Testpflicht in Unternehmen

Unternehmen wütend, weil sie Coronatests für Mitarbeiter bezahlen sollen - „das ist absurd“

  • Valentin Betz
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Unternehmen in Baden-Württemberg müssen ihren Mitarbeitern künftig Corona-Schnelltests anbieten. Der Wirtschaft im Südwesten stößt diese Verordnung gewaltig auf.

Stuttgart - Wirklich wirksame Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sind eigentlich nur die Hygienevorschriften und eine möglichst flächendeckende Impfung. Doch solange das Infektionsrisiko noch besteht, helfen großangelegte Corona-Schnelltests zumindest, die Verbreitung einzudämmen.

Baden-Württemberg hat deshalb bereits eine Testpflicht für Schüler in Hotspot-Regionen beschlossen. Doch angesichts dramatisch steigender Inzidenzen hat inzwischen die Bundesregierung das Management der Corona-Krise übernommen. Dazu gehörte auch, Unternehmen zum Angebot eines Corona-Schnelltests für ihre Mitarbeiter zu verpflichten. In Baden-Württemberg zeigt sich die Wirtschaft darüber äußerst verärgert.

Corona-Schnelltests in Unternehmen: Baden-Württemberg kritisiert Bundesregierung für Beschluss

Einen generellen Corona-Testzwang hatten Unternehmen bereits abgelehnt, da er nicht für mehr Schutz sorge. Die neue Verordnung der Bundesregierung zum Arbeitsschutz verpflichtet zwar Beschäftigte nicht, regelmäßig einen Corona-Schnelltest durchzuführen. Allerdings müssen Unternehmen einmal pro Woche ein Testangebot gewährleisten, so die Stuttgarter Zeitung.

Corona-Schnelltests: Unternehmen müssen das verpflichtende Angebot an Mitarbeiter selbst finanzieren und kritisieren deshalb die Bundesregierung.

Die Wirtschaft in Baden-Württemberg sieht darin ein starkes Misstrauen der Bundesregierung gegenüber den Unternehmen. „Das ist kein gutes Signal“, erklärte Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer der Region Stuttgart, gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Wir hätten uns eine Kultur des Vertrauens und des gemeinsamen Vorgehens bei der Teststrategie gewünscht.“

Der baden-württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) befürchtet nun große logistische Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieser Angebotspflicht. Die Wirtschaft brauche keine weitere Verordnung, die nur auf dem Papier, nicht aber in der Praxis, Wirkung entfalte, so BWIHK-Präsident Wolfang Grenke zur Stuttgarter Zeitung.

Verpflichtendes Angebot: Unternehmen wollen Kosten für Corona-Schnelltests nicht alleine tragen

Neben der Entscheidung der Bundesregierung über die Köpfe der Wirtschaft hinweg ärgern sich Unternehmen in Baden-Württemberg hauptsächlich über die Finanzierung des Schnelltest-Angebots.: Die Kosten sollen die Betriebe selbst übernehmen. „Diese Idee ist geradezu absurd, das braucht man eigentlich gar nicht zu diskutieren“, erklärte Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, gegenüber der Stuttgarter Zeitung.

Ihrer Ansicht nach müssen die Unternehmen in Baden-Württemberg jetzt dafür büßen, dass die Bundesregierung die Impfkampagne schlecht organisiert hat und dadurch Mehrkosten entstanden seien. Trotz der Freiwilligkeit der Corona-Schnelltests in Unternehmen richtete sich die Regierung an die Beschäftigten in Deutschland: „Die Bundesregierung appelliert an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, verantwortungsvoll zu handeln und die Angebote zum Testen auch anzunehmen“, so Regierungssprecher Steffen Seibert.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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