„Erfolgsgeschichte unterbrochen“

Ein Jahr Corona: Lage der Tourismusbranche in Baden-Württemberg ist erschreckend

Zwei  Touristen stehen mit Mund-Nasen-Bedeckung im Musikpavillon auf dem Schlossplatz und fotografieren sich mit dem Neuen Schloss und der Jubiläumssäule im Hintergrund.
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Der Tourismus in Stuttgart ist im Pandemie-Jahr drastisch zurückgegangen - in ganz Baden-Württemberg hatte die Landeshauptstadt die größten Einbußen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg ist der Tourismus im Bundesland auf ein Niveau von vor Jahrzehnten zurückgefallen.

Stuttgart - Die Tourismusbranche ist angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg stark angeschlagen. Laut Angaben des Statistischen Landesamts in Stuttgart hat sich die Zahl der ankommenden Gäste in Hotels, Pensionen und anderen Unterkünften 2020 im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert. „Baden-Württemberg erfreute sich in den Jahren vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie als Reiseziel stetig wachsender Beliebtheit“, heißt es in der Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes. „Dieser Aufwärtstrend wurde aufgrund von Corona im Jahr 2020 unterbrochen.“

Besonders starke Rückgänge verzeichneten die Statistiken bei den Übernachtungen zu Beginn der Pandemie im April (Minus 88,3 Prozent) und Mai (Minus 79,1 Prozent) sowie später im Jahr im November (Minus 66,7 Prozent) und Dezember (Minus 74 Prozent), nachdem die Weihnachtsmärkte abgesagt worden waren.

Im Sommer, als das Coronavirus in Baden-Württemberg zeitweise unter Kontrolle schien, erholte sich der Tourismus zwar zwischenzeitlich etwas, blieb aber immer noch deutlich unter den starken Ergebnissen der Vorjahre.

Coronavirus in Baden-Württemberg: 390.000 Arbeitsplätze hängen am Tourismus

Anhand der Datenerhebung zeigt sich abermals, welche fatalen Folgen das Coronavirus für die Wirtschaft im Land hat. Zahlreiche Existenzen gehen in der Krise zugrunde. Im Handel könnte der Corona-Lockdown 200.000 Jobs in Baden-Württemberg vernichten. Ebenso erschreckend sind die Zahlen im Tourismus. Etwa 390.000 Arbeitsplätze hängen nach Angaben des Tourismusministeriums von dieser Branche ab.

Nach dem Rekordjahr 2019 mit über 57 Millionen Übernachtungen in Baden-Württemberg wurde 2020 ein jahrelanger Aufwärtstrend beim Tourismus durch die Corona-Krise drastisch unterbrochen: Die Übernachtungszahlen im Pandemie-Jahr sanken auf nur noch 34,2 Millionen. Weniger Übernachtungen im Südwesten hatte es zuletzt 1985 gegeben. Zieht man Bilanz bei den Übernachtungszahlen im Land, ergeben sich für 2020 folgende Rückgänge:

  • Hotels, Gasthöfe, Pensionen (-45,6 %)
  • Jugendherbergen und Hütten (-71,1 %)
  • Erholungs- und Ferienheime (-60,7 %)
  • Schulungsheime (-49,4 %)
  • Campingplätze (-16,5 %)
  • Ferienhäuser und Ferienwohnungen (-19,7 %)

Quelle: Statisches Landesamt

Coronavirus in Baden-Württemberg: „Hotellerie vom Corona-Abwärtssog erfasst“

„Während Campingplätze sowie Ferienhäuser- und Wohnungen immerhin nur knapp 20 Prozent unter ihrem Vorjahresniveau blieben, war vor allem die Lage der Jugendherbergen, Erholungs- und Schulungsheime relativ prekär“, heißt es von Seiten des Statistischen Landesamtes. „Aber auch die Hotellerie mit dem traditionell größten Marktanteil wurde vom Corona-Abwärtssog erfasst und verbuchte 45,6 Prozent weniger Übernachtungen als 2019.“ Die drei baden-württembergischen Reisegebiete mit den geringsten Einbußen bei den Übernachtungen im Ausnahmejahr 2020 waren:

  • Hegau (-16,1 %)
  • Bodensee (-23,8 %)
  • Allgäu-Oberschwaben (-31,5 %)

Dem gegenüber verzeichnete die Region Stuttgart mit einem Minus von 54,4 Prozent bei den Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr unter allen Reisegebieten in Baden-Württemberg die gravierendsten Verluste. Einbrüche in dieser Größenordnung waren jedoch wegen der Lockdown-bedingten Schließungen des Gastgewerbes und der gesunkenen Reiselust vieler Menschen erwartet worden.

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