„So effektiv wie ein Lockdown“

Die Corona-Forderung von Boris Palmer dürfte seinen Unterstützern gar nicht gefallen

Boris Palmer (Grüne), Oberbürgermeister von Tübingen, steht mit Mundschutz auf dem Holzmarkt.
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Boris Palmer fordert Pflicht zur Verwendung der Warn-App.
  • Julian Baumann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg stellt noch immer eine Gefahr dar. Die Corona-Warn-App soll Sicherheit bieten. Die App wird jedoch noch nicht vom Großteil der Bevölkerung verwendet - Boris Palmer fordert eine Änderung, die nicht allen gefallen dürfte.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg ist eine unsichtbare Gefahr.
  • Seit dem 16. Juni steht die Corona-Warn-App kostenlos zur Verfügung - sie soll Schutz und Sicherheit bieten.
  • Bislang verwenden nur kleinere Teile der Bevölkerung die App. Boris Palmer will das ändern - mit einer Pflicht.

Tübingen - Die Gefahr durch das Coronavirus in Baden-Württemberg ist so groß, weil sie eine unsichtbare Bedrohung darstellt. Da die Symptome der Lungenkrankheit erst nach zwei Wochen auftreten, tragen viele das Virus in sich, ohne es zu wissen. Für die Bevölkerung stellt das eine große Unsicherheit dar.

Die am 16. Juni von der Bundesrepublik freigegebene Corona-Warn-App soll den Menschen Sicherheit bieten. Sie verfolgt Begegnungen und zeigt damit mögliche Infektionsketten auf. Eine Pflicht zur Verwendung der App besteht bislang nicht. Wenn es nach Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) geht, soll sich das möglichst schnell ändern.

Boris Palmer fordert Verpflichtung zur Verwendung der Warn-App

Laut Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) liegt die Nutzerquote der App bei 30 Prozent. Damit bietet die Warn-App keine ausreichende Sicherheit und kann nur einen Bruchteil der Begegnungen erfassen. Boris Palmer fordert deshalb jetzt eine Pflicht zur Verwendung der Corona-Warn-App.

Die Gründe für die niedrige Nutzerquote sind unterschiedlich. Viele Bürger haben Angst, dass die Corona-Warn-App ihre Daten ausspionieren könnte - ein Trugschluss. Die App speichert nach Angaben der Verbraucherzentrale nur Daten des Nutzers auf dem jeweiligen Smartphone. Ein weiterer Grund, warum die Corona-Warn-App nicht sonderlich beliebt ist: Bei einigen Smartphone-Modellen fiel sie durch einen sehr hohen Akku-Verbrauch auf. Hinzu kommt noch die große Zahl der Corona-Skeptiker, die eine Warn-App generell für unnötig halten.

Dass nun ausgerechnet Boris Palmer eine Pflicht für die Corona-Warn-App fordert, dürfte viele überraschen. Schließlich hatte sich der OB von Tübingen zuvor mit umstrittenen Äußerungen zum Coronavirus vor allem bei Skeptikern der Corona-Regeln beliebt gemacht. So provozierte Boris Palmer mit heftiger Kritik an den Corona-Maßnahmen. „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären“, sagte der OB von Tübingen im Sat.1-Frühstücksfernsehen. 

Außerdem prangerte Boris Palmer den Umgang mit Corona-Skeptikern an. Sie würden beiseite gedrängt, Der Umgang mit den Kritikern der Corona-Maßnahmen in Baden-Württemberg, erinnert den OB von Tübingen an die Flüchtlingskrise 2015, bei der Hunderttausende von Migranten mit „moralisierender Alternativlosigkeit“ abgewiesen worden seien.

Tübinger OB Boris Palmer mahnt: „Nochmal die Wirtschaft strangulieren oder App installieren“?

Die Corona-Leugner würden Boris Palmer wohl gern zu ihren politischen Unterstützern zählen. Doch der OB von Tübingen hat inzwischen mehrmals bewiesen, dass er die Bedrohung durch das Coronavirus in Baden-Württemberg sehr ernst nimmt. Boris Palmer hat sich als Testperson bereits impfen lassen - mit dem Impfstoff, den das Tübinger Unternehmen CureVac derzeit entwickelt. Mit der gleichen Kompromisslosigkeit fordert der OB von Tübingen nun auch die Pflicht zur Verwendung der Corona-Warn-App. Bislang könne die Corona-Warn-App nur neun Prozent aller Kontakte warnen, die Nutzungsquote liege bei 30 Prozent, sagte Boris Palmer der Rhein-Neckar-Zeitung. „Würden wir hingegen 80 Prozent Nutzungsquote erreichen, würden zwei Drittel gewarnt. Das könnte so effektiv sein wie ein Lockdown".

Durch die inzwischen wieder steigenden Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg steigt auch die Angst vor einer zweiten Welle und vor einem erneuten Lockdown.. Boris Palmer stellte die Frage, was wohl schlimmer sei: „Nochmal die Wirtschaft strangulieren und die Biografien unserer Kinder schädigen oder die App installieren“. Eine Pflicht würde die Nutzungsquote der Corona-App massiv steigern. Die corona-kritischen Anhängern des polarisierenden Grünen-Politikers dürfte ein solcher Zwang jedoch weniger gefallen.

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