Alle Fakten zu Covid-19

Coronavirus in Baden-Württemberg: Alle Hintergründe zu der Lungenkrankheit

  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Das Coronavirus breitet sich weiterhin in Baden-Württemberg aus. Die Lungenkrankheit bedroht vor allem alte und kranke Menschen und schränkt das öffentliche Leben in Stuttgart und Umgebung ein.

  • Das Coronavirus stammt aus Wuhan in China und verbreitete sich in der ganzen Welt.
  • In Baden-Württemberg stieg die Anzahl der Infizierten und der Todesfälle zu Beginn dramatisch an.
  • Für einige Menschen in Stuttgart und Umgebung ist die Lungenkrankheit besonders gefährlich.

Stuttgart - Das neuartige Coronavirus hat Baden-Württemberg noch immer fest im Griff. Die Lungenkrankheit trat erstmals in Wuhan in China auf. Von dort breitete sich die Pandemie auf die ganze Welt aus - auch im Süden Deutschlands. Mehr als 37.500 Coronavirus-Fälle sind bislang in Baden-Württemberg bekannt. Knapp 1.900 Todesopfer forderte die Lungenkrankheit in dem Bundesland bisher. In Deutschland erkrankten bisher mehr als 202.800 Menschen am Coronavirus, mehr als 9.000 Menschen starben.

Die Lungenkrankheit, die zu Hochzeiten der Pandemie zu dramatischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Baden-Württemberg geführt hat, wird als Covid-19 bezeichnet. Symptome der Erkrankung sind unter anderem Atemprobleme, Husten und Fieber. Über alle wichtigen Symptome des Coronavirus in Baden-Württemberg klärt das Landesgesundheitsamt auf. Während eine Erkrankung mit dem Coronavirus bei gesunden und jüngeren Menschen meist mild verläuft, stellt sie für alte und vorerkrankte Menschen in Baden-Württemberg eine große Gefahr dar. Das liegt daran, dass diese Betroffenen ein geschwächtes Immunsystem haben, das den Erreger nicht abwehren kann.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Dieser gefährliche Erreger steckt hinter der Lungenkrankheit

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge beträgt die Inkubationszeit bei Covid-19 durchschnittlich fünf bis sechs Tage. Es kann aber auch bis zu zwei Wochen dauern, bevor sich nach einer Infektion die ersten Symptome zeigen. Bei Corona-Verdacht sollten Betroffene in Baden-Württemberg unbedingt diese Regeln befolgen. Wenn die Erkrankung besonders schwer verläuft, kommt es bei den Patienten zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung. Mittlerweile starben in Baden-Württemberg nicht nur sehr alte Menschen an den Folgen des Coronavirus.

Der Erreger hinter dem Coronavirus gehört zur Familie der Coronaviridae, zu der auch der SARS-Erreger zählt. Eigentlich infizieren die meisten Typen dieser Virusfamilie nur bestimmte Tierarten. Doch sie passten sich in der Vergangenheit auch neuen Wirten wie nun dem Menschen an. Das Coronavirus breitete sich sehr viel schneller aus als SARS - das zeigt sich auch an dem exponentiellen Ansteigen der Infektionsfälle in Baden-Württemberg.

Ein Mitarbeiter des DRK vor der Corona-Ambulanz am Klinikum Stuttgart

Coronavirus in Baden-Württemberg: Deutschland und Europa im Fokus der Pandemie

Dass sich das Coronavirus in Baden-Württemberg so rasant ausbreitete, lag auch daran, dass Europa und damit auch Deutschland schnell zum Hauptherd der Pandemie wurde und nicht mehr China, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) feststellte. RKI-Chef Lothar Wieler sagte im April: „Zur Zeit ist Europa im Fokus der Pandemie.“ Das Virus hat weltweit mehr als 600.000 Todesopfer (5. August 2020) gefordert.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzte das Risiko der Coronavirus-Pandemie für Deutschland bereits Mitte März als „hoch“ ein. Das teilte der Leiter des RKI Lothar Wieler am 17. März bei einer Pressekonferenz in Berlin mit. Grund für die damalige neue Einstufung seien einerseits die „weiter steigenden Fallzahlen“ sowie die „Alarmsignale aus dem Gesundheitssystem“ gewesen.

Coronavirus: Von Wuhan nach Baden-Württemberg - so fing es an

Das Coronavirus, das viele Bereiche des öffentlichen Lebens in Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart lahmlegte - unter anderem kam es zu Schulschließungen - soll laut WHO von einem Fischmarkt in Wuhan stammen. Verkäufer des Fischmarktes gehörten zu den ersten Infizierten der Coronavirus-Pandemie. Auf dem Markt wurden auch Hühner, Krokodile und Schlangen verkauft. Von einem dieser Tiere soll das Virus ausgegangen sein. Auch der Erreger der Lungenkrankheit SARS wurde vermutlich von einem Tier, einer sogenannten Schleichkatze, auf den Menschen übertragen.

Das Coronavirus wurde zu Beginn als nicht so tödlich wie SARS, Vogelgrippe oder MERS, jedoch als gefährlicher als die Grippe eingeschätzt. Wie hoch die sogenannte Letalität, also die Sterberate, tatsächlich ist, konnten Gesundheitsexperten erst mit Fortschreiten der Pandemie abschätzen. Sie gingen damals davon aus, dass die Lungenkrankheit Covid-19 bei 80 von 100 Infizierten milde verläuft, bei 14 schwer. Sechs von 100 Erkrankten brauchen eine Intensivbehandlung. Nach aktuellem Stand des RKI (August 2020), wird die Letalität für Europa auf 10,5 Prozent geschätzt. In Deutschland liegt sie aktuell bei 4,7 Prozent.

Coronavirus: Karte zeigt Fälle und Zahlen in Baden-Württemberg und Stuttgart

Das Sozialministerium aktualisiert täglich eine Karte mit Coronavirus-Fällen in Baden-Württemberg. Die Karte zeigt die Zahlen in den einzelnen Landkreisen. So war innerhalb von Baden-Württemberg der Landkreis Esslingen zunächst am stärksten betroffen. Mitte Mai gab es hier mehr als 1.800 Corona-Infektionen, 117 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt bereits an Covid-19 gestorben. Viele Coronavirus-Fälle gab es auch in den einwohnerstarken Landkreisen Ludwigsburg, Rems-Murr-Kreis, Böblingen, Tübingen und Reutlingen.

Das Coronavirus hat sich auch in Stuttgart stark verbreitet. In der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg gibt es nach aktuellem Stand (August 2020) mehr als 1.600 Corona-Infektionen. Die Zahl der Todesfälle ist mit 66 verhältnismäßig gering. In Stuttgart gelten nach wie vor Hygienemaßnahmen wie Mindestabstand und Maskenpflicht an vielen öffentlichen Orten. Die Polizei führt Kontrollen durch und verhängt bei Corona-Verstößen Geldstrafen.

Coronavirus: Klinikum Stuttgart bei Diagnose und Behandlung führend in der Region

In Stuttgart waren im März mehr als 300 Menschen gleichzeitig mit dem Coronavirus infiziert. Laut dem Vorstandsvorsitzenden des Klinikum Stuttgart, Steffen Jürgensen, verläuft die Lungenkrankheit Covid-19 bei den allermeisten dieser Patienten milde und die Patienten kurierten sich überwiegend zu Hause aus, wie er auf dem Stadtportal von Stuttgart erklärte. Stationär wurde zu diesem Zeitpunkt eine niedrige zweistellige Zahl behandelt - jedoch mit deutlich steigender Tendenz. Eine Intensivbehandlung brauchten in Stuttgart damals drei ältere Patienten mit Vorerkrankungen. Stand heute (5. August 2020) sind noch 73 Personen infiziert und damit ansteckend.

Mit Beginn der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg hat das Klinikum Stuttgart eine sogenannte Fieber-Ambulanz eingerichtet, in der sich Einwohner testen lassen konnten. Sie ist vom Rest des Klinikums getrennt. Als Wartebereich wurden vor dem Gebäude Container aufgebaut. Das Klinikum Stuttgart war mit seinen Vorbereitungen auf schwer erkrankte Coronavirus-Patienten im ZDF zu sehen:

Generell waren die Kliniken und Krankenhäuser in Baden-Württemberg schon zu Beginn der Pandemie gut für das Coronavirus gerüstet: So war die Zahl der verfügbaren Intensivbetten und Beatmungsgeräte in den Kliniken in Tübingen, Karlsruhe und Heidelberg nur zu einem kleinen Teil ausgelastet. Engpässe gab es dagegen in Kliniken in Esslingen und Nürtingen, weil diese Landkreise besonders vom Coronavirus betroffen waren.

Coronavirus: Diese Menschen gehören in Baden-Württemberg zur Risikogruppe

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist Covid-19 besonders gefährlich für Menschen ab 50 bis 60 Jahren, die deswegen zur Coronavirus-Risikogruppe in Baden-Württemberg gehören. Je älter ein Patient ist, desto mehr steigt auch das Risiko. Zum einen liegt das an dem mit zunehmendem Alter schwächer werdenden Immunsystem. Zum anderen an den zahlreichen Krankheiten, die ältere Menschen bereits haben könnten. Aber auch jüngere Patienten mit Erkrankungen des Herzkreislaufsystems, mit Lungenleiden oder Krebs sind besonders gefährdet. Für sie kann eine Infektion mit dem Coronavirus tödlich verlaufen.

Kinder und Schwangere in Baden-Württemberg sind durch das Coronavirus eher nicht gefährdet

Bei Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren verläuft eine Erkrankung mit dem Coronavirus sehr mild, weshalb Experten auch in Baden-Württemberg von einer eher geringen Gefahr für die Jüngsten ausgehen. Schwere oder gar kritische Verläufe wurden nur bei einem sehr geringen Teil der betroffenen Kinder und Jugendlichen in China beobachtet.

Auch für schwangere Frauen in Baden-Württemberg stellt Covid-19 kein erhöhtes Risiko dar. Es ist bislang noch zu wenig erforscht, wie sich das Coronavirus von der Mutter auf das ungeborene Kind überträgt. Nach der Geburt kann es zu einer Übertragung durch eine Tröpfeninfektion kommen. In der Muttermilch konnte das Virus bisher nicht nachgewiesen werden.

Coronavirus: Infektionsschutz in Baden-Württemberg und Stuttgart

Um die Ausbreitung einzudämmen, wurden wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg ein Kontaktverbot und Schließungen beschlossen. Das öffentliche Leben in Baden-Württemberg und in der Landeshauptstadt Stuttgart kam dadurch fast vollständig zum Erliegen. Ab Mitte März war der Betrieb von Fitnessstudios, Sportstätten, Bars und Discos verboten. Schulen, Unis, Kinos, Museen und Schwimmbäder blieben zu. Kurz darauf mussten auch die meisten anderen Geschäfte wegen der Corona-Krise in Baden-Württemberg schließen. Nur noch folgende Einrichtungen waren Ende März geöffnet:

  • Einzelhandel für Lebensmittel
  • Wochenmärkte
  • Abhol- und Lieferdienste
  • Getränkemärkte
  • Apotheken
  • Sanitätshäuser
  • Drogerien
  • Tankstellen
  • Banken und Sparkassen
  • Poststellen
  • Reinigungen
  • Waschsalons
  • Zeitungsverkauf,
  • Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte
  • Großhandel
  • Hofläden und Raiffeisenmärkte

Kontaktverbot in Baden-Württemberg wegen des Coronavirus

Als erste große Stadt in Baden-Württemberg hatte Freiburg wegen des Coronavirus eine Ausgangsbeschränkung erlassen. Ab dem 21. März galt ein Betretungsverbot für öffentliche Orte wie „Straßen, Wege, Gehwege, Plätze, öffentliche Grünflächen und Parkanlagen“. Das Verbot galt zunächst bis zum 3. April.

Kurz darauf haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Landeschefs, darunter auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, in einer Telefonkonferenz ein bundesweites Kontaktverbot beschlossen. Es durften sich nicht mehr als zwei Personen zusammen in der Öffentlichkeit aufhalten. Ausgenommen waren Familien und Menschen, die im selben Haushalt wohnen. Zu anderen Menschen muss jederzeit ein Mindestabstand von 1,5 Meter gehalten werden. Bei Verstoß gegen diese Regelungen drohten Geldbußen und sogar Freiheitsstrafen. Mittlerweile, Stand 5. August, sind zahlreiche Lockerungen in Kraft getreten und Schulen, Geschäfte, Gastbetriebe und Dienstleister haben wieder geöffnet. Mindestabstand und Maskenpflicht gelten jedoch weiterhin.

Hilfe für Risikogruppe und Patienten in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg

Wer wegen des Coronavirus Hilfe braucht, wird von Organisationen und Nachbarn in Baden-Württemberg unterstützt. Neben offiziellen Hilfsangeboten gibt es Portale, in denen private Helfer Unterstützung für Nachbarn anbieten können. Diese Hilfe kann beispielsweise daraus bestehen, für Angehörige der Risikogruppe den Einkauf zu erledigen. Offizieller Anbieter von solchen Leistungen ist das DRK Baden-Württemberg, das Menschen in Quarantäne Lebensmittel liefert.

Coronavirus in Baden-Württemberg hat gravierende Folgen für die Wirtschaft

Die Schließungen und das Kontaktverbot wegen des Coronavirus bedrohten die Wirtschaft in Baden-Württemberg. Konzerne wie Daimler, Bosch und VW einschließlich Porsche hatten ihre Produktion fast vollständig stillgelegt und Kurzarbeit für Mitarbeiter beantragt. Laut IHK hatten im März bereits 11.000 Unternehmen in Baden-Württemberg Kurzarbeit eingeführt. Laut Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut leidet jedes zweite Unternehmen im Bundesland an den Folgen des Coronavirus. Selbstständige und kleine Unternehmen seien in ihrer Existenz bedroht.

Deshalb leistete das Wirtschaftsministerium Soforthilfe für durch das Coronavirus in Not geratene Unternehmen und Selbstständige in Baden-Württemberg. Betroffene konnten einen Antrag auf die Corona-Soforthilfe stellen und erhielten je nach Anzahl der Mitarbeiter einen Zuschuss in Höhe von bis zu 30.000 Euro.

Einreiseverbot und Reisewarnung wegen Coronavirus: Flughafen Stuttgart im Notbetrieb

Wegen des Coronavirus galt in Baden-Württemberg wie in ganz Deutschland und der EU ein Einreiseverbot für Nicht-EU-Bürger. Außerdem hatte die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen. Die Bürger sollten keine touristischen oder nicht notwendigen Reisen unternehmen. Das Coronavirus traf den Flughafen Stuttgart hart: Es herrschte Notbetrieb, nur noch zehn Prozent der Flüge wurden am Airport in Leinfelden-Echterdingen durchgeführt. Die Landesregierung hatte den Flugverkehr in Baden-Württemberg fast vollständig eingestellt, um die Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 einzudämmen. Mittlerweile (20. Juli) dürfen Bürger wieder Urlaub in anderen Ländern machen - allerdings sollten sie sich in jedem Fall vorab informieren, welche Auflagen und Bestimmungen im jeweiligen Reiseland gelten.

Schließungen von Schulen und Kindergärten wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg

Aufgrund der anhaltenden Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg waren seit dem 17. März auch die Schulen im Land geschlossen. Kultusministerin Susanne Eisenmann bezeichnete die Schließungen der Schulen und Kindergärten wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg als absolute Notsituation, von der bis zu 1,6 Millionen Kinder betroffen sein könnten. Der Schulbetrieb sollte trotz Covid-19 zunächst am 4. Mai, wieder aufgenommen werden - allerdings zunächst schrittweise und stark eingeschränkt. So sollten zunächst nur Schüler der Abschlussklassen an die Schulen zurückkehren. Erst seit dem 29. Juni sind alle Einrichtungen wieder vollständig geöffnet - allerdings nach wie vor unter bestimmten Auflagen. Seitdem dürfen auch Grundschüler wieder zur Schule.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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