Autokorso statt Menschenmassen

Automassen gegen Corona-Regeln: Immer mehr Demos in Baden-Württemberg

Autokorso der Initiative Querdenken 711 am 27. Januar in Stuttgart.
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In Baden-Württemberg gibt es immer mehr Autokorsos als Protest gegen die Corona-Maßnahmen.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Seit der ersten Maßnahme gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg gibt es Demonstrationen gegen die Verordnungen. Inzwischen finden in vielen Städten immer mehr Autokorsos zu Protestzwecken statt.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) beeinflusst das Leben im Südwesten bereits seit einem Jahr. Die Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne)* führte im Laufe dieses Jahres zahlreiche Maßnahmen und Verbote zum Infektionsschutz* ein. Durch die sich immer wieder ändernde Lage im Land wurden viele Regeln auch wieder gelockert und dann wieder verschärft. Bereits bei der ersten Welle im Frühjahr 2020 regte sich Widerstand in Teilen der Bevölkerung. Die Initiative Querdenken 711 aus der Landeshauptstadt Stuttgart* veranstaltete zahlreiche Demonstrationen gegen die Corona-Verordnungen.

Im Dezember vergangenen Jahres breitete sich das Coronavirus in Baden-Württemberg* wieder deutlich schneller aus. Überraschenderweise forderte die Corona-kritische Bewegung der Querdenker plötzlich einen zweiwöchigen Mega-Lockdown*. Tatsächlich trat nur wenig später der von Bund und Ländern beschlossene Lockdown in Kraft, der bis mindestens 14. Februar* andauern soll. Die Initiative Querdenken 711 kündigte erst vor wenigen Wochen einen Autokorso durch Stuttgart* als Protest gegen die Corona-Verordnungen an. Inzwischen gibt es immer mehr solcher Veranstaltungen im Südwesten, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Sind Autokorsos die Demonstrationen im Jahr 2021?

Bei den zahlreichen Demonstrationen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg kam es immer wieder zu Kritik an der Ausführung der Proteste. Aufgrund der zahlreichen Verstöße gegen die Verordnungen untersagte die Stadt Stuttgart sogar eine Corona-Demo*.

Daneben zeigte sich in der Bewegung der Querdenker eine zunehmende Radikalisierung. Beispielsweise verglich sich eine 11-Jährige bei einer Corona-Demo mit Anne Frank* und ein Politiker aus Baden-Württemberg verglich den Lockdown mit einem Konzentrationslager*. Durch die zunehmende Radikalisierung der Corona-Demonstranten und einer Instrumentalisierung der Proteste durch Rechtsextremisten wird die Initiative Querdenken 711 inzwischen vom Verfassungsschutz beobachtet*.

Aufgrund der entdeckten hochansteckenden Mutationen des Coronavirus in Baden-Württemberg scheinen Autokorsos anstelle von Menschenmassen auf engem Raum zunächst keine so schlechte Idee zu sein. Durch die Corona-Krise feierte immerhin im vergangenen Jahr auch ein totgeglaubter Trend sein Comeback*. Der Autokorso der Querdenker legte am 27. Januar allerdings die Nerven blank*. Inzwischen finden in vielen Städten in Baden-Württemberg solche Autokorsos statt, die oftmals den Verkehr blockieren und für Unmut unter der Bevölkerung sorgen. Diese Protestaktionen sind jedoch nicht alle der Initiative Querdenken 711 zuzuschreiben.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Autokorsos in vielen Städten im Südwesten

Nach Angaben der dpa kamen kürzlich in Pforzheim rund 1.000 Fahrzeuge zusammen, um gemeinsam gegen die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu protestieren. Auch die im Dezember im Südwesten gestarteten Impfungen stoßen bei Teilen der Bevölkerung auf Kritik. In den nachfolgenden Städten im Südwesten fanden im Laufe der letzten Wochen Proteste gegen die Corona-Maßnahmen auf vier Rädern statt:

Stadt Landkreis
Ulm Ulm
RadolfzellKonstanz
Villingen-Schwenningen Schwarzwald-Baar-Kreis
Heidelberg Heidelberg
Oberndorf am Neckar Rottweil
Balingen Zollernalbkreis
Freiburgkreisfrei
Ludwigsburg Ludwigsburg

(Quelle: Deutsche Presse-Agentur)

Bei einer nicht angemeldeten Demonstration gegen die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg hatten sich am vergangenen Samstag nach Angaben der Polizei rund 1.200 Menschen in rund 600 Autos auf einem Parkplatz in Mannheim eingefunden. Auch sie wollten ihren Protest mit einem Autokorso kundtun. Die Stadt Mannheim löste die Demonstration jedoch nach einer Verfügung der Versammlungsbehörde auf.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Autokorsos erregen mehr Aufmerksamkeit als traditionelle Demos

Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg gab es bereits zahlreiche Demonstrationen im ganzen Südwesten. Die Autokorsos erregen jedoch deutlich mehr Aufmerksamkeit als die traditionellen Protestaktionen und Märsche, sagte der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir. „Mit 50 Fahrzeugen kann man den Verkehr blockieren und damit weit mehr Wirkung erzielen, als wenn sich dieselbe Zahl von Demonstranten vor dem Münster positioniert.“ Bei den Autokorsos durch die baden-württembergischen Städte stehe jedoch die Versammlungsfreiheit der Verkehrssicherheit gegenüber, heißt es in einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der SPD. Was in der jeweiligen Situation vorrangig sei, habe in diesem Fall letztendlich die zuständige Polizeibehörde zu entscheiden.

Die Autokorsos als Mittel des Protestes gegen die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg sind vielen Bürgern ein Dorn im Auge. Letztendlich ließe sich eine solche Veranstaltung allerdings nur verbieten, wenn die Sicherheit des Verkehrs durch nichts anderes als eine Auflösung der Demonstration gewährleistet werden kann, heißt es in der Antwort des Innenministeriums. Geringfügige temporäre Verkehrsbehinderungen würden jedoch nicht unter diese Kategorie fallen, da sie bei einer solchen Aktion unvermeidbar seien. Die Veranstalter müssen im Vorfeld einer solchen Demonstration allerdings ein schlüssiges Sicherheitskonzept vorlegen. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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