befällt nicht nur die Atemwege, sondern auch die Organe.

Tübingen - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) verbreitet sich inzwischen langsamer als zu Beginn der Corona-Pandemie, es stellt jedoch noch immer eine Bedrohung für die Gesundheit dar - insbesondere für die Risikogruppe. Die Landesregierung lockerte bereits mehrfach die Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus*, um der Bevölkerung das Leben mit Covid-19 zu erleichtern. Die Sorge wächst derzeit jedoch, dass einige Lockerungen möglicherweise zu früh kamen - aktuell steigt die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg* wieder an.

Vor allem für die häufig von schweren Verläufen betroffene Risikogruppe kann das Coronavirus in Baden-Württemberg* gefährlich werden. Unter anderem deshalb gelten trotz der vielen Lockerungen weiterhin Corona-Regeln wie die Einhaltung eines Mindestabstands sowie die im Frühjahr eingeführte Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg*. Denn das Coronavirus kann nicht nur die Atemwege und den Nasen-Rachen-Raum infizieren: Eine Studie, an der auch ein Wissenschaftler aus Tübingen beteiligt war, hat ergeben, dass der Erreger offenbar auch Darm, Nieren, Leber und die Fortpflanzungsorgane befällt.

Coronavirus befällt nicht nur Atemwege und Mund-Rachen-Raum, zeigt Studie von Forscher aus Tübingen

Gemeinsam mit Kollegen aus den USA hat Vikas Bansal, Datenwissenschaftler am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Tübingen, untersucht, wie das Coronavirus in unterschiedliche menschliche Körperzellen eindringen kann. Um das herauszufinden, analysierten die Wissenschaftler, wie sich Gene in menschlichem Gewebe verhalten. Menschen, die an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt sind, weisen nach Erkenntnis der Wissenschaftler mehrere stärker befalle Bereiche auf.

Demnach sind häufig auch Organe vom Coronavirus befallen - und nicht nur die Atemwege oder der Mund-Rachen-Raum. Den Forschern zufolge eine wichtige Feststellung, um sinnvolle Therapien entwickeln zu können. Denn selbst wenn das Virus zuerst die Lunge infiziere, könne man so besser einschätzen, wo es sich weiter verbreiten wird.

In ihrer Studie, die im renommierten Fachmagazin „Cell Reports“ erschienen ist, untersuchten die Forscher unter Beteiligung des Datenwissenschaftlers Bansal aus Tübingen unterschiedliche Gewebeproben. Das Team wertete 400.000 menschliche Zellen aus unter anderem Niere, Lunge und Nasenschleimhaut aus, um herauszufinden, welche Zelltypen besonders anfällig für das Coronavirus zu sein scheinen. Sie stellten fest, dass Rezeptoren, die auf der Oberfläche menschlicher Zellen sitzen, durch das Virus umfunktioniert werden - so kann der Erreger andocken und sich einschleusen.

Coronavirus-Studie von Tübinger Forscher liefert wichtige Erkenntnisse für den Umgang mit Corona

Auf Basis der Erkenntnisse, die durch die Studie in Zusammenarbeit mit Bansal aus Tübingen gewonnen werden konnten, sollen diese Rezeptoren künftig genauer untersucht werden. Außerdem sind laut der Wissenschaftler noch weitere Experimente nötig: Es wurden bereits Zellen analysiert, bei denen andere Arten von Coronaviren nachgewiesen wurden. Demnach gibt es auch andere Wege, wie das Coronavirus unterschiedliche Zellen infiziert.

Aktuell steigen die Infektionszahlen weltweit wieder an. Auch die Landesregierung von Winfried Kretschmann* rüstet sich bereits für ein Wiederaufflammen der Krise durch das Coronavirus in Baden-Württemberg. Die Gesundheitsämter sind in Alarmbereitschaft, Krankenhäuser wie die Uniklinik Freiburg bereiten sich vor, die Wirtschaft bangt - kommt die zweite Infektionswelle oder befinden wir uns sogar schon mittendrin? Auch wenn diese Frage insbesondere in der Politik zunehmend diskutiert wird, sagt ein Medizinprofessor aus Freiburg, wir befänden uns nicht in einer zweiten Welle* - diese Formulierung bezeichnete er sogar als „groben Unfug“.

Die steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg werden durch verschiedene Faktoren bedingt. Naheliegend ist einerseits, dass die weitreichenden Lockerungen der Corona-Maßnahmen* für einen Anstieg der Neuinfektionen sorgen. Seit dem 1. Juli ist abgesehen von wenigen Ausnahmen wie das Tanzen in Clubs fast alles wieder erlaubt - wenn auch unter Einhaltung der üblichen Hygieneauflagen. Geschlossene Kneipen gehören mittlerweile ebenso der Vergangenheit an wie die Schulschließungen in Baden-Württemberg*.

Speisewirtschaften wie Restaurants, Cafés und Eisdielen sind trotz Coronavirus in Baden-Württemberg schon seit dem 18. Mai wieder geöffnet*. Auch Reisen in Risikogebiete haben vor allem zur Zeit der Sommerferien eine entscheidende Rolle beim Anstieg der Infektionszahlen gespielt. Aktuell stellen sich vor allem Privatpartys als wahre Infektionsherde heraus. Erst kürzlich musste die Polizei eine illegale Party unter einer Autobahnbrücke in Hockenheim auflösen*. Mehr als 30 Jugendliche hatten sich dort versammelt, Alkohol getrunken und sowohl die Maskenpflicht als auch den Mindestabstand ignoriert. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Jean-Francois Badias/AP/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare