Deutschland im Lockdown

„Lockdown treibt Menschen in den Tod“: Boris Palmer fordert Öffnungen - mit neuer Strategie

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat einen Vorschlag für ein sofortiges Lockdown-Ende.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Der Lockdown aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg dauert an. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer fordert erneut ein Ende der Maßnahmen.

Tübingen - Am heutigen Donnerstag, dem 25. Februar, hält das Coronavirus in Baden-Württemberg den Südwesten seit genau einem Jahr in Atem. In 2020 mussten Händler, Dienstleister und auch Schulen und Kitas ihre Läden und Einrichtungen gleich zweimal für mehrere Wochen schließen. Der zweite Lockdown begann im Dezember vergangenen Jahres und soll noch bis mindestens 7. März andauern. Für den Einzelhandel ist der zweite Shutdown besonders fatal. Im Vorfeld befürchtete der Handelsverband, dass im schlimmsten Fall 12.000 Händler die Maßnahme nicht überleben könnten.

Inzwischen hat sich die Landesregierung um Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zwar für einige erste Lockerungen ausgesprochen, die meisten Maßnahmen zum Infektionsschutz bestehen jedoch noch immer. Während in der Landeshauptstadt Stuttgart das Leben noch nicht wirklich in die Innenstadt zurückgekehrt ist, sieht das im rund 30 Kilometer entfernten Tübingen schon anders aus. Die Strategie der Universitätsstadt am Neckar wird „Tübinger Weg“ genannt und war am Mittwochabend auf dem Privatsender RTL auch ein Thema der Sendung „Stern TV“. Zu Gast war Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne), der den Erfolg des „Tübinger Wegs“ erklärte und auch die erneute Forderung nach einem Lockdown-Ende äußerte.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Boris Palmer und der „Tübinger Weg“

In Bezug auf das Coronavirus in Baden-Württemberg fiel Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer bereits durch einige kontroverse Äußerungen auf. Aus Sorge um die Tübinger Innenstadt schrieb er beispielsweise einen Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Mit dem „Tübinger Weg“ scheint der OB jedoch einiges besser gemacht zu haben als der Rest von Deutschland. In der Folge von stern TV am Mittwochabend kritisierte der Grünen-Politiker den Lockdown und die anhaltendenden Maßnahmen. „Im schlimmsten Fall treibt auch ein Lockdown Menschen in den Tod“, sagte Palmer. „Wir müssen akzeptieren, dass das Leben meistens tödlich endet und das gilt auch für Corona.“ Und: Die massive Zunahme psychischer Probleme Aufgrund der lang andauernden Maßnahmen dürfe man nicht unterschätzen.

Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geht Tübingen bereits seit Monaten einen eigenen Weg, der sich auch in den verhältnismäßig geringen Infektionszahlen der Stadt widerspiegelt. Der „Tübinger Weg“ wurde dabei jedoch nicht allein von Oberbürgermeister Boris Palmer initiiert, sondern von der Notärztin Lisa Federle mitbestimmt. Gemeinsam bauten sie ein Testzentrum in der Innenstadt auf, in dem sich die Bürger nicht nur kostenlos auf eine Infektion testen lassen können, sondern auch allerhand Informationen erhalten. Daneben werden die Schnelltests auch an Schulen, Kitas und in Altenheimen durchgeführt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Palmer fordert Lockdown-Ende und kritisiert Bund

Laut „stern TV“ sind die Schnelltests zum Nachweis auf das Coronavirus in Baden-Württemberg, die in Tübingen zum Einsatz kommen, für den Eigengebrauch noch nicht zertifiziert. Boris Palmer stört das jedoch nicht und inzwischen wird das Selbsttesten auch an Tübinger Schulen gelehrt. „Angesichts einer Pandemie, wo wir sagen, das ist die schlimmste Krise seit 1945 und die halbe Welt im Lockdown steckt, kann man doch nicht ernsthaft drauf warten, bis man eine behördliche Genehmigung zum Nasepopeln bekommt“, sagte der OB. „Da muss man halt einfach mal was machen.“

Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg sind jedoch auch in Tübingen die Geschäfte und Läden seit Monaten geschlossen. Boris Palmer fordert deshalb von der Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) konkrete Öffnungskonzepte. Bewusst sei ihm zwar, dass Tübingen mit etwas über 90.000 Einwohnern nicht als Blaupause für ganz Deutschland herhalten könnte, aber „ich denke nicht, dass da irgendwas dabei ist, was man anderswo nicht machen könnte“, sagte Palmer bei „stern TV“.

Auf Bundesebene wird jedoch nicht mitgezogen. „Österreich ist bisschen größer als Tübingen und ist schon seit Wochen dabei, Millionen von Tests gerade in Schulen durchzuführen“, sagte der Oberbürgermeister bei „stern TV“. „Das klappt dort sehr gut. Man hat sich einfach ein bisschen mehr beeilt, weil man öffnen wollte.“ In Deutschland liege der Fokus dagegen nicht auf Öffnen, sondern auf Schließen, kritisiert Palmer. „Rings um uns herum wird aufgemacht und wir müssen weiter im Lockdown warten.“ Als Idee für ein schnelles Lockdown-Ende sagte Boris Palmer, er würde mehrere mobile Testzentren in der Innenstadt aufbauen und die Bürger vor dem Einkauf testen. Das sei seiner Meinung nach auch beispielsweise vor dem Eintritt in ein Kaufhaus möglich.

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