Urlaub trotz Corona

Neuer Lockdown droht: Reiserückkehrer verdoppeln Neu-Infektionen

  • Valentin Betz
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich wieder stärker. Das hängt auch mit Menschen zusammen, die aus dem Urlaub zurückkehren und das Virus einschleppen - das könnte fatale Folgen haben.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich hauptsächlich durch Reiserückkehrer.
  • Die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg stiegen dadurch zuletzt wieder stark an.
  • In Stuttgart droht deshalb ein erneuter Lockdown, wenn die Infektionen so weiter anwachsen.

Stuttgart - Die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen im Moment wieder an. Daran sind nicht nur die Menschen schuld, die sich nicht an die Maßnahmen zum Schutz gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg halten. Ein großes Problem ist auch die Liebe der Deutschen zum Reisen. Rückkehrer aus Risikogebieten werden deshalb inzwischen getestet. Vor dem Corona-Testzentrum am Flughafen Stuttgart bildeten sich deshalb lange Schlangen. Bis zu 2.000 Passagiere werden dort täglich auf eine Infektion untersucht.

Dass dabei auch vieles schieflaufen kann, zeigte jüngst ein Beispiel in Stuttgart. Kroatien-Rückkehrer besuchten in Stuttgart eine Party und verbreiteten das Coronavirus. Die vielen Tests belasten das Land Baden-Württemberg gleich in mehrfacher Hinsicht. Einerseits stoßt Baden-Württemberg mit den Corona-Tests an Grenzen. Die Labore haben schlichtweg nicht mehr genügend Kapazitäten, um die Tests schnell genug auszuwerten.

Andererseits kosten die Corona-Tests auch Geld. Die FDP fordert deshalb, dass Rückkehrer aus Risikogebieten den Corona-Tests selbst zahlen sollen. Betrachtet man das aktuelle Infektionsgeschehen, ist die Forderung der FDP zumindest nachvollziehbar. Denn das Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg bestätigt: „Der Anstieg der Fallzahlen ist nach wie vor größtenteils auf Reiserückkehrer zurückzuführen.“

Steigende Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg: Reiserückkehrer bringen das Virus mit

Das vermeldete das Landesgesundheitsamt in seinem Lagebericht vom 24. August. Alleine im Stadtkreis Stuttgart gab es in den vergangenen sieben Tagen 134 neue Fälle einer Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. Wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet, sind Reiserückkehrer in Baden-Württemberg inzwischen der Hauptgrund für die steigenden Fallzahlen. 53 Prozent aller in den vergangenen zwei Wochen erkannten Infektionen stammten von Reisenden, die sich mutmaßlich im Ausland angesteckt haben.

Ein Corona-Test ist für Reiserückkehrer aus Risikogebieten derzeit Pflicht.

90 Prozent der infizierten Reiserückkehrer seien nach einer Berechnung des Landesgesundheitsamts aus Risikogebieten nach Baden-Württemberg gekommen, so die StZ. Die meisten Infektionen mit dem Coronavirus wurden demnach aus dem Kosovo eingeschleppt, gefolgt von Kroatien und Serbien. Besonders unter den 15- bis 34-Jährigen stiegen die Infektionszahlen laut Landesgesundheitsamt zuletzt stark an. Zu dieser Altersgruppe gehören laut StZ vermutlich auch sehr viele Urlaubsrückkehrer.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Steigen Infektionen weiter an, droht erneuter Lockdown

Vor allem in Stuttgart macht man sich angesichts der steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg Gedanken. „Die Lage bereitet uns zunehmend Sorge. Wir haben bei den Neuinfektionszahlen einen deutlichen Anstieg“, sagte Florian Hölzl, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts zur StZ. Aktuell gibt es in Stuttgart über 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Bei 50 Neuinfektionen müssten „zum Gesundheitsschutz der gesamten Bevölkerung drastische Schritte bis hin zu erneuten Lockdown-Maßnahmen ergriffen werden“, so das Landesgesundheitsamt gegenüber der StZ.

Coronavirus: Reiserückkehrer in Stuttgart verhalten sich verantwortungslos

Florian Hölzl ist deshalb dafür, dass sich auch Urlauber auf das Coronavirus testen lassen, die nicht aus Risikogebieten zurückkehren. Besonders fatal: Nach Angaben des Gesundheitsamtes gab es in jüngster Zeit auch immer wieder Urlauber, die das Ergebnis ihres Corona-Tests nicht abgewartet haben. Stattdessen gingen sie leichtfertig zur Arbeit - und waren mit dem Coronavirus infiziert. „Rückkehrer, auch wenn sie nicht aus einem Risikogebiet kommen, sollten in den 14 Tagen nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen, beispielsweise die sozialen Kontakte auf das erforderliche Minimum reduzieren“, sagte Florian Hölzl deshalb zur StZ. Denn sonst droht, was wirklich niemand möchte: Ein zweiter Lockdown.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat sich jetzt auch der Flughafen Stuttgart zu einer besonderen Maßnahme entschieden. Wer am Flughafen Stuttgart unterwegs ist, wird ab jetzt genau beobachtet. Sensoren sollen den Abstand unter den Passagieren messen, damit in Zukunft Orte identifiziert werden können, wo sich besonders viele Menschen dicht drängen.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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