Boris Palmer startet Initiative

Tübingen: Tests auf Antikörper in der Bevölkerung sollen fatalen zweiten Corona-Ausbruch verhindern

Ein Mediziner im Schutzanzug testet einen Mann auf Corona-Antikörper.
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Antikörper-Tests in Tübingen (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg ist trotz sinkender Infektionszahlen nicht besiegt. Viele befürchten eine mögliche zweite Infektionswelle. Tübingen plant nun, sich auf ungewöhnliche Art darauf vorzubereiten.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich inzwischen langsamer als noch vor ein paar Wochen. Die Landesregierung plant, die Maßnahmen noch weiter zu lockern.
  • Kritische Stimmen befürchten durch die schnellen Lockerungen eine mögliche zweite Welle der Lungenkrankheit Covid-19. Auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer vertritt diese Meinung.
  • In Tübingen sollen nun per Zufallsprinzip Bürger ausgewählt und auf Corona-Antikörper getestet werden.

Tübingen - Seit dem Ausbruch des Coronavirus in Baden-Württemberg versucht die Landesregierung, die weitere Ausbreitung zu verhindern. Weitreichende Corona-Maßnahmen zum Infektionsschutz und weitere Einschränkungen des sozialen und öffentlichen Lebens traten in Kraft. In den vergangenen Wochen lockerte die Regierung einige dieser Auflagen wieder. Teile der Bevölkerung befürchten deshalb nun eine zweite Infektionswelle, die durch zu schnelle Lockerungen hervorgerufenen werden könnte.

Auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer vertritt diese Meinung, wie er in der ZDF-Sendung Maybrit Illner am 14. Mai sagte. In dieser Sendung warnte er auch davor, dass Corona-Skeptiker zur Seite gedrängt würden, was laut Palmer Konsequenzen haben könne. Um seine Stadt auf eine mögliche zweite Infektionswelle mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg vorzubereiten, plant der OB von Tübingen jetzt vermehrt Tests mit Corona-Antikörpern.

Coronavirus in Baden-Württemberg: „Bei einer möglichen zweiten Infektionswelle besser reagieren“

Laut Angaben der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) rief Oberbürgermeister Boris Palmer die Bürger von Tübingen am Mittwoch dazu auf, sich auf Corona-Antikörper testen zu lassen. Dadurch erhofft er sich, repräsentative Zahlen für seine Stadt zu erhalten. Boris Palmer plant, per Zufall eine Auswahl von Bürgern anzuschreiben und sie um eine Teilnahme an den Tests zu bitten.

Etwa 1.000 Teilnehmer aus Tübingen seien seiner Angabe nach notwendig, um eine repräsentative Aussage zur Immunität in der Stadt treffen zu können. „Je mehr mitmachen, umso besser die Datenlage für uns“, sagte Palmer am Mittwoch. Tübingen soll dadurch besser auf eine zweite Infektionswelle des Coronavirus in Baden-Württemberg vorbereitet werden.

Das Tübinger Humangenetik-Unternehmen Cegat meldete am Mittwoch erste Testergebnisse. Bereits seit dem 11. Mai können sich Freiwillige auf Antikörper gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg testen lassen. Laut einer Pressemitteilung von CeGaT nahmen allein in den ersten zwei Wochen etwa 7.000 Menschen aus der Region an den Tests teil.

Antikörpertest in Tübingen liefern erste Ergebnisse

Auf Twitter berichtete das Unternehmen von Tag zwei des Antikörpertests. Am Tag zuvor habe CeGaT etwa 650 Blutproben auf dem Gelände des Unternehmens abgenommen. Die Tests würden nun fortgeführt - glücklicherweise bei sonnigem Wetter, wie die Firma schreibt.

Auch Boris Palmer freut sich über das Engagement des Unternehmens. „Das Team der Cegat hat größten Einsatz gezeigt, um Tests für die Region verfügbar zu machen. Dafür gebührt allen Beteiligten größter Dank. Die Ergebnisse helfen dabei, die künftig stark regionalisierte Verantwortung besser wahrnehmen zu können. Je mehr wir über den Aufbau von Immunität in der Bevölkerung wissen, um so zielgenauer können wir die Pandemieabwehr gestalten“, sagte der Oberbürgermeister.

„Uns war wichtig, schnell einen hochqualitativen Antikörpertest anbieten zu können, der günstig und für alle Personen leicht zugänglich ist. Wir bedanken uns bei Boris Palmer und dem Land Baden-Württemberg für die Unterstützung“, sagte der Geschäftsführer von Cegat, Dirk Biskup, über die Zusammenarbeit von Land und Unternehmen. Boris Palmer war zuvor wegen seiner umstrittenen Corona-Äußerungen in die Kritik geraten, erhielt sogar Morddrohungen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: 8,8 Prozent der Teilnehmer bilden Antikörper gegen das Virus

Laut der dpa stellte Cegat bei 8,8 Prozent der bisher getesteten Teilnehmer Antikörper gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg fest. Das Unternehmen testete in den ersten neun Tagen 6.776 Menschen auf Antikörper. 596 waren positiv. Laut Biskup ist dieses Ergebnis jedoch nicht repräsentativ für die Immunität in ganz Deutschland. Experten gingen zwar davon aus, dass Menschen mit Antikörpern nicht mehr infiziert werden können und damit immun seien, wie lang eine solche Immunität anhalte, sei jedoch noch unklar.

Oberbürgermeister Boris Palmer hofft, dass auch weiterhin viele Tübinger das Angebot nutzen und sich auf Antikörper testen lassen. Gesundheitsminister Manne Lucha sicherte seine Unterstützung zu. „Antikörpernachweise spielen eine bedeutende Rolle, wenn es darum geht, die Gesamtzahl von Personen zu analysieren, die bereits eine Infektion überstanden haben“, sagte Lucha.

Es sei deshalb wichtig, dass zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg entsprechende Testkapazitäten im Land vorliegen würden. „Daher unterstützt das Land das Tübinger Projekt als einen wichtigen Schritt in diese Richtung“, sagte der Gesundheitsminister. Das Unternehmen Cegat plant nun, weitere Blutentnahmestellen für Tests in der Landeshauptstadt Stuttgart und Reutlingen einzurichten.

Dass umfangreiche Corona-Tests der richtige Weg sind, beweist auch der Fall Waldshut: Es wurde gemeldet, Waldshut sei als erster Landkreis in Baden-Württemberg „offiziell corona-frei“. Die Enttäuschung folgte schon am nächsten Tag. Ein Experte vom Landesgesundheitsministerium erklärte BW24, warum das Coronavirus nicht einfach aus Baden-Württemberg verschwinden wird.  

Tübinger Immunologe entwickelt Impfstoff gegen Covid-19

Neben einer möglichst hohen Immunität in der Bevölkerung hilft gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und darüber hinaus nur ein wirksamer Impfstoff. Hans-Georg Rammensee, Immunologe der Universität Tübingen, hat einen wirksamen Covid-19-Impfstoff entwickelt. Der Tübinger Immunologe hat den Corona-Impfstoff an sich selbst getestet. Er geht seitdem davon aus, immun gegen das Coronavirus zu sein. Eine klinische Studie soll nun klären, ob der Impfstoff auch massentauglich ist.

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